Kurz reingeschaut: "Tödliche Versprechen" von David Cronenberg

Ein völlig belangloser Titel, den ich mir kaum von der Haustür bis zum Kino merken konnte. Aber ein bemerkenswerter Film!

Das Leben ist ein langes, ruhiges Töten. Durch einen Zufall bekommt es die Kinderkrankenschwester Anna (Naomi Watts) mit der russischen Mafia in London zu tun. Armin Müller-Stahl spielt Semyon, den Patron einer mafiösen Familie, die hinter dem unerwünschten Kind her sind, das Anna zur Welt bringen geholfen hat – und hinter allen, die von dessen Existenz und Geheimnis wissen.

Wo die Story viel Geballer, wilde Verfolgungsjagden und brutale Morde nahelegt, konzentriert sich David Cronenberg auf die brutalen Morde – und auf die Biografien seiner Hauptdarsteller. „Tödliche Versprechen“ wird zu keinem Zeitpunkt hektisch, auch die schnellsten und brutalsten Momente wirken wie vom Schicksal choreografiert. Im Zentrum steht immer Semyon als Dirigent des Verbrechens, der verbindlich, freundlich und gnadenlos seine Anweisungen gibt und die Strippen zieht.

Auch in diesem Film setzt Cronenberg, wenn auch dieses Mal auf ganz andere Art und Weise, das Thema seines Lebens fort, die Untrennbarkeit von Biografie, Erleben und Körperlichkeit: Prostitution, Vergewaltigung, Tätowierungen, Spritzen, und ein ganzes Kind als Beweis eines Verbrechens.

„Tödliche Versprechen“ hebt nie ab, bleibt schon visuell (Bilder: Peter Suschitzky, Cronenbergs Stammkameramann) immer nah am Geschehen, nah am Menschen. Und die Geschichte darüber entwickelt sich mit schlimmer Unausweichlichkeit.

Am Ende ist irgendwie alles klar, aber doch auch gar nichts. Selten sieht man aus Hollywood so offene Enden kommen wie in „Eastern Promises“. Es geht Cronenberg einfach nicht darum, jede Storyline aufzulösen. Emotional und körperlich ist alles gesagt, also muss es nicht mehr weitergehen.

Ein schöner Film, der erst nicht besonders beeindruckt, aber dann doch lange nachwirkt.

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