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Fortuna Köln – Viktoria Köln 3-1

Dieses Spiel zeigte wie unter der Lupe auf, warum Fortuna und Viktoria in der Tabelle zum Ende der Saison jeweils dort stehen , wo sie stehen, nämlich Fortuna auf Platz 2, mit Restchancen auf den Aufstieg, und Viktoria, der erklärte Aufstiegskandidat, auf Platz 6, mit 16 Punkten Rückstand auf Platz eins bei einem Spiel mehr. Den Unterschied in dieser Partie machte eine wesentliche Qualität aus: Herz.

Nach dem Schlusspfiff

Denn nach Tormöglichkeiten war die Partie ausgeglichener, als es das Endergebnis vermuten lässt. Gerade in der ersten Halbzeit hatte Viktoria gleich eine ganze Reihe von guten Chancen, sogar einen Pfostenschuss, als Fortuna in der Defensive noch nicht so kompakt stand wie ab Mitte der ersten Hälfte und Viktoria zu viel Platz ließ. Aber von der ersten Minute an sah es so aus, als würden die Spieler von der Schäl Sick sich die Zeit bei einem Freizeitkick vertreiben, während Fortuna engagiert kämpfte. Viktoria spielte sich den Ball locker und drucklos zu, kam nur wegen der großen individuellen Qualität ihrer Spieler dennoch zu Tormöglichkeiten. Wenn Engagement bei Viktoria zu erkennen war, dann in Form von Frust und Übermotivation: Alex Voigt bekam sich nach seiner gelben Karte nach einer halben Stunde gerade noch in den Griff, vorher hatte er wie eine Rotkandidat mit Ansage ausgesehen, nahm eine Entschuldigung nach harmlosem Mittelfeldfoul an ihm nicht an und grätsche Sievers schließlich unnötig an der Außenlinie um. Eine Viertelstunde vor Ende keilte Gardawski an der Eckfahne gegen Lukas Nottbeck aus wie ein zorniger Ackergaul. Warum der ansonsten sehr gut leitenden Schiedsrichter Storks hier nicht mindestens Gelb zeigte, war unerklärlich. Und nach dem Spiel ließ Voigt seinen Frust angeblich noch an den eigenen Fans aus, jedenfalls gab es eine Auseinandersetzung, bei der Voigt von einem Mannschaftskameraden zurückgehalten wurde.

Nach dem Schlusspfiff

Gelb für Voigt

Fortuna im Gegensatz ackerte und rackerte das ganze Spiel über. Prototypisch eine Szene beim Stand von 2-0, als der Ball bei einem Konter über die Seitenauslinie zu gehen drohte und Thomas Kraus im Kung-Fu-Stil absprang, um die Szene am Leben zu halen. Und selbst, wenn nicht immer alles gelang und der Fortuna zwei Tore geschenkt wurden, war nur beim Team in rot-weiß der klare Wille erkennbar, als Sieger vom Platz zu gehen.

Zu den Toren der Fortuna: Das erste, schon nach neun Minuten, war eine Standardsituation. Lejan tritt einen guten Freistoß von halblinks in den Strafraum, im Strafraum rutscht ein Fortunaspieler weg und geht nicht zum Kopfball, so dass der Ball bis kurz vor’s Tor durchkommt, wo Oliver Laux nur noch den Fuß hinhalten muss. Nach dem 2-0 wollte der Viktorianer Tschumakow im Boden versinken, vielleicht auch schon vorher, denn am Fünfmeterraum bekam er den Ball zugespielt, verstolperte ihn aber peinlich, und der kurz zuvor eingewechselte Fabian Montabell, der gut Druck gemacht hatte, musste nur noch einschießen. Strafauswechslung für Tschumakow fünf Minuten später. Und beim 3-0 erlief Michael Lejan einen abgefälschten Schuss und vollendete selbst.

Untröstlicher Torverursacher

Zeigte sich also die ETL-Truppe auf dem Feld desolat unengagiert, so kann man das von den Fans der Viktoria nicht sagen: Die trommelten das ganze Spiel hindurch und brachten Sprechchöre, wenn auch zu 99% völlig einfallslose (“Scheiß Fortuna”), und sogar eine Choreo beim Einlaufen der Mannschaften zustande. Das muss das Mitleid ihnen lassen. Denn ein Verein, der zu einem Stadtderby mit Straßenbahnanreise beim absoluten Hassgegner keine hundert Mann in seine Kurve bringt, entlarvt sich als das, was er unbestreitbar ist: Ein aufgeblasenes und von niemandem geliebtes Kunstprodukt ohne Basis. Diesen Auftritt peinlich zu nennen, ist schon das beste was man sagen kann, denn eigentlich dürfte man sowas nicht mal ignorieren.

Peinlich unterbesetzte Gästekurve

Auflaufen der Mannschaften

Mit einem Gesamtergebnis von 6-2 und dem aktuellen Tabellenstand hat die Fortuna jedenfalls mehr als deutlich gemacht, wer in dieser Stadt die Nummer zwei nach dem Effzeh ist. Und wenn nächste Saison voraussichtlich weniger Geld nach Zollstock fließt und vielleicht noch mehr nach Höhenberg, dann wird der aufrechte Fußballfan in Erinnerung behalten, wie das Duell dieser beiden Mannschaften ausgeht, wenn Waffengleichheit herrscht: 6-2 für die gute Seite der Macht.

Video des Spiels beim Stadtanzeiger: http://www.ksta.de/videos/15189544,15189544.html?bctid=2374453741001

Nach dem Schlusspfiff

Derbysieger

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Fortuna Köln im Schlusspurt der Regionalliga

Noch drei Spiele. Und noch vier Punkte auf Lotte, sowie das um acht Treffer schlechtere Torverhältnis. Die Meisterschaft ist noch drin für Fortuna Köln, auch wenn die Chance klein ist. Dass man das überhaupt sagen kann, ist Rot-Weiß Oberhausen zu danken, die Lotte gestern in der 90. Minute noch ein Tor einschenkten und so dem zuletzt am 11. Spieltag von Viktoria Köln geschlagenen Spitzenreiter mal wieder eine Niederlage beifügten.

