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Kurz reingeklickt: Vodafone "Update" für Android

Einer der Vorwürfe gegen die Vodafone-Kampagne war ja, dass da außer großen Worten und einer Image/Testomonial-Kampagne nicht viel ist, womit sich Vodafone tatsächlich als Partner der aktiven Netzbewohner empfehlen würde. Nico Lumma erwähnte in einem Kommentar hier im Blog die “Update-Applikation”, die Vodafone kostenlos für Android- und Blackberry-Nutzer zur Verfügung stellt.

Mal abgesehen davon, dass das im Rahmen einer viele Millionen schweren Kampagne ein ziemlich kleiner Anfang ist und aktuelle Vodafone-Blogpost zeigen, dass der Weg noch sehr weit ist, wenn Vodafone ihn tatsächlich gehen will – mal abgesehen davon ist eine solche kostenlose Applikation tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung. Also mal kurz reingeschaut.

Screenshot: Vodafone

“Update” ist eine 1,2 MB schwere Android-Applikation (Das ist nicht wenig, aber leider ganz okay, zum Vergleich: Twidroid: 1,0 MB), mit denen der Nutzer seinen Twitter-, Facebook- und Myspace-Account auslesen und schreiben kann. (Anmerkung: Da ich keinen lebenden MySpace-Account habe, konnte ich diesen Kanal nicht testen.) Meines Wissens gibt es keine andere Android-Applikation, wenigstens keine populäre, mit der man mehrere Social-Web-Dienste auslesen kann. Lediglich die Applikation von ping.fm bietet diesen Service noch, allerdings nur um den Preis eines ping.fm- Registrierung. (Man möge mich bitte korrigieren, wenn ich hier eine gute App übersehen habe!) Die Grundidee von “Update” ist also so schlicht wie sinnvoll.

Die Registrierung der Accounts ist einfach, nach Eingabe der Account-Credentials muss der Nutzer noch auf der jeweiligen Website quittieren, dass “Update” tatsächlich Zugriff erhalten soll.

Anschließend liest “Update” dann den Status der verschiedenen Dienste aus und stellt ihn in chronologischer Reihenfolge dar. Optional kann man jeden Dienst einzeln aktivieren oder deaktivieren, sich also beispielsweise nur seine Tweets oder nur die Facebook- und MySpace-Nachrichten anzeigen lassen oder eben alle zusammen.

Hier zeigt sich aber schnell eines der ersten Probleme, das wahrscheinlich viele Mitglieder der neuen Zielgruppe betrifft, der von Voadofone so genannten “Generation Upload”: Viele Twitterer mit Facebook-Account lassen ihre Tweets von einer App in ihren Facebook-Stream einlesen. In der Zeitleiste von “Update” stehen in meinem Fall also dutzendweise doppelte Nachrichten direkt untereinander, nämlich die von ein und demselben Menschen, ausgelesen aus seinem Twitter- und Facebook-Feed. Das ist zwar zum einen der Tatsache geschuldet, dass sowohl Facebook als auch Twitter proprietäre Systeme sind und die Nutzer ihre Nachrichten deshalb tatsächlich verdoppeln müssen, um sie in beiden Kanälen anzeigen zu lassen. Aber eine mindestens wünschenswerte Option wäre, dass “Update” mir textidentische Nachrichten nur einmal anzeigt.

Die Implementation des Android-Interfaces ist Vodafone leider nicht gut gelungen:

  • Die Bedienelemente sind für die Bedienung mit dem Daumen auf dem Touchscreen zu klein geraten.
  • Vor allem aber gibt es kein Aktivierungs-Feedback: Wenn ich einen Button klicke oder einen Tweet anwähle, müsste mir ein kurzes Highlighting anzeigen, dass ich die Funktion tatsächlich aktiviert habe. Ohne geht gar nicht.

