Kurz reingeschaut: "Das Goldene Vlies" im Schauspielhaus Köln

Franz Grillparzers „Das Goldene Vlies“ ist eine weitere Inszenierung der neuen Kölner Intendantin Karin Beier. Wie bereits zur Eröffnung hat sie sich eines klassischen Sagenstoffs angenommen: Jason ist auf der Jagd nach dem Goldenen Vlies, verführt Medea, um es zu bekommen und verstößt sie dann, nachdem beide in seine Heimat zurückgekehrt sind und zwei Kinder miteinander bekommen haben. Als Medea verbannt und von ihren Kindern getrennt werden soll, tötet sie die beiden in kalter, verzweifelter Wut schließlich selbst, um sich an ihrem untreu gewordenen Ehemann zu rächen. So weit die Story.

Karin Beier inszeniert den Stoff sehr abstrakt und streng. Die Bühne besteht lediglich aus einem schräg gestellten, großen Viereck – quasi eine Bühne auf der Bühne. Darauf ist vor der Pause grober Sand geschichtet, in dem immer wieder herumgewühlt, gerutscht und gerungen wird. Nach der Pause hat das Viereck eine glatte, weiße Oberfläche. Vier Schauspieler (und die zwei Kinder) tragen die ganze Last der Darstellung, Manfred Zapatka und Patrycia Ziolkowska dabei in jeweils zwei Rollen.

In diesem Goldenen Vlies ist alles Text und Drama. Keine Ausstattung, kein Klimbim lenkt vom Text ab, der lediglich von dramatischen, manchmal überdramatischen Gesten unterbrochen wird: Da wird im Sand gewühlt; da wird Cello gespielt, mal melodisch, mal krachig; da wird sich umgekleidet, um den Tod der Kreusa darzustellen; da wird entrückt um die viereckige Bühne gerannt.

All das fügt sich aber erst nach der Pause zu einem durchgehend harmonischen Bild, wenn die Handlung kulminiert und die Ausweglosigkeit der Situation Medeas offenbar wird. Dann wird von ausnahmslos allen Darstellern präzise und eindringlich gespielt, was vor der Pause manchmal noch im Pathos und Aktionismus untergeht. Lediglich Manfred Zapatka stellt in diesem Gastspiel seine beiden Figuren vor wie nach der Pause mit einer beeindruckenden Präzision, emotionalen Schärfe und jederzeit großen Glaubwürdigkeit dar.

Eine solide Aufführung: Nicht überragend, aber gutes Theater mit guten Darstellern, die besonders nach der Pause die Zeit wie im Flug vergehen lassen.

Und wenn nach diesem Stück eins wundern kann, dann nur dies: Was in Gottes Namen hatte Marc Günther, der letzte Intendant des Kölner Schauspielhauses, dieser Stadt eigentlich getan, dass seine Leistungen auch im Rückblick so schlecht gemacht werden? Inszenierungen wie diese gab es auch unter Günther zuhauf: Da waren der Volksfeind, der Kaufmann von Venedig, Nathan der Weise und die Frau von früher – allesamt gute, strenge Inszenierungen mit guten Schauspielern. Auch in dieser Spielzeit gab es Herausragendes (Heute: Raum Lumina), Mittelmäßig-Unterhaltsames (Der Gott des Gemetzels) und Anstrengendes (Empedokles // Fatzer). Also alles wie früher.

Aber ehrlich gesagt ist es mir egal, warum die Leute wieder ins Theater gehen, solange die Reihen gefüllt sind und den Schauspielern endlich wieder mit herzlichem Applaus gedankt wird.

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