Perversion eines Gewerkschaftlers

Wenn man wissen will, wie Korruption funktioniert, wie sie einen Konzern und wie sie Menschen durchsetzt, dann muss man sich nur im neuen Spiegel das Interview mit dem ehemaligen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert durchlesen.

Der Mann versteht heute noch nicht, was er eigentlich falsch gemacht hat, glaubt, dass doch alles nur zum Besten von VW gewesen und sowieso normal gewesen sei. Warum sollen etwa geheime Gehalts-Boni schlimm gewesen sein, schließlich habe er sie nicht gefordert?

Endgültig entlarvt sich der Gewerkschaftler aber in zwei Passagen, die im Vergleich seine Doppelmoral völlig offenlegen.

Wenn er gefragt wird, was der Konzern wohl mit den ihm zugestandenen Millionenzahlungen und Luxusreisen bezweckte, antwortet er, vielleicht sogar noch nachvollziehbar:

Meine Güte, verstehen Sie das doch! Es ging um Augenhöhe, um Gleichbehandlung. Wir fanden, dass wir dieselbe Rundumbetreuung erwarten durften wie das Topmanagement.

Wenn er dann aber selbst als Teil der Elite angesprochen und gefragt wird, ob der Fisch nicht vom Kopf her stinke, nimmt Volkert die Maske vom Gesicht:

Man kann noch so tüchtig sein. Sobald Sie mehr verdienen als jene, mit denen Sie einst groß wurden, beginnt der Neidkomplex. Über Auswüchse schreien immer die am lautesten, die weniger kriegen. Ich verstehe das durchaus. Aber in der Debatte ist auch viel Scheinheiligkeit.

So spricht ein Gewerkschaftler, dessen Aufgabe bei VW es in höchster Position und mit besten Einflussmöglichkeiten war, die Arbeitnehmer zu vertreten – diejenigen also, „die weniger kriegen“. Nach oben buckeln, nach unten treten: Pervertierter (also im Wortsinne: umgedrehter) kann ein Arbeitnehmervertreter sich nicht mehr geben.

Der Mann hat nichts verstanden. Gefängnis ohne Bewährung, also die Strafe, die er jetzt erhalten hat, wenn auch noch nicht letztinstanzlich, kommt auch mir wie das einzige Mittel vor, das einen einsichtslosen Millionenpreller zum Nachdenken bringen kann.

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