In den Wochen zuvor hatte Fortuna die damals noch reale Chance, sich für die Aufstiegsrelegation zu qualifizieren, fast schon vergeigt: Zwei Niederlagen gegen Bayer Leverkusen II und in Kray, Mannschaften aus dem Tabellenkeller also, hatten dafür gesorgt, dass selbst Trainer Koschinat die verbleibenden Spiele als Bewährungschance für Stipe Batarilo sah, einen hoffnungsvollen Nachwuchsspieler, der während der Saison noch nie zur Startformation gehört hatte.

Gegen Schalke II am Freitag Abend lief außerdem Kapitän Lukas Nottbeck auf, dessen Wechsel nach der Saison zu Erzfeind Viktoria kurz zuvor bekannt geworden war. Quasi zur Erklärung schrieb der Stadtanzeiger letzte Woche darüber, dass sich Michael Schwetje, der stille Geldgeber der ersten Herrenmannschaft der Fortuna, nach der Saison zurückziehen oder jedenfalls deutlich weniger engagieren werde. Nun war endlich klar, warum die Fortuna bislang noch keine Gespräche mit ihren Leistungsträgern geführt hatte, deren Verträge fast alle am Saisonende auslaufen: Eventuell werden die Brötchen nächste Saison viel kleiner.

Im Fanforum gab es trotz dieser Situation, in der Profifußballer Nottbeck im Mai sein Einkommen ab Juli sichern musste und von der Fortuna kein Angebot vorliegen hatte, böse Anfeindungen gegen ihn. Und auch während des Schalke-Spiels schallten einmal “Lukas, du Verräter!”-Sprechchöre aus der Südkurve.

Nottbeck aber zeigte, wie sich ein Profi verhält: Er gibt alles für den Verein, bei dem er unter Vertrag steht. Gegen die brandgefährlichen Schalker, immerhin Tabellendritter, war Nottbeck überall auf dem Platz zu finden, rannte und rackerte, wie man es von ihm schon während der gesamten Saison gewohnt war, und schoß den wichtigen Ausgleich Sekunden nach der Schalker Führung, sein siebtes Saisontor.

Trainer Koschinat hatte gegen die schnellen Schalker U-Spieler eine Formation aufgeboten, die offensiv ein 4-2-3-1 bildete, sich defensiv aber zu einem 4-1-4-1 komprimierte. Zinke stand dann als Staubsauger zwischen zwei Viererketten, und nur Thomas Kraus durfte vor dem Ball bleiben, investierte seine Ausdauer aber wie üblich in engagiertes Forechecking gegen die Schalker Verteidiger.

Dass Kraus dann noch die Ruhe und auch Klasse hatte, in der 75. Minute ein Duell gegen den Torwart eiskalt abzuschließen, spricht für seine tolle Entwicklung über die Saison. Zu Beginn war er noch der Chancentod, der viel und schnell lief, aber den Ball nicht am Keeper vorbei brachte. Gegen Schalke zeigte er, was er gelernt hatte, sprintete durch die hoch stehende Schalker Verteidigung in einen toll getimeten Steilpass von Maurice Kühn, behielt die Ruhe, trabte fast auf den Torwart zu und schloss so locker wie sicher mit einem Flachschuss neben den linken Pfosten ab. Ich erinnere mich, dass Uwe Koschinat nach ähnlichen, aber vergebenen Situationen von Kraus zu Saisonbeginn einmal sagte, dass man sich die Abschlussicherheit im Training erarbeiten kann. Das scheint perfekt gelungen zu sein.

Trotzdem fehlt Timo-Jerome Kialka der Mannschaft, denn er war der Knipser im Zentrum, der auch aus halben Chancen Tore machte. Seine oberdämliche Tätlichkeit im Spiel gegen Leverkusen ist mit vier Spielen Sperre kein bisschen zu streng geahndet worden.

Damit muss er gegen Viktoria Köln am Samstag noch einmal zusehen, doch zum Glück zeigte die Mannschaft am Dienstag in Wiedenbrück, dass sie auch ohne Kialka effektiv spielen kann. Ich war nicht vor Ort, aber nach allen Berichten war es der Sieg einer Spitzenmannschaft: Scheiße gespielt, unter Druck gewesen, aber die zwei eigenen Chancen reingemacht und als Sieger vom Platz gegangen. Und das ohne den gelbgesperrten Nottbeck, ohne Kialka, ohne Yilmaz und ohne Silvio Pagano, der wohl noch nicht fit für 90 Minuten ist.

Jetzt sind es also die erwähnten vier Punkte auf Lotte, bevor am Samstag Viktoria Köln ins Südstadion kommt. Das wird ein heißes Duell, auf das ich mich sehr freue, nicht nur wegen der ohnehin scharfen Rivalität der verschiedenen Rheinufer und unterschiedlichen Investmentkonzepte (still und zurückhaltend hier, protzig und proletig da), sondern auch weil Viktoria der Fortuna die Meisterschaft mit Sicherheit endgültig versauen möchte, und weil die Fortuna um die letzte Chance darauf spielt.

Wie es am Ende dieser Saison aussieht, ist ja wieder spannend. Denn falls Fortuna gewinnt, dann stehen für Lotte noch die Spiele in Siegen (am Sonntag), gegen RWE und in Velbert aus. Siegen ist immerhin Tabellenvierter und in Form. RWE ist Fünfter, zuletzt mit sehr wechselhaften Leistungen. Nur für Velbert wird es um nichts mehr gehen. Fünf Punkte kann Lotte also realistisch schon noch verlieren, wobei das Schlüsselspiel das in Siegen sein dürfte.