Auch funktional lässt “Update” in mancher Hinsicht zu wünschen übrig:

  • Es gibt keine Möglichkeit, das Profil eines Freundes/Verfolgten anzusteuern, weder innerhalb des Clients noch über eine Verlinkung auf die Website des jeweiligen Dienstes.
  • Um auf eine Nachricht zu antworten, muss ich sie mir erst auf einem eigenen Bildschirm anzeigen lassen, was schon für sich genommen kein besonders sinnvolles Feature ist. Es gibt aber keine Möglichkeit, direkt aus der Timeline heraus “antworten” zu wählen.
  • Selbst um einen Link aufzurufen, muss ich mir erst die Nachricht, in der dieser Link vorkommt, einzeln anzeigen lassen. Albern.
  • Man sieht nicht die Antworten anderer Nutzer auf die eigenen Facebook-Einträge, dabei sind doch gerade diese zugeordneten Diskussionen ein Vorteil von Facebook gegenüber Twitter.
  • Es gibt keine Möglichkeit, Bilder zu Facebook hochzuladen. Zwar bietet “Update” eine funktionierende Twitpic-Einbindung, und ich kann den Twitpic-Link dann auch in eine Facebook-Message einbinden, aber das ist natürlich nicht dasselbe: Private Fotos stelle ich für meine Freunde bei Facebook ein, würde sie aber nie twitpicen oder öffentlich sichtbar flickern. (Kleine Anmerkung: Wirklich gut wäre die Twitpic-Einbindung auch erst dann, wenn sie nicht nur das Foto zu Twitpic hochladen würde, sondern auch den Nachrichtentext, wie Twidroid das zum Beispiel tut. Auf diese Weise steht dann bei Twitpic nicht nur das nackte Foto.)
  • Es gibt keine Möglichkeit, “Update” im Hintergrund laufen und sich über Aktualisierungen seiner Freunde automatisch informieren zu lassen. (Ich persönlich würde eine solche Option zwar nicht aktivieren, aber gerade für Nur-Facebook-Nutzer und andere Social-Web-Einsteiger ist sie durchaus sinnvoll, und viele Twitter-Clients bieten sie an.)

Einen echten Pluspunkt verdient allerdings die in den Client integrierte Twitter-Suche!

Unterm Strich würde ich dennoch sagen: Okaye Applikation, die etwas zu unausgereift ist. Ich werde beim bisherigen Stand weiterhin Twidroid und die Facebook-Website benutzen. Ich lasse “Update” aber mal installiert und warte auf Aktualisierungen.

Deutlich schlechter sieht die Beurteilung jedoch aus, wenn ich die Applikation gegen Anspruch halte, den Vodafone mit seiner Kampagne für sich selbst geschaffen hat: Partner der aktiven Netzbewohner zu sein, etwas “mit und für die Web-2.0-Welt” tun zu wollen. Dann würde ich als allererstes erwarten, dass “Update” als Open Source veröffentlicht oder wenigstens die  API offengelegt wird, über die Entwickler die Applikation um weitere Dienste erweitern könnten.

Noch wünschenswerter und mehr im Sinne der Kampagne wäre es aber, wenn ein Gigant wie Vodafone seine Macht nicht nur nutzen würde, um mal ein halbgares Applikatiönchen basteln zu lassen, sondern wenn er sich zum Beispiel darum kümmern würde, das Thema Microblogging auf gewissermaßen “politischer” Ebene voranzubringen. Warum stellt Vodafone nicht etwa einen Mitarbeiter ab, der sich darum kümmert, die OpenMicroBlogging-Spezifikation voran zu bringen, um Microblogging endlich aus einem Stand herauszubringen, den Email bereits Anfang der 90er überwand: von einem Balkan aus AOL-Mail, CompuServe-Mail, Mailboxen etc. hin zu einem System freier Server, die über ein einheitliches Protokoll miteinander kommunizieren können. Von mir aus könnte Vodafone auch Laconica mal bis zur Version 1.0 bringen, natürlich alles offen und transparent.

Das wären aus meiner Sicht Beispiele für echte Zeichen, dass Vodafone sich als ehrlicher Partner der Netzbewohner verstünde: Wenn es die Community befähigen würde, selbst Dinge zu tun (und als Access-Provider anschließend sogar davon profitieren würde).

Aber das wäre wahrscheinlich zu viel verlangt von einem Konzern, der gerade noch das Bloggen lernt.

Kurz reingeklickt: G1, das Google Phone

Nach schwierigem Bestellprozess bin ich seit nun zwei Wochen Besitzer eines G1, des “Google Phones”, zusammen mit einer T-Mobile-Daten-Flatrate. 44,95 € kostet die Datenflat, einschließlich kostenlosen Anrufen ins Festnetz (wahlweise zu D1). Außerdem habe ich noch einmalig 15 € gezahlt.

