Künst

Für meinen letzten Arbeitgeber, lang ist’s her, arbeitete ich in einem Büro in der Südstadt, auf der Bonner Straße. Die Situation fühlte sich mehr nach Teilzeit-WG an, was wohl unseren Büroleiter dazu inspirierte, uns mit einer Ausstellung seiner Kunst zu beglücken. Der gute Mann war sehr nett, leider aber als Redaktions- und Büroleiter gleichermaßen überfordert. Als Ausgleichssportart versuchte er sich als Künstler, die er zeitweise in unseren Büroräumen aufstellte. Leider waren seine Werke so oberflächlich, dass wir Bürobewohner uns einig waren: Das ist keine Kunst.

Der Büroleiters Hauptwerk war ein aus grobem Holz zusammen gezimmertes Regal, in dem senkrecht dicke Metallplatten standen, in die abstrakte Begriffe wie „Liebe“, „Hass“, „wichtig“ und andere gefräst waren. Der Betrachter sollte die Metallplatten aus dem Regal nehmen, den Begriff lesen und das Gewicht der Metallplatte spüren, damit die Bedeutung des Begriffs für ihn erfahrbar würde. Von vergleichbarer Sorte gab noch zwei, drei andere Werke, von denen eines auch noch so schlicht obszön war (ich sag nur: Schraube und Mutter), dass wir Mitarbeiter nach Luft rangen.

Wir fanden die Werke einfach nur platt, die Ideen zu offensichtlich und beschlossen, die Stücke nicht „Kunst“ zu nennen, was ja bekanntlich von „können“ kommt – sondern „Künst“ wie in „verkünstelt“.

Nach einigen Wochen beschlossen wir, eine Gegenausstellung selbst erstellter Künst zu organisieren. Wir bastelten eigene Künstwerke, bauten sie im Büro auf und druckten Werkbeschriftungen dazu. Ein Kollege setzte einen Sitzball auf einen Plastikmülleimer: „Golfball eines Riesen, Peter S., 1997“. Ich scannte einen Tageskalender mit Eintrag „15:00, Vera“ und druckte sechs Kopien, auf denen ich den Eintrag schrittweise mehr verpixelte, bis er zum Schluss nur noch eine hellgraue Verwischung war. Werkname: „Erinnerung“.

Der Büroleiter tobte, wir fanden’s lustig.

Ich habe nun beschlossen, mich als neues Hobby mit einem Künstprojekt zu beschäftigen. Mein neues Spielzeug, eine Canon 400D, macht’s möglich: Fotos von Supermarktparkplätzen bei Nacht. Projektname: „Nachtkauf„. Wunderbar offensichtliche Konsumkritik verbindet sich mit abenteuerlichen Ausflügen unter Taschenlampenlicht und Fotografie.

Ich hatte das Projekt schon vor einiger Zeit geplant, allerdings macht es erst digitale Spiegelreflexfotografie für einen interessierten Amateur wie mich möglich, aus den gemachten Fehlern schnell genug zu lernen, um nicht zu frustrieren.

Learnings der ersten Nachtkauf-Session:

  • Die Kamera-Fokussierung bei Nacht ist schwierig. Angeblich genügt aber eine gute Taschenlampe, um dem Autofokus der Kamera genug Kontrast zu bieten. Ist bestellt. Evtentuell muss ich aber auf manuelle Fokussierung umstellen, die jedoch nur nach Entfernungs-Augenmaß und Einstellung des Fokusrings gehen kann.
  • Das Verkippen der Kamera (schiefer Horizont) ist schlecht zu erkennen, weil man durch den Sucher extrem wenig sieht. Lösung: Größeren Bildausschnitt wählen, später in Photoshop zurückkippen.
  • Belichtungskorrektur von -1EV ergibt die gewünschte Stimmung. Nächstes Mal mit kleineren Variationen rund um -1EV experimentieren.

Nächstes Ziel: Entweder der MediaMarkt in Marsfeld (viel versprechende Werbebleuchtung), oder der lokale Ikea (so ziemlich größter Supermarkt-Parkplatz around!).

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