Für die Fortuna ist die Situation in gewisser Hinsicht sogar schwieriger, weil die Spieler wissen, dass die Spielbetriebsgesellschaft nur dann nächste Saison Geld vom Investor bekommt, wenn der Aufstieg gelingen sollte. Da man als Profi aber nicht bis zum letzten Tag warten kann, bevor man sich nach einem neuen Verein umsieht, könnte es sein, dass viele Spieler auf dem Platz stehen, die vom Aufstieg nichts hätten. Andererseits will ein echter Fußballer normalerweise jedes Spiel gewinnen und jeden Erfolg mitnehmen.

Aber nach all dem Hin und Her in dieser Saison, sollte ich mich mit Prognosen lieber zurückhalten. Ich lasse mich überraschen und freue mich bis dahin auf ein hoffentlich stimmungsvolles und glorreiches Derby am Samstag im Südstadion.

Fortuna Köln – Rot-Weiß Oberhausen 2-0 (0-0)

Ich hatte vor dem Spiel gesagt, dass mir jeder Sieg recht ist, auch ein schmutziger. An diesem Maßstab gemessen bin ich heute sogar höchst zufrieden, aber auch mit alltäglichen Ansprüchen war das heute ein sehr ordentliches Spiel der Fortuna.

Angst vor einer Niederlage musste man nur eine Minute lang haben, als nämlich in der 40. Minute ein RWO-Stürmer den Ball nach einer Hereingabe auf das Kölner Tor schoss und nur ein angelegentlich herumstehender Fortunen-Körper den Ball am Überqueren der Torlinie hinderte. Der wieder einsatzberechtigte Poggenborg wäre jedenfalls geschlagen gewesen.

Für die Fortuna war die Szene aber wohl der Weckruf, denn von diesem Moment an dominierte sie die Partie, die sie vorher zu lässig angegangen war. Da fehlte der letzte Biss, vor allem fehlten Klarheit und Druck im Spiel. Nach vorne äußerte sich das in zu wenigen Torszenen, nach hinten in wieder einmal gefährlichen Ballverlusten.

Doch ab der 40. Minute kamen Druck und Klarheit, und prompt ergaben sich schon vor der Pause drei gute Gelegenheiten, noch ohne Tor. Nach der Pause ging es dann recht schnell. Fortuna übte weiter Druck aus, irgendwann war Montabell auf halbrechts durch, wartete klug auf den heranrauschenden Kraus, passte scharf und flach in dessen Lauf, und Kraus grätschte den Ball im Fallen aus einem Meter unter’s Tordach. Das 1-0 war verdient, und auch in der Folge ließ die Fortuna nicht nach. Oberhausen bekam zwar gelegentlich Ballbesitz, aber keine allzu klaren Torchancen.

In der 79. Minute dann die Entscheidung: Fink hatte sich auf dem linken Flügel bei einem Konter durchgesetzt, zog in die Mitte, verzögerte, fast meinte man schon zu lang, aber dann kam doch noch der kurze Pass auf Kialka, der aus 14 Metern souverän einschoss.

Die beiden Winterneuzugänge im Zusammenspiel also. Deren Kauf hat sich nach den bisherigen Eindrücken mehr als gelohnt, sie sind eine große Verstärkung der Mannschaft, Kialka die lang ersehnte Tormaschine im Zentrum, Fink ein bärenstarker Linksverteidiger.

Heute aber funktionierte in der 2. Halbzeit die gesamte Mannschaft, die Uwe Koschinat in einer etwas überraschenden Aufstellung auf‘s Feld geschickt hatte: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Laux, Fink – Zinke, Nottbeck, Schaaf – Kraus, Kialka, Montabell. An das 4-3-3 hat man sich in den letzten Wochen schon gewöhnt, seit dem Ausfall von Pagano (vermutlich noch drei Wochen Ausfall, meinte er auf der Tribüne, die Gelenkschiene noch am Bein). Dass aber Montabell den Linkssaußen gibt und Schaaf einen Achter, das hatte man noch nicht gesehen. Schaaf überzeugte mich hauptsächlich kämpferisch, spielerisch war da Luft nach oben. Und Montabell rackerte wie immer, bereitete ein Tor vor: Einsatz voll gerechtfertigt.

Am Ende zählen erst einmal die sehr, sehr wichtigen drei Punkte im Nachholspiel. Jetzt ist Lotte noch sechs Punkte weg und hat ein Spiel mehr. Und wenn die Mannschaft sich nach den wechselhaften letzten Spielen auf dem Niveau der zweiten Hälfte stabilisieren kann, dann bin ich auch wieder zuversichtlich, dass wir bis zum Schluss oben dran bleiben werden.

Am Samstag geht es nach Hüls, die heute RWE mit 5-0 schlagen konnten. Die Anspannung wird also hoch bleiben.

[UPDATE] Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

P.S.: Angeblich waren über 1.000 Zuschauer im Stadion. Hat sich nicht so angefühlt.

FC Hennef 05 – Fortuna Köln 3-4 (2-4)

Was soll man nach so einem Spiel sagen? Mund abputzen, Hauptsache weiter? Es war ja schließlich das Halbfinale des Mittelrhein-Pokals, Gegner war immerhin der Titelverteidiger auf seinem heimischen Platz. Aber es war auch ein klassentieferer Gegner, die Fortuna führte drei Mal mit zwei Toren Vorsprung und hatte unterm Strich dennoch Glück, weitergekommen zu sein.

Uwe Koschinat redete, wie es seine Art ist, nicht um den heißen Brei herum, sondern gestand in der Pressekonferenz unumwunden ein, dass nicht die bessere Mannschaft dieses Spiel gewonnen hatte. Tatsächlich kam das effektivere Team weiter, denn Hennef hatte die deutliche Überzahl an Großchancen, verwertete davon aber zu wenige.

Auflaufen der Mannschaften

Schon kurz vor der Kölner Führung in der 12. Minute hatte ein Hennefer den Ball aus zehn Metern freistehend über das Tor gedroschen. Im weiteren Verlauf der ersten Häfte fielen die Tore dann im Minutentakt, und das 4-2 für die Fortuna war zur Pause nicht unverdient, weil sie ihre Chancen fast vollständig verwertet hatte. Lediglich Kialka hätte noch ein Tor mehr machen müssen, stand völlig frei 7 Meter vor dem Tor, verlor aber die Balance und setzte den Ball im Fallen am Pfosten vorbei.

