Europas Fußball: Wilder als der Westen

Aktuell wird, zum Beispiel heute in der F.A.S., darüber diskutiert, ob die 50+1-Regel des DFB noch zeitgemäß ist, nach der deutsche Fußballclubs nur minderheitlich Kapitalgesellschaften gehören dürfen.

Meiner Ansicht nach geht die Diskussion in die völlig falsche Richtung. Man schaut nach England und findet zu Recht, dass keine Chancengleichheit mit Milliardärsclubs wie Chelsea, Manchester City oder United besteht. Vergleichbares gilt für Italien, ähnliches für Spanien, wo der Staat die Rolle des Finanziers übernimt, indem er den Vereinen immer wieder drückende Schulden direkt erlässt oder Immobilen für horrende Preise abkauft.

Doch darauf zu neidisch sein und zu überlegen, wie man diesen Ländern nacheifern kann, ist das falscheste aller Modelle.

Die Bundesliga ist schließlich die gewinnträchtigste Liga in Europa. Die anderen euopäischen Ligen machen nicht einmal deutlich höhere Umsätze, bis auf England sogar geringere, verdienen damit aber kein Geld. Wieso stellt sich die DFL also nicht hin und ruft: Sehet her, denn wir sind das Licht? Mir unverständlich.

Das ganze wird noch mal seltsamer, wenn man nach Amerika blickt, in das Land des ungebremsten Kapitalismus. Ungebremst? Äh, Momentn! Es sind gerade die US-Profiligen, die vormachen, wie man Ligen für Investoren attraktiv macht und gleichzeitig sportlich interessant hält. Zwei Zauberworte: Salary Cap, Draft. Gerade die Amerikaner regulieren ihre Ligen also vergleichsweise stark, eben um sie attraktiv zu halten. Einzelne Vereine können kaum über sehr lange Zeit sehr viel besser sein als die anderen, außer durch eine einzige Qualität: gutes sportliches und finanzielles Management. Aber nicht durch schiere Finanzmacht.

Warum also sollte gerade der europäische Fußball wilder sein als der Westen? Die USA und die Bundesliga machen vor, dass regulierte Sportmärkte die erfolgreichsten sind.

Meiner Ansicht nach wäre deshalb eine europäische Liga mit Salary Cap und Draft-System der Königsweg. Über die Frage, ob überhaupt (und wenn ja: wie) Auf- und Abstieg in diese Liga geregelt werden sollte, bin ich mir im Unklaren. Eigentlich funktioniert auch hier das amerikanische System mit College-Meisterschaften und Farmteams ziemlich gut, also eine geschlossene Liga. Allerdings widerspricht das der jahrzehntelangen Tradition aller europäischen Fußballigen.

Wenn sich über diesen letzten Punkt jetzt noch schlauere Menschen als ich den Kopf zerbrechen, wäre die Sache für mich klar. Wo kann ich unterschreiben?

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