Nach den Schmerzen bei der Bestellung erst mal ein Lob an T-Mobile: Das Gerät wurde sofort versendet, am Montag nach meiner samstäglichen Bestellung, es war wertig verpackt an und binnen weniger Minuten startklar. (Wenn die Tatsache, dass sich die 2-GB-Mini-SD-Karte schon im Gerät befindet, auch der Kurzanleitung bekannt wäre, wär’s sogar noch schneller gegangen.)

Im Gegensatz zum amerikanischen Ableger liefert T-Mobile Deutschland das G1 mit Zubehör aus: die erwähnte Mini-SD-Karte, natürlich ein Ladegerät, eine Schutzfolie für’s Display (allerdings ohne Aufbring-Anleitung, hab ich dann drauf verzichtet), ein paar Aufkleber (naja, hab mal einen benutzt, bin aber nicht überzeugt) eine Schutztasche/-hülle für das Gerät und insbesondere auch ein Kopfhörer/Freisprechdingsie. Da das G1 nur einen Mini-USB-Port hat, aber keinen Mini-Klinken-Anschluss für normale Walkman-Kopfhörer, ist das auch extrem sinnvoll. Ein USB-Verbindungskabel gibt’s auch. Seltsamerweise passt dessen kleiner Stecker aber nur auf’s G1, nicht auf andere Geräte. Mit einem normalen Mini-USB-Kabel kommt man dagegen auch erfolgreich ins G1. (Getestet mit einem “normalen” USB-Verbindungskabel zum Computer und mit dem Auto-Ladegerät meines Navis mit Mini-USB-Ausgang, das auch das G1 lädt.)

Eine Kurzanleitung ist ausgedruckt dabei, die Komplettanleitung gibt’s nur auf CD-ROM (und auf der SD-Karte).

Verarbeitung und Design

Das G1 ist nicht extrem elegant, aber es hat durchaus seinen eigenen, etwas clumsig-nerdigen Charme. Vielleicht so, wie eine Datasette ihren eigenen Charme hatte. Dem iPhone ist es in Sachen Design natürlich meilenweit unterlegen, aber hässlich ist es wirklich nicht, wirkt in echt noch mal ein bisschen sympathischer als auf Fotos.

G1

G1

Das Gehäuse ist aus Plastik, die Verarbeitung ist aber sehr solide. Einen Sturz aus Überkopfhöhe auf den Linoleumboden einer Küche an Karneval (ähem…) überstand mein Gerät schon ohne irgendwelche Spuren, nicht mal Kratzer. (Auch wenn ich etwas Glück hatte, und das Gerät nicht auf der Glasseite über den Boden schlidderte.)

Die Tastatur, die wohl einer der größten Vorteile gegenüber dem iPhone ist, schnappt mit einer sehr angenehmen, sich gleichzeitig fest und leichtgängig anfühlenden Bewegung aus.

Die Kamera auf der Rückseite ist komplett eben verblendet. Schönes Detail: Ein winziger, spitzer Noppen neben den Lautsprechlöchern lässt einen beim Fotografieren erfühlen, wo man mit seinen Finger jetzt die Linse bedecken würde, selbst wenn man’s im Display natürlich auch sofort sähe.

Rückseite (mit Aufkleber)

Anschlüsse und Bedienelemente

Das G1 hat an der Seite den üblichen Laut-Leise-Kippschalter, für Rechtshänder beim Telefonieren mit dem Zeigefinger leicht zu bedienen. Das Ding dient aber auch außerhalb eines Telefonats zur Lautstärkeregelung und zur Einstellung der Klingeltonlautstärke. Selbst stumm kann man das Gerät mit dem Schalter bekommen, sehr praktisch!

Laut-Leise-Schalter

An der schmalen Unterseite des G1 gibt’s den erwähnten Mini-USB-Port. Er ist der einzige Anschluss für externe Geräte, logischerweise auch die Verbindung zum Computer, wenn gewünscht. Negativer Nebeneffekt: Man kann das Gerät nicht gleichzeitig aufladen und Kopfhörer anschließen. (Übrigens kann man auch nicht gleichzeitig eine USB-Verbindung zum Computer auf haben und über das G1 auf die SD-Karte zugreifen. Die ist dann gesperrt. Eventuell eine notwendige Maßnahme, um konkurrierende Zugriffe vom Computer und G1 zu vermeiden?)