Nach der Pause jedoch begann ein Debakel, das normalerweise mit einer deutlichen Niederlage hätte bestraft werden müssen. Sekunden nach dem Wiederanpfiff machte Hennef den Anschlusstreffer und hätte in den folgenden zehn Minuten aus seinen drei 100%igen mindestens noch ein oder zwei Tore machen müssen. Die Fortuna hingegen fand zu keiner Zeit mehr die richtige Einstellung zum Spiel. Kein Spieler wusste, wie er sich verhalten musste, lediglich Thomas Kraus riss wie üblich seine Kilometer ab, wusste aber mit unpräzisen Zuspielen und mit viel Aufwand erlaufenen Bällen dann nichts anzufangen.

Eine Vollkatastrophe war über das gesamte Spiel hinweg das Defensivverhalten des Teams, das noch vor einer Woche in Essen 70 Minuten Abwehrschlacht souverän überstanden hatte. Jeder Spieler stand schlecht zum Ball, spielte dem Gegner in den Fuß oder konnte nicht entscheidend klären.

Der nach der Ligazugehörigkeit unerwartete, von pokalgebeutelten Fortunafans dennoch unkend prognostizierte Spielverlauf lag aber nicht nur an den Schwächen der Fortuna. Nein, Hennef machte ein richtig gutes Spiel und hätte die Fortuna fast mit ihren eigenen Mitteln geschlagen: Mit großer körperlicher Robustheit und einem schnellen, schnörkellosen Spiel in die Spitze kämpfte und spielte sich der Verbandsligist seine Möglichkeiten heraus. Es war schnell klar, dass dieses Team den Pokal letzte Saison nicht mit Glück gewonnen hatte, sondern Qualitäten besitzt, die gerade in KO-Spielen den Erfolg bringen können.

Torchance

Am Ende siegte die Fortuna unverdient. Und scheiße kalt war’s außerdem. Im Pokal fragt danach keiner mehr, wenn es am Mittwoch vor Fronleichnam in Bonn ins Finale geht. Aber ich habe in den letzten drei Spielen, in Essen, Düsseldorf und Hennef insgesamt nur vielleicht 45 Minuten gesehen, in denen die Fortuna Torgefahr ausstrahlte. Das ist zu wenig. Und wenn dann noch, wie gegen Düsseldorf und Hennef, kapitale Abspielfehler und Unsicherheiten dazu kommen, kann man eigentlich kein Spiel gewinnen.

Bergisch Gladbach am Samstag wird solche Schwächen auszunutzen wissen. Nicht zuletzt Ex-Fortune und Bald-Siegener Abdelkader Maouel würde sich freuen, den Ball gegen eine unsortierte Abwehr am Fuß führen zu dürfen.

Jubel über das 1-2

Bibbern auf der Bank

Beste Sicht

Fortuna Düsseldorf U23 – Fortuna Köln 2-0 (0-0)

So glücklich, wie ich am Dienstag war, so sauer bin ich heute. Das war genau das Spiel, das ich befürchtet hatte: Zu locker angegangen, zu selbstverständlich den Sieg erwartet.

Es begann mit der Aufstellung: Uwe Koschinat sah, laut Fortuna-Facebook-Channel, “keinen Anlass, die Aufstellung zu ändern”. Mir würde da mindestens zwei Gründe einfallen: Der Gegner und der zu erwartende Verlauf des Spiels. Gegen Essen in Essen defensiv anzutreten ist richtig. Bei einer Mannschaft aus dem Tabellenkeller keinen kreativen Aufbauspieler auf dem Feld zu haben, verstehe ich nicht.

F95 U23 - Fortuna Köln

Das Spiel fing zerfahren an. Fortuna (natürlich Köln) fand nicht so recht ins Spiel, die Pässe kamen nicht an. Nach zehn Minuten jedoch schien sich die Mannschaft gefangen zu haben, sie dominierte die Partie jetzt wie zu Beginn in Essen – allerdings ohne sich große Chancen herauszuspielen.

Diese zwanzig Minuten blieben dennoch die besten des Spiels. Denn bis zur Pause und auch danach blieb das Spiel der Fortuna unpräzise und larifari: Die Bälle wurden nicht in den Fuß gespielt, dafür sollten sie dann aber gerne mit dem Außenrist weitergeleitet werden. Das ist einfach nicht das Spiel dieser Truppe, die sonst mit klaren und druckvollen Spielzügen agiert, nicht mit künstlerisch wertvollem Kleinklein.

Sinnbildlich für die falsche Ein- und Aufstellung heute war Maurice Kühn. Gegen Essen war er noch einer der besten, denn das ist sein Spiel: Wenn der Ball auf ihn zukommt, er den Turm in der Schlacht geben und seine Gegenspieler bekämpfen kann. Heute dagegen, mit meist zehn gegnerischen Spielern vor sich, war er fehlplatziert, verschleppte das Spiel ein ums andere Mal, wie weiland Ballack bei den Bayern, nur mit mehr Fehlpässen. Dass er bis zum Schluss auf dem Feld bleiben durfte und nicht einem Pospischil oder Kessel weichen musste, war mir nicht verständlich.

Nach vorne strahlte die Fortuna also keine Gefahr aus, und so geschah dsa Unvermeidliche: Ein Düsseldorfer setzt sich auf links durch, passt in die Mitte vors Tor, der Ball wird zu kurz abgewehrt und schlägt dann, gegen die Laufrichtung von Poggenborg geschossen, ein.

