Kurz reingeschaut: "Der Gott des Gemetzels" im Schauspielhaus Köln

Meine zweite Aufführung, die von der neuen Kölner Theaterintendantin Karin Beier auch inszeniert wird: „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza.

Die Story ist eigentlich keine, sie ist mehr ein Motiv, auf dem sich das Stück entwickelt: Der Sohn des gutbürgerlichen Ehepaars Reille hat dem Sohn der ebenso gebildeten Houillés bei einer Auseinandersetzung zwei Zähne ausgeschlagen. Beide Jungs sind 11 Jahre alt. Die Paare treffen sich bei den Houillés, um die Angelegenheit zu regeln; man hat ein schriftliches Schuldanerkenntnis aufgesetzt.

Hier beginnt das Stück. Man scheint sich einig zu sein, die Vereinbarung wird verlesen, doch an einem Wort entzündet sich ein Streit, der in der Folge eskaliert, von einem Thema zum anderen springt, auch Konflikte zwischen den Ehepartnern aufdeckt. All das wird immer wieder zugedeckt von den vermeintlich guten, französischen Manieren, die beide Paare pflegen – dabei verachten sie doch zutiefst die anderen und auch ihr eigenes Leben.

Auf diesem tragischen Fundament hat Yasmina Reza eine Komödie geschrieben. Die Punchlines fliegen nur so durch die Gegend, die Figuren sind teilweise bis ins Groteske überzeichnet. Klingt gut, und das ist es zu Beginn auch. Komödie braucht immer auch Tragik, braucht immer Fallhöhe.

Was im Verlaufe des Abends nicht ganz klar wird, das ist, ob die Autorin oder die Regisseurin diese Fallhöhe zukleistern. An den Stellen, wo Innehalten, Erschrecken, wirkliche Tragik möglich wäre, folgt sofort die nächste Pointe. Jedes Nachdenken wird schnellmöglich weggelacht. Teilweise ist das auch dem Publikum geschuldet, das auch über Sätze lacht, die nicht als Witze gemeint sein müssten. „Das ist der schlimmste Tag meines Lebens“ kann lustig sein, muss es aber nicht.

An den Schauspielern, soviel ist sicher, liegt es nciht. Die sind hervorragend, besonders der hier hart am Rande des Overacting spielende Markus John – ohnehin einer meiner Lieblingsschauspieler des Kölner Ensembles. Und die aus Film, Funk und Fernsehen bekannte Maria Schrader spielt ihre Figur mit tiefer Erschütterung und einem verächtlichen Weltekel, der vom Publikum aber nie gewürdigt wird.

So bleibt der „Gott des Gemetzels“ eine Komödie, die doch so viel mehr hätte sein können. Lustig, über anderthalb Stunden ohne Pause extrem unterhaltsam, aber nicht so lehrreich und tief, wie das Stück hätte werden können. Eigentlich: hätte werden müssen.

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