USB-Port

Ein anderes, echtes Highlight sind die fünf festinstallierten, physischen Tasten und der Trackball. Sieht eigentlich genauso aus wie beim Palm (hab ihn selig), und ist auch genauso sinnvoll wie da, weil häufig benutzte Features über einen einfachen Klick jederzeit angesteuert werden können:

  • eine Taste zum Anrufen,
  • eine Taste zum Auflegen bzw. Ablehnen und Ein-/Ausschalten des Geräts,
  • eine Taste, die den Nutzer auf den Startbildschirm/Desktop zurück bringt,
  • eine Zurück-Taste, die in praktisch allen Applikationen genau das macht: den Nutzer einen Screen zurück führen. Total super!
  • Dann eine Menü-Taste, die in allen Applikationen das jeweilige Kontextmenü aufruft.
  • Und schließlich der Trackball, der zwar winzig klein ist, sich aber völlig überzeugend anfühlt und insbesondere beim Browsing eine von mir zunehmend mehr geschätzte Hilfe zum Ansteuern kleiner Elemente auf dem Screen ist.

Funktionstasten

Nicht vergessen darf ich die kleine LED über dem Bildschirm, die dezent aber doch gut sichtbar in jeder beliebigen Farbe blinken und leuchten kann, wenn eine Benachrichtigung vorliegt. Das können angekommene SMS oder Mails sein, das kann der Ladestand der Batterie sein; aber auch jede Applikation kann diese LED auslösen, wenn man es ihr erlaubt. Bei mir ist das zum Beispiel “Astrid”, eine To-Do-Applikation, die mich so an Deadlines erinnert. (Seltsamerweise lösen verpasste Anrufe keinen LED-Alarm aus, auch wenn’s dafür natürlich schon eine Helper-Applikation gibt, die genau das ergänzt.)

Die Hinweis-LED leuchtet

Die Tastatur des G1 ist schon ein echter Hammer – überhaupt, und auch in der konkreten Ausführung. Nach kurzer, ca. zweitägiger Lernphase hat man die Tastenabstände drin und trifft, obwohl die Tasten nicht stark erhaben sind, praktisch alle Buchstaben. Nach dieser Zeit hat man sich außerdem an die “Treppe” rechts neben der Tastatur zu den festen Bedientasten gewöhnt und hält die Hände nicht im 45°-Winkel zum Gerät, sondern parallel zur Längsachse. Klingt erst mal komisch, funktioniert aber erstaunlich gut. Andererseits ist es auch notwendig, weil man sonst laufend mit dem Daumen an die Treppe stößt. (Wenn allerdings das Ladegerät drin steckt, geht diese Haltung nicht mehr. Dann wird’s schon echt blöd.)

Wer einmal die Soft-Keys des iPhones mit der echten Tastatur des G1 verglichen hat, wird diese bestimmt nicht mehr missen wollen.

Tastatur

Schließlich das natürlich wichtigste Bedienelement: Der Touch-Screen. Der ist gut, fühlt sich in Ordnung an, auch wenn er manchmal ein kleines bisschen hakelig wird. Das liegt dann zwar weniger an irgendwelchen physikalischen Eigenschaften des Screens, sondern daran, dass schon die Browsing-Applikation den Prozessor des G1 beim Aufbau einer Seite in der Spitzenlast zu fast 100% braucht. Kommt für den Nutzer aber auf’s selbe raus. Starker Fingerdruck ist jedenfalls nicht nötig, und nach dem Putzen hilft ein bisschen Benutzung, dass der Screen etwas “leichtgängiger” wird, weil die Finger dann nicht mehr so am Glas haften, sondern besser gleiten.

Die Helligkeit des Bildschirms ist in Ordnung (und mit 32% als Default-Einstellung für die bequeme Benutzung ohne direkte Sonneneinstrahlung mit genügend Reserve ausgestattet).

Größter Nachteil gegenüber dem iPhone ist, dass der Screen kein Multi-Touch unterstützt.Das ist wirklich extrem schade. Ein bisschen kleiner ist er im Vergleich ebenfalls, wenn auch nicht viel.

