Bullshit-Bingo mit Joachim Herrmann

Schon klar, dass es in der Politik nicht um Sachverhalte sondern um Meinungen und Profilierungsmöglichkeiten geht. Aber könnte man nicht eine Bullshitgrenze erlassen, nach der Äußerungen strafbar werden, wenn sie mehr als eine bestimmte Menge unsinniger Äußerungen enthalten? Schon zum Schutz der Jugend, vielleicht? Eine staatliche Expertenkommission könnte dann darüber wachen, dass Zeitschriften keine Interviews mehr oberhalb der Bullshitgrenze veröffentlichen.

Bayerns Innenminister Herrmann wird in der ZEIT zur erneuten Forderung interviewt, „Killerspiele“ zu verbieten. Alle Äußerungen stammen aus einem Text, der (mit Fragen) gerade mal zwei Bildschirmseiten lang ist.

ZEIT ONLINE: Herr Herrmann, welche „Killerspiele“ haben Sie gespielt, um zu der Überzeugung zu gelangen, dass diese verboten werden müssen?
Joachim Herrmann: Ich spiele sie selbst nicht, aber ich habe sie mir intensiv angeschaut. Ich bin erschrocken, wie der Spieler zu brutaler Gewalt animiert wird.

Möööp! Wir lassen sogar mal unbeachtet, dass die Beurteilung eines interaktiven Mediums durch reine Betrachtung mindestens inkompetent ist. Aber die Behauptung, dass „der Spieler zu brutaler Gewalt animiert“ wird, ist eine zu belegende. Tatsächlich wird nicht der Spieler zu Gewalt animiert, sondern der Spieler muss die Gewalt einer Spielfigur steuern, um das Spiel zu gewinnen. Das ist keineswegs akademisch, sondern der zentrale Unterschied, um den sich die Killerspiel-Diskussion dreht: Kann der Spieler zwischen seinen eigenen Handlungen und denen seiner Figur wirkungsvoll unterscheiden?

Ich kann von einem Kinobetreiber erwarten, dass er tatsächlich nur 18-Jährige ins Kino lässt. Wenn es aber um Computerspiele geht, ist das anders. Wenn ein 18-Jähriger ein Spiel in der Hand hat, gibt er es am nächsten Tag an 17-, 16- und 15-Jährige weiter.

Möööööp! Es ist unbestritten, dass ältere Jugendliche ungeeignete Inhalte an jüngere weitergeben. Aber dieses Problem existiert schon seit Jahrzehnten in der Video-Branche – nachweislich ohne Auswirkungen auf die Kriminalitätsstatistik. Ein sozial stabiles Elternhaus fängt so etwas in der Regel auf.

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die eindeutig belegen: Je intensiver sich Jugendliche mit solchen Spielen beschäftigen, desto größer ist die Gefahr, dass sie das auch in der Realität nachahmen.

Nein, solche Untersuchungen gibt es nicht. (Wenn Herr Herrmann eine konkrete Studie nennt, bin ich bereit, mich mit ihr zu beschäftigen. Vorher nicht. Billigster rhetorischer Trick ever.)

In anderen Bereichen haben wir auch klare Verbote, ich denke an Kinderpornografie

Möööööp! Wollen wir jetzt die Erzeugung roter Pixel mit der psychologischen und körperlichen Vernichtung echter Kinder gleichsetzen? Ich vermute, dass der Vergleich für Psychologen, Pädagogen und noch mehr für Eltern, die mit missbrauchten Kindern zu tun haben, ein Schlag ins Gesicht ist.

Aber je größer die Gefahr ist, dass solche Spiele auch in die Hände von Kindern und Jugendlichen kommen, desto stärker muss der Staat eingreifen. Es ist ja auch für alle verboten, die Verbrechen des Nationalsozialisten zu verharmlosen

Mööööp! Es greift Godwin’s Law. Herr Herrmann verliert.

Spiele, die brutale Gewalt verherrlichen, müssen im Strafgesetzbuch generell verboten werden.

ZEIT ONLINE: Das Strafgesetzbuch verbietet Gewaltverherrlichung bereits.

Mööööp! (Nuff said.)

Es gibt heute schon Hersteller, die sich von dem gesamten Gewaltbereich verabschieden. Die wollen intelligente Spiele machen, Bildungsspiele, und noch ganz andere, spannende Geschichten.

Und natürlich Blümchenspiele! Wir wollen nicht unterschlagen, dass eigentlich die gesamte Weltliteratur sowie ausnahmslos alle Filmklassiker auf den Themenkomplexen Blümchen, Kätzchen und anderen niedlichen Tieren basieren.

ZEIT ONLINE: Aber eine Reihe von Herstellern verdient ihr Geld eben mit gewalthaltigen Spielen.

Herrmann: Da gibt es massiven Druck von Herstellern aus den USA. Aber wir haben auch nicht von ungefähr ein anderes Waffenrecht als Amerika, bei uns darf nicht jeder nach Belieben mit einer Schusswaffe durch die Gegend laufen. Wir dürfen bestimmte Fehlentwicklungen der amerikanischen Gesellschaft bei uns gar nicht erst Platz greifen lassen.

Das ist so verquer, da muss man gar nicht erst FarCry, „Biedermann und die Brandstifter“ oder die Dreigroschenoper erwähnen. Ansonsten: Go, Blümchencontent, go!

via Holgi

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