Prof. Christian Pfeiffer: Will der bloß nicht?

Tatsächlich: Prof. Christian Pfeiffer spielte in der Diskussion über Jugendgewalt bei Anne Will eine sehr angenehme Rolle. Gewonnen hatte er bei mir schon, als er Ministerpräsident Beckstein nach dessen unerträglicher Auftaktsuada entgegenhielt, dass gerade sein Bundesland bei der Bildungsintegration junger Ausländer versage und deshalb die Jugendgewalt in den letzen Jahren gestiegen sei – während sie im Schnitt der Republik sogar deutlich sank.

Überhaupt Beckstein: Er bekam gleich zu Beginn von Außenminister Steinmeier vorgehalten, der in seiner Funktion als Vizekanzler anwesend war (wie auch immer das fachlich zur Teilnahme an der Diskussion befähigt), dass er ja nur aus wahlkampftaktischen Gründen etwas fordere, dessen Unwirksamkeit er nach der Fernsehdebatte backstage sofort einräumen werde. Touché.

Ansonsten verfolgte Beckstein die Argumentationslinie der Judäischen Voksfront (oder war es die Volksfront Judäas?): „All right, but apart from the sanitation, medicine, education, wine, public order, irrigation, roads, the fresh water system and public health: What have the Romans ever done for us?“ Beckstein erkannte an, dass Bildung und Chancengleichheit zur Gewaltprävention wichtig sei, ebenso geregelte Tagesabläufe, also ein geordnetes Elternhaus, dass Jugendgefängnisse mit einer Chance von 79-80% Rückfalltäter produzierten, dass die SPD inzwischen sogar der von der CSU geforderten Möglichkeit zur Sicherheitsverwahrung jugendlicher Straftäter zustimme – aber davon mal abgesehen, müsse man doch auch mal über hohere Strafen nachdenken…

Ein Populist, wie er im Buche steht.

Zum Schluss noch einmal zurück zu Herrn Pfeiffer: Mich überraschte besonders, dass ihm bei diesem Thema gelang, woran er bei der Mediendiskussion stets scheitert. Er erkannte, dass hinter der Korrelation „junge Ausländer sind häufiger gewalttätig als deutsche“ ein anderer Faktor steckt, nämlich ein sozialer. Pfeiffer erklärte, dass Jugendgewalt kein Ausländer-, sondern ein Unterschichtenproblem sei. Er illustrierte das sehr anschaulich daran, dass sich die sozialen Hintergründe gewalttätiger Ausländer und gewalttätiger Rechtsradikaler bis ins Detail ähnelten: Gewalt im Elternhaus, soziale Benachteiligung, geringe Bildungschancen trotz durchaus vorhandener Begabung.

Herr Pfeiffer, wenn Sie das hier erkennen und erklären können: Warum gelingt Ihnen das bei der Debatte um Medienkonsum nicht? Die Zusammenhänge sind doch auch da offensichtlich: Sozial benachteiligte Kinder sind schlecht in der Schule und konsumieren viele Medien. Aber nicht der Medienkonsum ist Ursache der Schulleistung, sondern die Benachteiligung Ursache für beide Faktoren.

Man könnte angesichts Ihrer gestern demonstrierten Erkenntnisfähigkeit den Eindruck bekommen, dass die Leute tatsächlich recht haben, die Ihnen unterstellen, lediglich der USK ihren Auftrag abluchsen zu wollen.

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