Display

Netzwerke

Das G1 kennt sich mit UMTS, WLAN, Bluetooth und GPS aus. Die Standortbestimmung funktioniert übrigens auch ohne GPS, wenn auch nur auf einen knappen Kilometer genau.

WLAN funktioniert völlig schnafte, wie es sein muss, und mit guter Bandbreite. Bluetooth dient zurzeit leider nur zum Anschließen kabelloser Headsets; eine Dateiübertragungsapplikation ist noch nicht vorhanden, kommt vielleicht mal mit einem Android-Update. Das GPS hat sich nach dem Aktivieren erstaunlich schnell gefunden und ist maximal präzise.

Haken: Alle Netzwerke, die aktiviert werden, fressen enorm viel Strom. In aller Regel wird man deswegen nur UMTS aktiviert haben, wenn man keinen USB-Anschluss zum Aufladen in Reichweite hat.

Verbindungsmöglichkeiten (plus natürlich UMTS)

Benutzung

Nach dem ersten Einschalten verlangt das G1 logischerweise erst mal die SIM-Karten-PIN, und dann die Google-Credentials. Sich das Ding ohne Google-Account zu holen ist eher sinnlos, aber mit einem solchen, hat das Gerät sich nach ein paar Sekunden Synchronisation die Emails, den Kalender und auch die Kontakte aus dem Google-Account gezogen. (Man kann auch die Kontakte von der SIM-Karte importieren, muss das allerdings einen nach dem anderen tun.)

Das Bedienkonzept orientiert sich grundsätzlich an einem Computer-Desktop mit Applikationsmenü. Alle Applikationen sind in einem großen, alphabetisch sortierten Start-Menü aufgelistet. Jede Applikation kann man sich aber auf den Desktop ziehen, genauso geht das auch mit Kontakten, die dann mit einem “Finger-Tipp” zur Verfügung stehen. (Der grüne Desktop-Hintergrund unten ist übrigens ein von mir installierter; das geht natürlich wie inzwischen bei allen anderen Handys auch hier.)

Desktop

Öffnen des Anwendungsmenüs

Ein Feature-Vorsprung gegenüber dem iPhone ist die wirklich extrem praktische Statusleiste am oberen Rand des Bildschirms. In ihr stehen nicht nur der Batteriestand und die Uhrzeit und die aktuelle Netzwerkstärke. In diese Zeile können alle Applikationen kleine Benachrichtigungs-Icons setzen. Der Nutzer kann die Leiste dann wie eine Jalousie nach unten ziehen, die jeweilige Benachrichtigung lesen (Email angekommen, Anruf verpasst, 5 Tweets angekommen, was auch immer) und mit einem Klick zur auslösenden Applikation kommen. Hammerpraktisch, das Ding!

G1 (mit Email-Benachrichtigung inkl. leuchtender LED)

Eine Benachrichtigung ausklappen

Um mehr Platz zu haben, steht auf dem G1 nicht nur ein Desktop zur Verfügung, sondern drei zusammenhängende, die man mit dem Finger hin und her schieben kann. Hier mal ein kleines Bedienungsbeispiel von Desktop, Browser und Maps:

Insgesamt muss man sagen, dass sich das G1 sehr gut und vor allem intuitiv verständlich anfasst. Das einzige Konzept, das man lernen muss, ist der “Long Click”: Hält man den Finger auf ein Element gedrückt, dann springt nach einer knappen Sekunde ein Kontextmenü auf, falls denn für dieses Element eins verfügbar ist. Das kann natürlich auch mal schief gehen, andererseits lernt man schnell, wo es geht und wo nicht. (Meistens geht’s, wenn irgendetwas sinnvolles mit dem Ding anzustellen ist.) Bei den Desktop-Icons löst ein Long Click ein kleines Brummen aus, und dann hat man das Icon “in der Hand”, um es zu verschieben oder zurück ins Anwendungsmenü zu schubsen.

Applikationen

Das Gerät kommt mit Mail, Kalender, natürlich Telefon/Kontakten/SMS, Kamera, Browser, Google Maps und YouTube vorinstalliert.

