Fortuna Köln – VfB Hüls 1-0

Was für ein Grottenkick der Fortuna, aber doch der ganz wichtige erste Sieg in der NRW-Liga.

Bei traumhaftem Sommerwettern war mit Hüls ein anderer Verbandsliga-Aufsteiger zu Gast im Südstadion, wo sich 1.400 Zuschauer eingefunden hatten.

Tribüne

Fans auf der Tribüne

Beide Mannschaften hatten an den ersten beiden Spieltagen keinen Sieg einfahren können: die Fortuna konnte immerhin zwei Punkte sammeln, Hüls hatte beide Spiele mit 0-1 verloren. Der Druck zu punkten war beiden Mannschaften in der Anfangsphase anzumerken: Abtasten, hintenrum, Rückpässe. Nach einiger Zeit fing der VfB Hüls sich dann einigermaßen und begann, wenn auch vorsichtig, zusammenhängende Angriffe zu zeigen. Schon nach wenigen Minuten, die Fortuna hatte einen Ball im circa fünften Versuch endlich aus dem Strafraum klären können, sprang Trainer Matthias Mink auf und rief „Simmer jetzt wach, ja?“ auf’s Spielfeld. Von wegen. Die Fortuna zeigte weiterhin: nichts. Gar nichts. Die kurzen Abwürfe von Torwart Christoph Möllering landeten bei den Verteidigern, die warteten gedudig auf die vorcheckenden Stürmer aus Hüls, spielten dann quer oder zum Torwart zurück, jedenfalls aber nicht sortiert nach vorne.

Insbesondere im Mittelfeld klaffte ein oft körperliches, immer aber ein geistiges Loch. Nicht mal Kapitän Stephan Glaser konnte sich wie sonst üblich die Mütze aufsetzen, Daniel Blankenheim zeigte wenig, und besonders schwach war über die gesamte Spielzeit der irritierenderweise nicht ausgewechselte Stefan Hoffmann: man war froh, wenn er im defensiven Mittelfeld den Ball einfach nur postwendend zu den Verteidigern zurückspielte, weil der dann immerhin in den eigenen Reihen blieb. Allen Spielern außer Marco Stasiulewski sprang der Ball bei der Annahme vom Fuß, Pässe über wenige Meter gerieten durchweg halbhoch, Dynamik: Fehlanzeige.

Wenn dann doch mal schnell gespielt wurde, wurden auch beste Chancen kläglich vergeben: Bei einer 3-gegen-1-Situation landete der Querpass beim Torwart; Felix Bably dagegen verzichtete 11 Meter vor dem Tor auf den frei möglichen Schuss und wartete so lange auf einen Mitspieler, bis ein Gegenspieler ihm den Ball abnahm.

Katastrophe.

Schicke Frisur, Herr Möllering!

Nach der Pause knüpfte die Fortuna nahtlos an die Leistung an. Nichts ging, und Hüls wurde immer mutiger, blieb oft unglücklich hängen, zeigte andererseits aber auch nicht die Abgebrühtheit, die für den letzten Pass nötig gewesen wäre.

In die allgemeine Verzweiflung der Fortuna-Fans durfte sich immerhin die Wut auf den Schiedsrichter mischen: Der pfiff zahllose kleine und große Szenen fast grotesk falsch, sparte sich seine übelste Fehlentscheidung aber für ganz zum Schluss auf…

Vorher allerdings, etwa ab der 70. Minute, kam die Fortuna endlich etwas besser auf. War es der müder werdende Gegner? Waren es die Einwechslungen von Matthais Mink (Kruth für den enttäuschenden und wohl von Magenkrämpfen geplagten Bably, Waraghai für Blankenheim), die für Belebung sorgten? Jedenfalls hatte das Kölner Spiel plötzlich Zug nach vorne. Da aber die Kombinationssicherheit weiterhin fehlte, konnte nur eine Standardsituation für die Entscheidung sorgen: Freistoß Glaser von halbrechts, wuchtiger Kopfball von Kevin Kruth aus wenigen Metern, endlich 1-0!

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Hüls raffte sich noch einmal auf, spielte auch gute Situationen heraus; die Fortuna konterte und kam noch zu leidlichen Chancen.

In der 85. Minute dann war der zum wiederholten Mal steil geschickte Marco Stasiulewski endlich durchgebrochen, bis ihn kurz vor dem Strafraum der einzige, noch an ihm hängende Verteidiger zu Boden riss und ihm dabei auf die Ferse fiel. Klare Sache: Freistoß und rot – fanden alle, außer dem Schiedsrichter, der weiterspielen ließ. Einfach nur albern (Fotobeweis von Sebastian Flügel), ebenso wie der Linienrichter, der ebenfalls kein Foul angezeigt hatte und sich lieber darauf verlegte, Trainer Mink zurechtzuweisen, der erregt aber keineswegs übertrieben von seinem Stuhl aufgesprungen war.

Da Mink schon drei Mal gewechselt hatte, musste der erkennbar angeschlagene Stasiulewski sich durch den Rest des Spiels quälen.

Nach einer ungebührlich langen Nachspielzeit war dann endlich Schluss.

Jubel nach dem Schlusspfiff

Die Mannschaft geht zum verletzten Stasi

Einen Aufreger gab’s aber noch: Matthias Mink verabschiedete sich trotz allem Ärger fair von den Schiedsrichtern. Und wenn ich es richtig mitbekommen habe (bin mir nicht ganz sicher), verweigerte ihm der Linienrichter den Handschlag, mit dem er zuvor ein paar Mal aneinander geraten war. Jdenfalls stand Mink mit ausgebreiteten Armen da und rief dem entschwindenden Gespann hinterher: „Muss das denn sein?“

Sportliche Geste von Matthias Mink

Der Sieg für die Fortuna war angesichts des Spielverlaufs sehr glücklich, Hüls hätte wenigstens ein Unentschieden verdient gehabt. Die drei Punkte nehmen wir aber natürlich mit, hoffentlich geben sie der Mannschaft die Sicherheit, im nächsten Spiel (schon am Mittwoch in Duisburg beim MSV II) souveräner aufzutreten.

Alle meine Bilder vom Spiel gegen Hüls gibt’s bei Flickr.

[UPDATE] Schöne Presseschau beim DFC-Mitglied Nr. 472 (Danke auch für den freundlichen Lilnk hierher!)

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