Rhetorisches Schmidteinander

Es gibt Argumente, die werden nur umso perfider, je öfter man sie wiederholt – weil auf Grund der Routine, quasi der rheotischen Netzhauterschöpfung, keiner mehr den Trick durchschaut, auf dem sie beruhen, sondern nur noch das verschwommene Nachbild wahrnimmt.

Gestern also Helmut Schmidt bei Maischberger. Schmidt bewundere ich ja aufrichtig. Aber dann ließ er sich dazu hinreißen, zu sagen, den Rentnern heute gehe es doch gar nicht schlecht, vergliche man ihren Lebensstandard mit dem der Rentner in den 50ern.

An diesem Argument ist so perfide, dass es den Maßstab nur für die Rentner von heute senken will – aber nicht für den Argumentierenden. Gemessen am Maßstab eines 50er-Jahre-Rentners wäre Helmut Schmidt nämlich ein Superreicher. Wäre also Schmidt bereit, sich auf den Lebensstandard eines Oberstudienrats aus den 50ern zurück zu begeben, dann klänge das Argument viel besser. Und wäre Uwe Friedrichsen bereit, sein Leben hierzulande nach dem Standard eines, sagen wir, bengalischen, mittelbekannten Schauspielers zu fristen, dann hätten wir eine Gesprächsbasis.

Das Argument, es ginge jemand anderem doch gut, gemessen an XY, ist deswegen so falsch, weil es ganz klassisch mit zweierlei Maß misst: Die einen sollen sich an den 50ern orientieren, und die anderen leben derweil lustig im 21. Jahrhundert weiter.

So, hätten wir das hoffentlich erledigt.

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