Anschließend waren immerhin die Wut und der Wille zu erkennen, die sich anbahnende Niederlage nicht einfach hinzunehmen. Allein, die Mittel genügten immer noch nicht, und so war das 0-2 prototypisch: Ein schlimmer Fehlpass von Schaaf über drei Meter, als er dem gegner nicht zutraute, den Fuß in den schwach gespielten Ball zu bekommen. Der Konter wird gut und steil gespielt, 1:1 gegen Poggenborg, der sich dem Angreifer entgegenwirft, der Ball wird an ihm vorbei gespitzelt, er kann dem Gegner nicht mehr ausweichen und sieht Rot. Eine aus meiner Sicht sehr harte Entscheidung. Den anschließenden Elfmeter verwandelt der Düsseldorfer sehr sicher gegen Ersatzkeeper Kühn, Fortuna hatte schon drei Mal gewechselt.

Abgang Poggenborg

F95 U23 - Fortuna Köln

Das war eine unter dem Strich schwache Leistung, die zurecht nicht mit Punkten belohnt wurde. Fortuna konnte den Gegner nie in echte Verlegenheit bringen, dafür spielte sie vor allem zu langsam. Und darüber bin ich heue einfach mal sehr, sehr sauer.

Die Niederlage ist übrigens noch einmal extra schmerzhaft, weil Lotte und Viktoria gewinnen konnten – Lotte in den letzten vier Minuten gegen die zuletzt 9-aus-10-Sieger von Wiedenbrück.

Ersatzkeeper Kühn beim Kopfball

F95 U23 - Fortuna Köln

P.S.: Und heute bin ich auch mal überhaupt nicht einverstanden mit der Spielbewertung von Uwe Koschinat. Angeblich war’s ein grandioses Spiel der Fortuna, bloß dass wir keine Tore geschossen haben. Finde den Widerspruch…

Rot-Weiss Essen – Fortuna Köln 0-1 (0-1)

Mit fast jedem Spiel werde ich glücklicher, dass die sportlich Verantwortlichen der Fortuna Uwe Koschinat als Trainer zu unserem Verein geholt haben. Nicht nur, dass er eine Mannschaft geformt hat, die Gesicht und Charakter hat und dabei das Spielen nicht vergisst. Nein, er nimmt mir auch fast noch das Bloggen ab, wenn er nach den Partien in den Pressekonferenzen seine perfekten, gut verständlichen Spielanalysen abgibt. Auch die von gestern kann ich in nahezu allen Punkten unterschreiben.

Lediglich das Glück der Fortuna habe ich in Halbzeit 1 nicht so strapaziert gesehen wie Koschinat. So lief das Spiel aus meiner Sicht:
Die Aufstellung war minimal defensiver als sonst. Im 4-3-3 stand im Mittelfeld kein nominell offensiv orientierter Akteur: Poggenborg – Sievers, Flottmann, Laux, Fink – Zinke, Nottbeck, Kühn – Kraus, Kialka, Schaaf. Im Auswärtsspiel beim RWE, der seinen letzten drei Gegnern jeweils vier Tore eingeschenkt hatte, war diese Maßnahme aber nur verständlich – und sollte sich im Rückblick als komplett richtig erweisen.

Vor dem Anpfiff

Die erste Hälfte der ersten Halbzeit dominierte die Fortuna vollständig. Der Gegner wurde früh gepresst, es gelangen zahlreiche Ballgewinne und nach vorne einige gute Kombinationen. Schon Eric Schaaf hätte nach acht Minuten das 1-0 machen können, als er alleine auf den Torwart zulief, aber das Beckenbauersche Veto nicht beachtete: Keine Lupfer! Der Versuch ging nämlich über das Tor genauso hoch hinweg wie über den Torwart. Nur ein paar Minuten später aber spielte sich die Fortuna auf rechts traumhaft direkt den Ball zu, dann ein langer Pass an die Strafraumgrenze, kurzer Pass auf Kialka, der zieht zwischen zwei Verteidigern auf halbrechts in den Strafraum und schließt sicher ins lange Eck ab. 1-0!

Jubel nach dem Tor

In der Folge verlor die Fortuna dann langsam ihre drückende Überlegenheit. Essen kombinierte im Mittelfeld gefällig, aber nach vorne zu unpräzise. Vor allem aber stand die Verteidigung der Fortuna gestern bombensicher: Das war eine höchst konzentrierte Leistung der kompletten Mannschaft, die sehr geschlossen den Gegner attackierte und in der jede doch mal entstehende Lücke sofort von einem Kameraden geschlossen wurde.

Zwei gute Gelegenheiten ergaben sich für Essen dennoch: Nach einem Rückpass gab es indirekten Freistoß aus zehn Metern seitlich vor dem Tor, den Essen jedoch etwas kläglich in die Mauer drosch. Und ein Fernschuss landete an der Latte. Mit Kombinationen allerdings brachte sich RWE gegen diese Fortuna nie in eine gefährliche Abschlussposition, der Ball konnte immer rechtzeitig geklärt werden.

Indirekter Freistoß im Strafraum

Genauso lief das Spiel dann auch in der zweiten Hälfte weiter, nur dass Essen jetzt noch weniger Chancen zustande bekam. Zu bemängeln war bei der Fortuna einzig und allein, dass nach vorne viel zu lange keine Entlastung geschaffen oder gar ein wirklich guter Konter gesetzt werden konnte. Die Bälle gingen meist schon an der Mittellinie wieder verloren.

Erst ab der etwa 80. Minute schien Essen etwas die Luft auszugehen und die Fortuna konnte das Spiel wieder für längere Zeit in die gegnerische Hälfte verlagern. Auch die Einwechslungen von Koschinat fruchteten, Pospischil und Montabell konnten den Ball gut halten, viel Zeit von der Uhr nehmen und die Essener Defensive beschäftigen. Kraus hätte kurz vor Schluss dann endgültig für die Entscheidung sorgen können, doch sein Versuch, den Ball über den Scheitel des Essener Schlussmanns zu ziehen, scheiterte.

