Kurz reingeschaut: „Der Menschenfeind“ im Schauspielhaus Köln (2008)

Achtung: Diese Rezension bezzieht sich auf die Aufführung von 2008, nicht auf die Aufführung von 2016.

Die letzte Aufführung, die ich in dieser Spielzeit des Kölner Theaters gesehen haben werde: Molières Menschenfeind, hinterlässt ein sehr mittelmäßiges Bild.

Die Inszenierung, für sich selbst genommen, ist Regisseurin Karin Henkel gut gelungen: Eine Rampe führt durch’s Parkett in den Rang. Die anfangs verschlossene Bühne gibt, nachdem sich der stählerne Vorhang hebt, den Blick auf einen rechteckigen Kasten frei, in dem der Großteil des Geschehens stattfindet. Beide Elemente sind allerdings Recycling-Produkte: Die Rampe kam schon bei den Nibelungen zum Einsatz, der Bühnenkasten beim Gott des Gemetzels. Nett, aber nicht aufregend.

Die Geschichte des Menschenfeinds ist nicht neu. Karin Henkel lässt die teilweise gnadenlosen Reime der Übersetzung von Jürgen Gosch stark betonen, oft auch ironisieren, um noch deutlicher zu machen, als es der Text ohnehin vermag, gegen welch schlichten und oberflächlichen Willen zur Gefälligkeit der Menschenfeind Alceste kämpft.

Leider geht viel von Molières Text in Albernheiten und Genuschel unter. Die manchmal maulende Wiederholung allzu offensichtlicher Reime durch die Charaktere sorgt zwar für billige Lacher; eine Verwendung dieses Stilmittels hätte aber genügt.

Die Schauspieler zeigen durchweg eine überzeugende Körpersprache, aber ihre Aussprache könnte deutlicher sein. Dieser Kontrast ist besonders bei Felix Goeser als Alceste zu stark: die stark verzischelten S-Laute fallen am Anfang noch explizit auf, später machen sie seine Texte einfach nur schwer zu verstehen, wohingegen seine Darstellung sehr überzeugend Weltekel und auch Verzweiflung zeigt. Carlo Ljubek gerät sein Philinte zu albern. Julia Wieninger dagegen spielt die Femme Fatale Célimène mit großer Wucht und Präsenz, auch wenn der Figur die Zwischentöne fehlen.

Wahre, schauspielerische Klarheit aber erlebt man erst, wenn Anja Laïs die Bühne betritt: Auf einmal schneiden die Worte durch den Saal. Die von ihr gespielte Arsinoé hat echte Tiefe, auch wenn sie nur eine Nebenfigur ist.

Am Ende aber, Karin Henkel hat sich Alceste zum Lebemann wandeln lassen, geht mit Brecht und Reich-Ranicki der „Vorhang zu und alle Fragen offen“. Etwas gelernt? Nichts. Berührt worden? Auch nicht. Gelangweilt? Immerhin: nein.

Solide.

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