VfL Leverkusen – Fortuna Köln 1-1

Aus der Aufstiegstraum. Und es hätte so schön sein können.

Schließlich war alles war bereitet: Nach ersten Zählungen hatten sich bei strahlendem Sommerwetter tatsächlich 6-7.000 Fans im Sportpark Höhenberg eingefunden – bis auf etwa 500 „Heimfans“ ausnahmslos Fortunen. 45 min vor dem Spiel standen vor den vier verfügbaren Kassen noch 100m lange, mehrreihige Menschenschlangen. Vorverkaufskunden waren da gut dran.

Auf dem Bild ist der Gästeblock um etwa 14:15 Uhr zu sehen. Er wurde später noch komplett gefüllt, außerdem belegen die Fortuna-Fans die komplette Ostkurve und die halbe Tribüne. Angeblich waren die Kassen geöffnet worden, nachdem um 15:15 Uhr endlich angestoßen worden war. Wahrscheinlich wurde ein neuer Zuschauerrekord für Verbandsligaspiele aufgestellt.

Selbst OB Schramma war vor Ort – und zwar ganz volksnah auf den Stehplätzen in der Sonne. Respekt: Bei den Temperaturen mit Schlips und Kragen!

In der ersten Halbzeit präsentierte sich die Fortuna zerfahren. Das Spiel nach vorne wollte nicht so recht klappen, und der tiefe, scheinbar lange nicht gemähte Rasen im Sportpark trug das seine dazu bei, dass kein flüssiges Kombinationsspiel zustande kam und die Fortuna keinen rechten Druck aufbauen konnte. Zweimal kombinierte man sich zwar schön durch, wurde aber jeweils zurückgepfiffen. Die Leverkusener hatten vor der Pause sogar die besseren Chancen, in Führung zu gehen.

Auch der Support von den Rängen ließ in Halbzeit 1 zu wünschen übrig. Es schien fast, als hätten der lange Vorlauf und die gnadenlos auf die Südtribüne brennende Sonne auch die Fans erschöpft. Ultrax gab sein Bestes, die Massen zogen aber nicht so recht mit.

Halbzeiterfrischung musste ausfallen, da die Bierbude mit dem Ansturm der Tausenden nicht klar kam.

In der zweiten Halbzeit, ein paar Wolken hatten sich gnädig vor die Sonne geschoben, spielte die Fortuna endlich den Fußball, den man von ihr erwartet hatte. Kevin Kruth besetzte die rechte Seite, nachdem er zur Pause für den angeschlagenen Stephan Glaser hatte eingewechselt werden müssen. Er zeigte eine sehr gute Partie, ebenso wie auf der linken Seite nun auch Rachid Bouallal. Mit der neu entdeckten Durchschlagskraft auf den Flügeln drängte die Fortuna den VfL endlich in die eigene Hälfte zurück, aus der er im Verlauf der zweiten Halbzeit nicht mehr oft herauskommen sollte.

Auch die Fans fanden endlich ihre Stimme und machten sich lautstark und vor allem dauerhaft bemerkbar.

Die Fortuna erarbeitete sich fast zahllose kleinere, mittlere und ganz große Chancen. Doch es schien, als hätte die Fortuna ihr namengebendes Glück an den vergangenen Spieltagen aufgebraucht, als mehrfach der Sieg in der Schlussphase gelungen war: Alleine dreimal traf man in der zweiten Halbzeit das Aluminium, davon einmal in der Nachspielzeit. Daniel Blankenheim und Rachid Bouallal standen jeweils frei vor dem Tor und vergaben. (Dabei honorierte der Schiedsrichter ärgerlicherweise nicht, dass Rachid weiterzuspielen versucht hatte, obwohl er kurz vor dem Schuss von einem ganz langen Bein am 16er ins Straucheln gebracht worden war. Und weder Rachid noch ich hatten im Stadion bemerkt, wie groß die Chance tatsächlich war, zumal Stasi noch frei mitgelaufen war.) Und zweimal hatten Fortunen aus rund 12m freie Schussbahn und brachten den Ball nicht auf’s Tor.

All das hätte egal sein können, als in der 84. Minute Cedric Mimbala eine Flanke mit dem Kopf irgendwie über die Linie brachte. Fast schien es, als hätte das Schicksal die Spannung bis zum Schluss ausreizen wollen.

Doch wer mit dem Teufel frühstücken will, muss einen langen Löffel haben: Die Leverkusener, die zuvor auch körperlich schon einen sehr erschöpften Eindruck gemacht hatten, rafften sich noch einmal auf. Es kam zu einer Ecke, die per Kopf hoch und weit abgewehrt wurde. Der Nachschussversuch aus 25 Metern geriet unversehens zum Steilpass, und ein Leverkusener verwandelte, in abseitsverdächtiger Position plötzlich mutterseelenallein vor dem Tor, zum Ausgleich in der 88. Minute.

In den fünf Nachspielminuten brachte Daniel Blankenheim noch einen der beiden Lattentreffer der Fortuna zustande, aber am Ende reichte es nicht mehr. Völlige Niedergeschlagenheit bei Spielern und Präsidium.

Die Fans reagierten bravourös, spendeten Beifall und noch mal ein paar Cheers. Den Aufstieg hatte die Mannschaft letztlich nicht am heutigen Sonntag verspielt. Sich nach dem miserablen Rückrundenstart überhaupt noch einmal dieses Endspiel erkämpft zu haben, war eine wirklich beklatschenswerte Leistung.

Es war eine spannende Saison mit Aufs und Abs. Der grandiose Endspurt der Mannschaft hätte belohnt werden können, aber manchmal lernt man aus Niederlagen mehr als aus Siegen – und wenn es nur das ist: Sönke Wortmanns Sommermärchen haben anscheinend immer ein trauriges Ende. Leider wird diese Mannschaft kein stimmungsvolles Spiel um den 3. Platz mit Abschlussfeuerwerk bekommen. Sie hätte es verdient.

Alle meine Fotos vom Spiel gibt’s auf Flickr.

Und hier gibt’s das Video von spox.com:
http://www.spox.com/de/sport/videos/dfc/leverkusen-fortuna.html

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