So wäre es am Ende fast noch zum Punktverlust gekommen, doch ein Abpraller strich knapp am Kölner Tor vorbei, und der letzte Essener Schwalbenversuch wurde vom ansonsten recht einseitig für das Heimteam pfeifenden Bundesliga-Schiri Winkmann durchschaut. Seine Gestik schien aus der Distanz der gegenüberliegenden Kurve zunächst Elfmeter zu sagen, aber es war dann doch nur der Wink an den Essener Spieler, wieder aufzustehen.

Am Ende stand ein verdienter Sieg der Fortuna, die sich als das robustere, besser organisierte und willensstärkere Team gezeigt hatte. Essen fand nie die Mittel, weder die spielerischen noch die körperlichen, sich gegen die tief stehende Kölner Defensive durchzusetzen, und trotz eines deutlich geringeren Anteils am Ballbesitz konnte die Fortuna die Mehrzahl von Großchancen auf ihr Konto buchen.

Dieser Sieg war sehr wichtig für die weitere Spielzeit, denn nun ist Essen erst einmal abgeschüttelt und nach oben geht bei acht Punkten Rückstand und zwei Spielen weniger noch alles. Das kann noch eine sehr, sehr spannende Saison werden. Aber damit das passiert, muss Fortuna jetzt erst einmal in Düsseldorf aufpassen, dass sie nicht im Vorgefühl eines Pflichtsieges die Zügel schleifen lässt.

Was diese Mannschaft nämlich leisten kann, wenn sie mit vollem Engagement zu Werk geht, das zeigte sie gestern: Sie kann jeden Gegner in dieser Liga schlagen.

Kurz vor Sieg

RWE - Fortuna Köln

Die Mannschaft dankt den Fans

Uwe Koschinat feiert mit dem Gästeblock

Neue Hafenstraße

Bergisch Gladbach 09: Verpfiffen auf Geheiß des Verbandspräsidenten?

Mir liegen Verschwörungstheorien eigentlich nicht so nahe. Aber man kann schon mal ins Grübeln kommen, wenn Folgendes passiert.

Bei der Auslosung des “Bitburger-Pokal” genannten Mittelrhein-Pokals vor ein paar Monaten sagte Hermann Korfmacher, der Präsident des WFLV, auf offener Bühne, dass viele angeblich lieber Schwarz-Weiß Essen als den SV Bergisch Gladbach 09 in der Lostrommel gesehen hätten. Das ist für einen Verbandspräsidenten natürlich eine skandalöse Aussage, die auch nicht von ungefähr kam, sondern damals schon im Zusammenhang mit der Kritik gesehen werden musste, die der Bergisch Gladbacher Trainer Dietmar Schacht (ja, der “Didi” Schacht) zuvor an der Auf- und Abstiegsregelung des Verbands geübt hatte.

 

Und dann passiert gestern im Erstrundenspiel von Bergisch Gladbach bei Viktoria Köln das: In der Verlängerung spielt der Kölner Torwart den Ball außerhalb des Strafraums absichtlich mit der Hand und verhindert so eine große Torchance für Bergisch Gladbach. Viktoria hat schon drei Mal ausgewechselt. Was macht der Schiedsrichter? Er zeigt Gelb.

Im Elfmeterschießen hält dann derselbe Torwart, der nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte, zwei Elfmeter und sichert seiner Mannschaft das Weiterkommen.

Alle zu sehen in diesem Video beim Stadtanzeiger: http://www.ksta.de/videos/15189544,15189544.html?bclid=21368536001&bcpid=14540354001&bctid=1899182102001

Da kann man schon mal auf die Idee kommen, dass auch ein junger  Schiedsrichter weiß, was sein Verbandsoberster erwartet.

SV Bergisch Gladbach 09 – Fortuna Köln 1-5

So laufen so Spiele dann eben: Frühe Entscheidung für den Favoriten, dann ein langer, sehr langer, abgrundtiefer Durchhänger, und wenn der Gegner in dieser Zeit kein Tor macht, dann bekommt er am Ende noch zwei und das Ergebnis ist so deutlich, wie sich das Spiel anfühlte.

Nach 20 Sekunden war das Spiel entschieden: Weiter Befreiungsschlag der Fortuna, ein Gladbacher Abwehrspieler lässt sich von Silvio Pagano übertölpeln, der läuft frei auf’s Tor zu und wird vom Keeper klar gelegt. Elfmeter und Rot, Führung und Überzahl während des gesamten Spiels.

Rot für den Gladbacher Keeper

Rot für den Gladbacher Keeper

Und wer in der Folge sah, mit welcher Harmlosigkeit Bergisch Gladbach agierte, dem war klar, dass die Mannschaft nicht ohne Grund tief in der Tabelle steht und dass es auch ohne diesen debakulösen Auftakt schwer geworden wäre, gegen Fortuna einen Punkt zu holen.

Eine halbe Stunde trat die Fortuna nach der Führung noch auf’s Gas, schoss einen Drei-Tore-Vorsprung heraus – und stellte den Spielbetrieb anschließend ein. Nicht einmal das 1-3 zehn Minuten nach dem dritten Kölner Tor konnte die Mannschaft erschrecken. 50 Minuten lang, von der 25. bis zur 75. Minute, war die Luft völlig raus aus diesem Spiel. Dann verletzte sich ein Gladbacher Spieler bei einem Sturz, musste vom Feld gehen, obwohl Gladbach schon drei Mal gewechselt hatte, und gegen 9 Bergische gelangen der Fortuna dann noch zwei einfache Tore zum Endstand.

Jubel über das 2-0 durch Thomas Kraus

Anschlusstreffer zum 1-3 für Bergisch Gladbach

Verletzung bei Gladbach

Jubel über das 1-5

Bedauerlich aus Kölner Sicht waren am Ende nur zwei Dinge: Zum einen, dass die Fortuna die Gelegenheit nicht genutzt hatte, um in der Tordifferenz mehr Boden auf Viktoria gutzumachen, auch wenn man es den bemitleidenswerten Gladbachern nicht gegönnt hätte, noch höher zu verlieren.