  • Mail und Kalender sind nicht hübsch, tun aber ihren Zweck, Google-Style eben. Erwähnenswert: Die Mails fühlen sich wirklich “gepusht” an, sind oft eher im Handy als im Webclient.
  • Die Kamera kann nicht zoomen, hat auch keinen Blitz, macht bei Licht aber ganz okaye Bilder. Ein Fotohandy ist das G1 aber definitiv nicht.
  • Der Browser ist völlig in Ordnung, kann aber kein Flash, genausowenig wie andere mobile Browser.
  • Damit aber wenigstens YouTube geht, hat Google dem G1 eine eigene YouTube-Android-Applikation spendiert, die ziemlich gut funktioniert und Videos fullscreen abspielt.
  • Instant Messenger: Google-Talk-Chat
  • Musik: was wohl?
  • Google Maps ist schon in Verbindung mit der Mobilfunk-Zellen-Ortung eine tolle Sache für unterwegs, mit GPS wird’s kaum schlagbar.

Google Maps (mit netzwerkbestimmter, ungenauer Standortanzeige und Anwendungs-Menü)

Ebenfalls auf dem Desktop vorinstalliert ist logischerweise ein Google-Suchfeld (mit Auto-Suggest). Die Tastatur hat ein kleines Lupensymbol, das ebenfalls die Google-Suche aufruft.

G1 ausgeklappt mit Google-Suchfeld

Aber natürlich gibt’s auch bei Google einen App-Store, der hier “Market” heißt und jetzt schon eine wirklich große Zahl an kostenlosen Applikationen bietet. Erste Bezahlapplikationen sind in Amerika angeblich in den letzten Tagen im Market erschienen, in Deutschland finden sich noch keine. Das müssten aber wirklich schon extreme Kracher sein, wahrscheinlich Spiele, für die man bezahlen wollte, da das Umsonst-Angebot recht groß ist.

Market

Ich habe mir aktuell installiert:

  • Twidroid: eine Twitter-Applikation, die allerdings mit ständigen Updates und teilweise auch mit Inkompetenz und Abstürzen nervt. (Eine bessere Option gibt’s meines Wissens aber leider noch nicht.)
  • Alice: eine ziemlich umfangreiche To-Do-Verwaltung.
  • The Weather Channel: alles Wetter der Welt, personalisierbar und in eine gute Oberfläche gepackt
  • Quickpedia: Wikipedia in etwas einfacher und besser für’s mobile Endgerät aufbereitet als in der mobilen Wikipedia.
  • ShopSavvy: scannt Barcodes und bietet dann eine Produktbeschreibung, Web- und lokale Preise sowieso Rezensionen an. Relativ umfangreich bei allem, für das sich ein Preisvergleich lohnt. Deutsche Margarine-Sorten sind hingegen nicht in der Datenbank.
  • MyTracks: ein guter GPS-Tracker, ich berichtete bereits (am Ende des Artikels).
  • QypeRadar: Im Zusammenspiel mit der Selbstortung des Geräts ziemlich coole Vorschlags-Enginge von Qype-rezensierten Locations in der Umgebung
  • Useful Switchers: eine Applikation, die die wichtigsten Netzwerkeinstellungen mit zwei Klicks (Applikation aufrufen plus eins) verfügbar macht.
  • Note pad: ebendas
  • Rechner: genauso
  • Missed Call: Helferlein, das die LED blinken lässt, wenn man einen Anruf verpasst hat (s.o.)
  • Bookmarker: Helferlein, das den Nutzer die Browser-Bookmarks sortieren lässt. (Das geht unglaublicherweise nämlich nicht out of the box…)

Ein großer, erwähnenswerter Nachteil: Aktuell können Applikationen nicht auf der SD-Karte installiert werden, sie müssen in den Festspeicher des G1 gepackt werden. Der ist aber nur 80 MB groß, so dass der Applikationsgröße zurzeit noch sehr enge Grenzen gesetzt sind. Zum Größenvergleich: die Google-Mailapplikation hat etwa 2 MB, ebenso Twidroid und ShopSavvy. “Astrid” hat 580 k, Google Maps begnügt sich mit 216 k, ein Helferlein wie Missed Call will aber auch schon 212 k haben. Aktueller MB-König unter meinen Applikationen ist Quickpedia mit 4 MB. Von meinem internen Speicher sind mit all den oben aufgeführten Applikationen noch 38 MB verfügbar, also etwa 50%.

Performance und Akkuleistung

Die Performance der meisten Applikationen ist ordentlich, aber auch nicht überragend. Man merkt doch immer wieder mal, wie das G1 an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gebracht wird. Extreme Hänger gibt’s zwar nicht, aber hin und wieder, eher selten wartet man doch mal zwei, drei Sekunden, bis der Desktop wieder da ist. Oder das Scrollen einer Seite hakt etwas.

Mal schauen, wie sich das auf Dauer entwickelt, ob das System auch “verschmutzt”. Erwähnenswert nämlich: Android-Applikationen werden nicht vom Nutzer beendet, habe ich wenigstens den Eindruck. Man verlässt die Applikation nur so, wie man das auf einem PC tut, wenn man sie minimiert. Ein Beenden ist bei Android einfach nicht vorgesehen, und tatsächlich sind Applikationen nach dem Verlassen noch in der Liste aktiver Programme zu finden. Andererseits verschwinden nicht verwendete Applikationen nach einiger Zeit dann doch von alleine, wenn sie nicht explizit im Hintergrund weiterlaufen, wie zum Beispiel das Missed-Call-Helferlein. Es scheint da einen Selbstreinigungsmechanismus von Android zu geben. Ich bin gespannt, ob der so auf Dauer funktioniert oder doch hier und da mal was wegzuräumen vergisst.

Zum Akku: Der ist nach einem Tag (im Sinne von: nicht inklusive der folgenden Nacht) leer. Natürlich hängt die Laufzeit extrem von der Benutzung ab. Wenn ich an einem freien Tag zuhause rumhänge und das G1 als verlängerten Rechner benutze, WLAN aktiviert habe und beim Fußball-Gucken immer wieder mal die Tweets checke oder einen Kicker google, dann ist das Gerät nach 12 Stunden ziemlich runter mit dem Strom. Wenn ich dagegen nicht viel mache, ein paar Mal am Tag die Mails checke und beim Warten auf die Bahn ins und vom Büro mal durch die Nachrichten surfe, dann sind auch nach 16 Stunden noch 30% Akku übrig. Ein Dauerbrenner ist das G1 aber wahrlich nicht, tägliches bzw. nächtliches Aufladen ist unvermeidlich.

Fazit

Das G1 funktioniert einfach. Wie man das von Google-Applikationen kennt, sind sie nicht extrem schön, aber sie erfüllen ihren Zweck auf meine meist okay benutzbare Art und Weise.

Alles fasst sich ordentlich an und ist vernünftig responsiv, nur manchmal ein kleines bisschen hakelig.

Die Desktop-Metapher lässt das G1 sich zwar eher nach Rechner denn nach Telefon anfühlen, aber irgendwie ist es das ja auch mehr.

Ich bin bislang zufrieden. Wenn die Akkulaufzeit besser wäre, dann wäre ich sogar sehr zufrieden.

Alle meine Fotos vom G1 auf Flickr.

Gerettet vom G-Phone

Ich wusste gar nicht, dass der GTalk in meinem neuen Google-Phone auch “always on” ist. Oder nur, wenn ich surfe?

Jedenfalls stund ich vorhin auf dem Weg ins Büro an der Bahnhaltestelle, checkte SpOn zum Zeitvertreib, als das Gerät vibrierend einen eingehenden Chat ankündigte. Eine Freundin meldete, sie freue sich trotz beginnender Woche schon auf Dienstag Abend. Ich funkte zurück, dass der Dienstag bestimmt auch ein schöner Tag sei, wir unser Treffen mit anderen Freunden aber für heute vereinbart hätten, wie noch gestern mehrfach mit dem Wort “morgen” kommuniziert. (In echt muss man sich das mit etwas weniger Worten und mehr Satzzeichen vorstellen.)

Das Missverständnis war schnell aufgeklärt, dem Treffen steht nichts im Wege, aber ohne Always-On-G1 hätte es heute Abend vielleicht bittere Tränen gegeben. Danke, mein kleiner neuer Begleiter!

Callcenter-Geschäft, schweres Geschäft

Im Endeffekt war mein Anruf bei der Telekom jetzt ja nicht die Vollkatastrophe. Aber er zeigte doch mal wieder, ein wie schweres Geschäft das Callcenter-Geschäft ist, und was man Mitarbeitern alles beibringen muss, um Kunden zufrieden zu stellen.

