Memento in Ehrenfeld

Zwei Wochen nach dem großen Geburtsurkundendebakel von 2008 war ich gestern wieder auf dem Meldeamt – mit Geburtsurkunde. Die Beantragung meines Persos lief denn auch wie geschmiert.

Aber ganz ohne Schwierigkeiten kann ein Amtsbesuch ja nicht ablaufen. Bei meinem letzten Besuch hatte mir die Meldedame nämlich gesagt, ich hätte noch eine Zweitwohnung in Montabaur, wo ich mal ein paar Monate lebte. Ich erst so: „Echt?“ Sie darauf so: „Ja, das steht hier. Da nehmen Sie einfach dieses Abmeldeformular, bringen es nächstes Mal ausgefüllt mit, und dann melden wir sie ab.“

Gesagt, getan. Ich also gestern mit dem Abmeldeformular bei der neuen Dame, drei Schreibtische weiter, die zuvor meinen neuen Perso beantragt hatte.

Ich so: Und hier will ich mich noch in Montabaur abmelden.
Sie so: Dann schaunwermal. Hmm… Komisch… Sie haben gar keinen Zweitwohnsitz in Montabuur.
Ich so: Montabaur.
Sie so: Ich meine, Sie haben überhaupt keinen Zweitwohnsitz.
Ich so: Aber das hat mir ihre Kollegin doch letztes Mal gesagt? Nur deswegen hab ich ja dieses Formular mit!
Sie so: Hier steht aber nichts von Montabuur.
Ich so: Montabaur.
Sie so: Komisch nur, dass Sie in Ehrenfeld mit ihrer Hauptwohnung gemeldet sind. Dann muss es auch eine Zweitwohnung geben, sonst wär’s ja die Alleinwohnung.
Ich so: Weiß ja auch nicht…
Sie so, zu Ihrer Kollegin: Karin, kannst du da mal gucken?
Karin so: Ich seh da auch nix. Hauptwohnung, aber keine Nebenwohnung.
Ich so: Dann können Sie meine Wohnung ja vielleicht einfach zur Alleinwohnung umdeklarieren, und gut ist?
Karin so: Genau das werd ich jetzt nämlich auch machen.

Ich habe den Eindruck, dass viel Behördenarbeit nach dem Memento-Prinzip abläuft: In dem Film tätowierte sich der Hauptdarsteller, dessen Gedächtnis nur wenige Minuten zurück reicht, die wichtigen Fakten seiner Recherche nach dem Mörder seiner Frau auf die Haut, um sie nicht zu vergessen. Einmal aber „notiert“ er sich bewusst etwas Falsches, weil er weiß, dass er sich in wenigen Minuten nicht mehr daran erinnern kann und es für die Wahrheit halten wird.

Meine Schwester hatte einmal bei einem Umzug vergessen, bei der Meldung an ihrem neuen Wohnort ihre Konfession anzugeben. Damit war sie quasi aus der Kirche ausgetreten. Nach langem Hin und Her und diversen Telefonaten erbarmte sich ein älterer Beamter, setzte schlicht und einfach ein Häkchen im Computer auf „evangelisch“, und die Sache war wieder erledigt.

Ich vermute, dass meine Sachbearbeiterin vom letzten Mal den Eintrag meiner Zweitwohnung in Montabaur einfach gelöscht hat. Vorhanden gewesen sein muss er ja, sonst hätte sie mich nicht darauf ansprechen können. Die nächste Bearbeiterin stellt dann nur noch einen Fehler fest: „Hauptwohnsitz ohne Nebenwohnung“, und korrigiert ihn. Ich muss kein Formular mehr ausfüllen, Spuren hinterlässt der Vorgang nicht, und im System stimmt alles.

Bloß, wenn der Montabaurer irgendwann in der Zukunft mal Zweitwohnsitzsteuer von mir will, dann wird’s lustig…

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