Zum anderen war schade, dass der Erfolg von Uwe Koschinats radikalen Personalwechseln beurteilt werden konnte, denn dafür war das Spiel nach der ersten Minute zu einfach.

Koschinat sagte nach dem Spiel, dass er das Gefühl gehabt hatte, mit Wechseln für “neue Reizpunkte” sorgen zu müssen. Also hatte er nicht nur aus sportlichen Gründen gewechselt, sondern auch aus psychologischen. In der Verteidigung hatten außer dem gelbrotgesperrten Zinke gleich beide Innenverteidiger weichen müssen, so dass Mannschaftskapitän Mitja Schäfer zu seinen ersten Einsatzminuten kam und seinen Tribünenplatz mit Dominique Ndjeng getauscht hatte. Michael Lejan musste für Michael Kessel Platz machen, der seine Chance aber nicht nutzte und sich zu selten durchsetzen konnte. Und vorne hatte Steffen Moritz schon letzte Woche Fabian Montabell ersetzt, auch gestern bekam er den Vorzug vor dem aber wohl auch noch nicht ganz fitten Massimo Cannizzaro und bedankte sich mit einer Torvorlage und unermüdlichem Einsatz.

Am nächsten Sonntag geht es erst einmal zum Pokalauftakt nach Bad Honnef zum dortigen Landesligisten, wo es ein Wiedersehen mit Daniel Blankenheim geben wird, dessen klassisches 10er-Spiel ich immer sehr schätzte. In zwei Wochen kommt dann mit Hüls ein weiterer Abstiegskandidat ins Südstadion. Ich bin gespannt, welche Aufstellungen Uwe Koschinat gegen diese beiden Gegner aufbieten wird. Denn dass beide Spiele mit Pflichtsiegen beendet werden müssen, ist klar. Aber auch, dass das der letzten Stammformation zu selten gelungen war.

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Auf Wiedersehen!

1. FC Köln U21 – Fortuna Köln 1-2

Soll ich heute von den zwei Gesichtern der Mannschaft reden? Soll ich von den vergebenen Chancen reden? Von den läppschen ersten 25 Minuten? Von den Fehlpässen? Ich sollte wahrscheinlich, aber ich will nicht – weil das gestern am Ende einfach nur ein geiler Sieg war! Ein Sieg, den die Mannschaft erzwungen und erkämpft und erspielt und sich deshalb am Ende hoch verdient hat!

Nach dem Schlusspfiff

Es begann katastrophal: Schon nach ein paar Minuten bekam Lucas Musculus den Ball kurz in den Lauf gespielt, umkurvte Poggenborg und schob ins leere Tor ein. Uwe Koschinat bemängelte nach dem Spiel, dass in dieser Szene nahezu alles schief gelaufen war, was man vorher besprochen hatte. Und nach rund zwanzig Minuten hätte es auch gut und gerne 2-0 für den Effzeh stehen können, denn ein Kopfball auf’s kurze Eck ging nur Zentimeter am Winkel vorbei, und ein selten desaströser Rückpasslupfer von Ndjeng landete auf dem Tornetz. Poggenborg hätte in beiden Szenen keine Chance gehabt.

Der Effzeh jubelt über das 1-0

Im Anschluss fing sich die Mannschaft jedoch, erarbeitete sich eine Feldüberlegenheit, fand aber nicht zur nötigen Präzision, so dass Schüsse am Ziel und Zuspiele am Mitspieler vorbei gingen. Der Ausgleich wäre zwar schon vor der Pause möglich, aber letztlich nicht verdient gewesen.

Nach dem Seitenwechsel jedoch zeigte die Mannschaft dann über eine halbe Stunde lang Fußball aus dem Koschinat-Lehrbuch: Sie baute hohen Druck auf den Gegner auf, indem sie die Bälle schnell steil aber auch gezielt nach vorne spielte und mit Tempo auf die Abwehr zulief. Insbesondere Silvio Pagano müsste nach diesem Spiel Muskelkater im rechten Oberarm haben – so oft hob er ihn nämlich, um den Diagonalpass auf seinen Flügel zu fordern. Ein Tor bereitete er am Ende vor, bei einem weiteren Zuspiel hätte Lukas Nottbeck den klug flach hereingegebenen Ball aus sechs Metern nur ebenso flach auf’s Tor bringen müssen, und überhaupt veransteltete Pagano zusammen mit Ozan Yilmaz auf rechts einen Wirbel, den die FC-Verteidiger letztlich nicht stoppen konnten.

Die Tore für die Fortuna fielen so fast zwangsläufig und waren genau deshalb noch befriedigender. Erst passte Fabian Montabell auf Lukas Nottbeck, dessen Schuss der Keeper noch halten konnte, um dann gegen den Abstauber von Kraus machtlos zu sein. Anschließend hätte wieder Kraus, frei vor dem Tor, schon die Führung herstellen müssen, ließ aber am Ende Montabell den Vortritt, der eine Hereingabe von Pagano unsauber traf und so letztlich glücklich verwandelte.

Jubel über Montabells 2-1-Siegtreffer

Jubel über Montabells 2-1-Siegtreffer

Die letzten zehn Minuten und die Nachspielzeit gehörten noch einmal dem FC, der alles nach vorne warf, aber nur deswegen bis zum Schluss hoffen durfte, weil der Schiedsrichter einen Kontertreffer von Lukas Nottbeck aus unersichtlichen Gründen zurückpfiff. Überhaupt hätte der Schiri der Fortuna auch schon früher helfen müssen, doch der Elfmeterpfiff unterblieb, obwohl Thomas Kraus im Strafraum mit dem Rücken zum Tor stehend klar getreten worden war.

Kraus verletzt

Der Sieg war sehr verdient und nicht nur deswegen so schön, weil er in einem Derby erzielt wurde, sondern weil die Dramaturgie dieses Spiels alles bot: Rückstand, Druckphase, Wende, Wut auf den Schiri und Zittern bis zuletzt. Außerdem war die Stimmung gestern sagenhaft, der neue Fankurventrommler gab alles und der Support war das ganze Spiel über so laut wie nach dem Schlusspfiff, als Uwe Koschinat höchstpersönlich das Mailand-Lied anstimmte.