Mein Anliegen: Ich will den T-Mobile G1-Tarif S bestellen. Also einen mit Google-Android-Handy.

Hintergrund: Ich wurde vor gut 12 Jahren T-Mobile-Kunde, zu einer Zeit als Vodafone noch Mannesmann hieß und T-Mobile noch T-Mobil. Ich bin kein Vieltelefonierer, aber ein treuer Kunde. Seit 12 Jahren habe ich meine Rechnungen immer pünktlich gezahlt.  Meine letzte Rechnung betrug 26,12 €.

Ich rufe also an, und muss mich erst mal mit einer Automatenfrau rumschlagen, die behauptet, ich könne mit ihr wie mit einem normalen Menschen reden. Ich also, langsam und deutlich: “Ich möchte in einen G1-Tarif wechseln.” Sie: “Darüber sprechen Sie am besten mit einem unserer Berater.” Ich: “Dachte ich mir.”

Dann also die Beraterin. Erste Bitte: Ich soll mein Kundenkennwort nennen. Das ich mir mal vor 12 Jahren eingerichtet habe. Ich: “Kann ich Ihnen nicht meine Kundenkontonummer sagen? Die automatische Dame vorhin meinte, das genüge auch”. Beraterin: “Wenn Sie einmal ein Kennwort eingerichtet haben, dann geht das leider nicht mehr.” Ich verstand der Versuchung, sie damit rumkriegen zu wollen, dass ich aus einem Projekt für den T-Konzern weiß, dass Kundenkonto eigentlich richtig BKTO für “Buchungskonto” heißt, ich mithin Insider und mit mehr Güte zu behandeln sei. Stattdessen ging ich kurz in mich und kam tatsächlich noch auf das Kennwort.

OK, nun mein Anliegen, das ich natürlich schon zu Beginn des persönlichen Gesprächs vorgetragen hatte. Ich nochmal: “Ich möchte in den G1-Tarif S wechseln.” Sie: “Oh, in einen G1-Tarif? Da muss ich mal nachfragen.”

Zur Erläuterung: Der G1-Tarif S kostet monatlich 44,95 € plus Gesprächs- und SMS-Gebühren. Also mindestens 20 € pro Monat mehr, als ich letzten Monat bezahlte. Außerdem binde ich mich für weitere 24 Monate an T-Mobile. Wo zur Hölle ist da denn die zu klärende Frage? Ich hätte eigentlich erwartet, dass die ‘ne kleine Fanfare einspielen.

Sie meldet sich wieder: “Alles klar, das geht. Die Zuzahlung beträgt 1 €, die Gebühren 44,90 pro Monat.” Ich: “Und ich muss noch wählen, ob ich ins Festnetz oder T-Mobile-Netz umsonst telefonieren möchte.” Sie: “Oh, das stimmt.” Ich entscheide mich, sie bittet mich, dran zu bleiben.

Drei Minuten später: “So, Herr SurfGuard, ich habe die Bestellung aufgenommen. Kann ich sonst noch was für Sie tun?” Ich: “Ja, ich würde das Gerät gerne an eine andere Lieferadresse gesendet haben.” Sie: “Oh, das geht jetzt leider nicht mehr, die Bestellung habe ich schon abgesendet.” Ich: “Aber dann muss ich extra zur Post latschen, anstatt das Paket im Büro entgegennehmen zu können.” Sie: “Ja, da müssen Sie leider zur Post gehen.” Ich: “Dann sind Sie jetzt ja für den nächsten Kunden schlauer.”

Da hatte ich sie endlich soweit, dass sie merklich betreten murmelte: “OK, tut mir leid, schönen Abend noch.”

Ich weiß, dass in Callcentern zumeist Menschen sitzen, die keine Fachleute sind. Und je größer ein Unternehmen ist, desto schwieriger wird es, die Callcenter-Mitarbeiter gut auszubilden, weil es eben auch immer mehr sein müssen. Aber eine Marktlücke besteht da definitiv noch. Entweder für gut geschulte MItarbeiter, oder für bessere Expertensysteme.

[UPDATE] Die Geschichte ging weiter: Callcenter, die Zweite