Das Problem mit Checklisten

Es ist zwar nicht so ganz eindeutig, wie die Auswahl von Sarah Palin für das McCain-Ticket gelaufen ist. Aber wenn ich einfach mal davon ausgehe, dass SpOn mit seiner zuspitzenden Schlagzeile (Republikaner verließen sich auf intimen Fragebogen) den Punkt trifft, dann ist das Wasser auf meine Mühlen: Ich finde Checklisten nämlich gefährlich. Jedenfalls halte ich ihre Anwendung nur in eng umgrenzten Bereichen für sinnvoll.

Wo sind Checklisten sinnvoll? Überall da, wo der Rahmen der zu erledigenden Tätigkeiten klar begrenzt ist. Für Piloten oder Atomkraftwerksingenieure sind Checklisten gut, weil hier alle fast Situationen komplett vorgedacht sind. (Wenn aber mal eine andere Situation auftritt, führt genau das Befolgen einer Checkliste zur Katastrophe.) Beim Bugfixing von Applikationen sind Listen sinnvoll, weil hier der Rahmen (das Konzept) relativ klar vorgibt, was auf welche Weise funktionieren soll. Eine Einkaufsliste ist sinnvoll, weil man sich vorher überlegt hat, was am Wochenende gekocht werden soll.

Gefährlich finde ich Checklisten dort, wo vorher eben nicht klar ist, was alles zum Vorhaben oder Problem gehört. Für die Planung eines Projekts kann ich nur eine rudimentäre Checkliste machen. Aber letztlich bedeutet ein Projekt immer, dass ich die Augen aufmachen, ein neues Problem oder eine neue Lösung sichten und einschätzen muss, was ich zur Erledigung alles zu tun habe. Die Gefahr einer umfangreichen Checkliste wäre, dass ich mich auf sie verlasse, und nicht mehr rechts und links schaue.

Das genau scheint den Republikaner bei der Auswahl von Frau Palin passiert zu sein. Wenn ich einem Kandidaten eine Checkliste gebe, mit der ich herausfinde, ob er irgendeine von 57 Verfehlungen begangen hat, dann kann es mir passieren, dass ich nach der 58. Verfehlung einfach nicht frage – und natürlich auch keine Antwort bekomme.

Checklisten verführen dazu, sich auf sie zu verlassen. Deswegen würde ich im Zweifel (aber auch nur da) immer dafür plädieren, sie wegzulassen und dafür richtig hinzudenken. Den Republikaner hätte es jedenfalls helfen können.

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