Danke für dieses Erlebnis! Und auf eine Steigerung am Montag bei RWO!

Spielerkreis nach der Partie

Nach dem Schlusspfiff

Dramatische Stimmung

Alle Fotos vom Spiel auf Flickr.

TV-Tipp: RWO – Fortuna Köln am Montag

Fortuna Köln – MSV Duisburg II 4-2

Ich werde echt nicht schlau aus dieser Mannschaft. Sie gewinnt und gewinnt und gewinnt, jetzt schon zum sechsten Mal im siebten Spiel. Aber mir wird nicht klar, ob das nun wirklich immer die eigene Stärke war, oder die Schwäche der Gegner, oder Glück, oder abwechselnd mal das eine und mal das andere?

Angesichts der Tatsache, dass es vielleicht einer der letzten Sommertage des Jahres sein würde und mit dem MSV Duisburg II nicht gerade der attraktivste Gegner der Liga zu Gast war, stellte ich mich heute mal in die Sükurve. Deshalb kann ich über das Spiel nicht so viel sagen wie sonst, weil man aus der Kurve einfach nicht so gut sieht. Immerhin fielen fünf von sechs Toren vor unserer Nase.

Südstadion

Koschinat hatte zum inzwischen dritten Mal dieselbe Startformation ins Rennen geschickt, obwohl ich nach der schwachen Partie in Velbert Änderungen erwartet hätte. Aber die Mannschaft rechtfertigte das Vertrauen und dominierte die Partie gegen schwache Duisburger vom Anpfiff weg nach Belieben. Die kleinen Zebras, gerade erst aufgestiegen, haben anscheinend nicht ohne Grund erst einen Sieg und ein Unentschieden auf dem Konto, beide Erfolge wurden mit Hüls und Bayer II gegen Nachbarn aus dem Tabellenkeller erzielt.

Der Führungstreffer nach 11 Minuten durch Nottbeck war überfällig, und als fünf Minuten später ein Duisburger Spieler überraschend glatt Rot sah, schien die Kiste gelaufen… …hatte man wenigstens gedacht, bis in der 30. Minute Duisburg mit dem ersten Angriff den Ausgleich erzielte.

Jubel über Nottbecks 1-0

Verwunderung über die rote Karte

Duisburg bejubelt den Ausgleich

Der Pausenstand von 1-1 war einerseits für die Zebras glücklich, andererseits war er die gerechte Strafe für die Fortuna, nicht mehr aus ihrer Überlegenheit gemacht zu haben. In einer Szene lief Thomas Kraus frei auf den Torwart zu, und aus der Südkurvenperspektive konnte man wunderbar sehen, wie breit das Tor ist: Den Ball in die linke oder rechte Ecke schieben, sichere Bude. Aber nein, Kraus wollte den Keeper tunneln, doch der war nicht so doof. Peinlich vergeben.

Nach der Pause stellte Lejan dann aber sehr schnell die Führung wieder her, und mit dem 3-1 durch Flottmann (mit einem abgefälschten Ball aus kurzer Distanz) hätte der Sieg endgültig sicher sein müssen.

Jubel über Lejans 2-1

Das 3-1 fällt

Doch wiederum mit der nächsten guten Torchance gelang Duisburg noch einmal der Anschluss, bevor Silvio Pagano, rotzfrech und abgezockt, einen Steilpass aus zehn Metern nicht mit Kraft auf’s Tor hieb, sondern mit viel Gefühl ins kurze Eck schob.

Man freut sich über Paganos 4-2

Der Sieg war unbedingt verdient, aber gegen so eine Truppe darfst du in Überzahl niemals zwei Tore kassieren. Das ist nur durch das Traumwetter zu entschuldigen und dadurch, dass die Duisburger so harmlos waren, dass man meinte, es könne sowieso nichts passieren.

Diese Fortuna-Mannschaft macht auf mich den Eindruck eines Schwergewichtsboxers: Er lauert, er kassiert auch mal einen Treffer, bleibt aber stehen. Er wirkt manchmal langsam und sogar unbeholfen, doch du weißt, dass er jederzeit ausholen und zuschlagen kann. Und wenn er dich trifft, dann bist du k.o.

Es bleiben nach diesem torreichen Sommerkick noch ein paar Anmerkungen:

  • Es war interessant, das Spiel mal von hinten zu sehen. So wurde deutlich, dass die Fortuna das Spiel bei Ballbesitz sehr breit macht, die Außenlinien immer besetzt hält. Wenn ein Spieler auf dem Flügel dann in aussichtsreiche Position kommt, um den Ball nach innen zu bringen, dann ziehen die gegenüberliegenden Außenspieler nach innen, um für den Abschluss bereit zu stehen.  Genau so fiel das 2-1 durch Lejan.
  • Die Mannschaft hängt stark von der Form Silvio Paganos ab – und das ist kein Vorwurf, denn von einem der stärksten Ligaspieler darf man schon mal abhängen. In der ersten Hälfte gelang Pagano wenig: ein Tor. In der zweiten Hälfte hatte er zahlreiche gute Aktionen, konnte sich viel besser durchsetzen und bekam bessere Zuspiele: drei Tore.
  • Dominique Ndjeng ist ein Gigant. Er antizipiert perfekt, steht immer richtig zu Ball und Gegner, trifft defensiv immer die richtige Entscheidung und bringt seine offensiven Bälle mit hoher Quote an den eigenen Mann.
  • Laut allen offiziellen Statistiken stand Massimo Cannizzaro auf dem Feld. (Nachtrag: Ich muss ihn leicht exkulpieren: Er leitete den Ball weiter, aus dem Lejan dann das 2-1 machte, hat also einen Scorerpunkt gesammelt.)
  • Dass es in der Südkurve keine Bratwurst gibt, ist eine weitere schlechte Note auf dem Armutszeugnis unseres Caterers.

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff