Fünf nach zwölf zwei

Der Flugzeugbauer U.S. Aerospace soll von einem Bietverfahren ausgeschlosen werden. Es geht darum, Flugzeuge im Wert einiger Dutzend Milliarden (!) Dollar für die amerikanische Luftwaffe bauen zu dürfen.

Die Frist für die Abgabe der Angebote war Freitag, der 09. Juli 2010. Um 14 Uhr.

Eingegangen ist das Angebot bei der zuständigen Abteilung am 09. Juli 2010. Um 14:05 Uhr.
(U.S. Aerospace sagt, das Angebot sei um 13:30 Uhr auf dem Gelände der Luftwaffe gewresen, nur das Finden des konkreten Empfängers habe dann noch mal gedauert.)

Wenn ich sowas lese, denke ich mir immer: Alle in einen Sack und mit dem Knüppel drauf. Triffst du keinen Falschen.

Zum einen: Wie kann man so oberwahnsinnig sein und ein Angebot in Millardenhöhe auf die letzte Minute auszuliefern? Wenn ich in meinem Job ein Angebot für eine öffentliche Ausschreibung fertigstelle, dann lasse ich oft einen ganzen Tag Luft, wenigstens aber einige Stunden zwischen der vom Kurier garantierten Auslieferungszeit und dem Ablauf der Frist. Und da geht es um einige Nullen weniger vor der Komma.

Doch zum anderen: Welcher Beamte lässt sich für so ein Angebot eine Frist einfallen, die an einem Freitag um 14 Uhr endet? Wollte der zwischen 14 Uhr und dem Aufbruch ins Wochenende (vermutlich 90 Minuten später) schnell noch die eingegangenen Angebote checken und über ein paar Milliarden entscheiden? Wie willkürlich kann man’s bitte machen?

Und schlussendlich: Würde man als Auftraggeber wirklich ein möglicherweise besseres Angebot, das einem ein paar Milliarden Dollar spart, ausschließen, weil es fünf Minuten zu spät zugestellt wurde? Wenn ja, dann bitte ich darum, dass der Zuständige das den Steuerzahlern persönlich erklärt.

Und was würde überhaupt Eva Herman dazu sagen?

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2 Antworten zu “Fünf nach zwölf zwei

  1. Ich würde die Betonung mal ausschließlich auf die erste Frage legen: Wie kann man so ein Angebot auf den letzten Drücker abgeben? Wer zu spät kommt etc. pp.

    Ob der Abgabetermin blöd ist oder nicht ist völlig wumpe. Man findet nie einen Termin, der jedem gefällt. Also legt man eben einen fest, der einem selbst gefällt. An diesen hält man sich als Bewerber. Wenn man das schon nicht zuverlässig schafft, wie soll der Auftraggeber/Steuerzahler dann glauben können, daß alles rechtzeitig fertig wird und schon okay sein wird? Wer schon in diesem Stadium pi mal Daumen agiert sollte bitte nicht für die Ausrüstug verantwortlich sein, an der dann später Menschenleben hängen.

    Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. Die akademische Viertelstunde mag für Parties und Vorlesungen sinnvoll sein, aber eben nicht für wirklich wichtige Termine im Leben. Als Kunde brauche ich keinen Auftragnehmer, der mal fünf gerade sein lässt und auf Risiko spielt. Ich will einen verlässlichen Partner, der mir das Gefühl gibt, daß ich ihm nicht dauernd über die Schulter sehen muss.

  2. Die Einstellung versteh ich schon, Kiki. Aber zum einen verstehe ich nicht, warum Termine im wirklichen Leben auf die Minute (Warum nicht Sekunde?) eingehalten werden müssen? Meiner Ansicht nach wird bei Projektendterminen grundsätzlich die Komplexität verkannt, die einem Projekt innewohnt, auch so einer Milliarden-Ausschreibung. Ein Projektmanagement-Guru sagte mal in einem Vortrag, den ich hörte, er wäre dafür, Fertigstellungstermine großer Projekte nicht mit einem Tag anzugeben, sondern mit einer Jahreszeit: “Wenn die Blätter sich gelb verfärben…”

    Und zum anderen ist es so, dass man einem Abgabetermin “Freitag, 14 Uhr” die Willkürlichkeit auf den ersten Blick ansieht. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Man sieht dem Termin die Lust zur Schikane an. Und deswegen ist er mir unsympathisch. Wer einen Termin nur setzt, um damit dem anderen eine willkürliche Hürde in den Weg zu stellen, der geht mit der falschen Grundeinstellung in ein Mulit-Milliarden-Projekt. Und das finde ich langfristig eben genauso projektgefährdend wie die Unfähigkeit des Ausschreibungsteilnehmers, sich an diesen Termin einfach zu halten.

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