Fortuna Köln – Hammer SpVg 0-0

Ein enttäuschendes Spiel, ein enttäuschendes Ergebnis. Alle hatten mit einem Sieg gerechnet: gegen den vor dem Spiel noch punktlosen Tabellenletzten kein Ausdruck von Vermessenheit. Ein Spitzenspiel war also nicht angesagt, aber ich habe den Eindruck, dass es auch an der abebbenden Begeisterungswelle liegt, dass nur 800 Zuschauer ins Südstadion fanden. Es geht halt nicht mehr um den Aufstieg, sondern darum, sich in der neuen Liga zu etablieren.

Die Einlassschlangen werden kürzer

Dass die Fortuna gegen Hamm, mit 17 Gegentreffern immerhin die Schießbude der Liga, nicht zu einem Treffer kam, lag für mein Empfinden an der Taktik. Entweder Matthias Mink hatte das falsche System gewählt, oder die Spieler interpretierten es nicht richtig. Fortuna lief in einem 4-3-3 auf: Vor Möllering verteidigten Moog, Jagusch, Mimbala und Waraghai, die beiden Außen bei Ballbesitz sehr offensiv ausgerichtet. Hoffmann, Schroden und Dahmani formten das Mittelfeld; Podlas, Blankenheim in Mittelstürmerposition und Glaser waren als Angreifer aufgelaufen.

Als Problem entwickelte sich, dass die beiden Innenverteidiger im Spielaufbau Anspielstationen im Mittelfeld suchten. Dort stand aber meist nur Stefan Hoffmann in zentraler Position, Schroden und Dahmani wichen entweder weit auf den Flügel aus oder orentierten sich sehr früh nach vorne. So klaffte in der Mitte des Feldes zwischen Abwehr und Sturm ein großes Loch, das spielerisch nicht zu überbrücken war. Über die Flügel ging auch wenig, weil die beiden Außenverteidiger sich zu Recht nicht in Dribblings wagten, während die Flügelstürmer Podlas und Glaser sich zwar etwas zurückfallen ließen, aber so an der Linie klebten, dass der einzig mögliche Pass leicht verteidigt werden konnte.

Stephan Glaser wartet auf das Zuspiel

Ein System mit mehr Spielern im Mittelfeld hätte gegen diesen Gegner gut getan. So schlug die Fortuna vor allem gegen Ende zunehmend verzweifelter lange Bälle nach vorne, die aber von der soliden Hammer Verteidigung recht einfach abgefangen werden konnten, zumal alle drei Fortuna-Stürmer keine Kopfballriesen sind.

Mit der Hereinnahme von Kevin Kruth für den wieder zu ballverliebten und durchsetzungsschwachen Podlas verbesserte sich das Offensivspiel der Kölner zwar merklich, weil Kruth als gelernter Mittelstürmer mit den langen Bällen etwas anzufangen wusste. Aber echter Druck auf den Strafraum von Hamm entstand auch so nie.

Folglich gab es nicht die ganz großen Torchancen. Nur in der 60. Minute hätte es gleich zweimal im Tor rappeln müssen, allerdings verteilt auf die beiden Mannschaften: Erst setzte Cedric Mimbala, überhaupt einer der besten Kölner, den Ball ans Lattenkreuz. Im unmittelbaren Gegenzug konnte ein Hammer Stürmer dann völlig frei auf Möllering zulaufen, schlenzte die Kugel mit dem Außenrist aber zu lässig neben das Tor.

Verhaltensauffällig wurde in der 80. Minute dann wieder Kapitän Stephan Glaser: Im letzten Heimspiel einen Elfmeter versemmelt, heute nach einem blöden Revanchefoul völlig zu Recht Rot gesehen. War das der Frust über seine durchwachsene Leistung, nachdem er sich das ganze Spiel über nicht entscheidend durchsetzen konnte und eine große Torchance in der ersten Hälfte leichtfertig vergab, weil er den Ball aus spitzem Winkel über’s Tor zog, anstatt den sinnvollen und leicht möglichen Rückpass zu spielen? Jedenfalls fehlt er nach dieser Karte nächste Woche im Auswärtsspiel.

Rot für Stephan Glaser (leider verwackelt)

Es blieb beim 0-0, und so langsam verfestigt sich der Eindruck, dass die Fortuna sich in dieser Saison nicht umsonst auswärts besser anstellt als Zuhause: Da muss sie das Spiel nicht machen.

Um die Systemkritik etwas abzuschwächen muss Matthias Mink aber auch zugestanden werden, dass er einen klassischen Spielmacher nicht im Kader hat. Stefan Hoffmann entwickelt auf der 6er-Position kein bisschen Druck nach vorne und konnte mich heute wieder nicht überzeugen. Schroden ist gelernter Verteidiger. Und Ramin Waraghai, zuletzt gegen Bielefeld ein belebendes Element im Mittelfeld, musste heute auf rechts verteidigen.

Man kann nur hoffen, dass mit der Rückkehr von Kruth und Stasiulewski die steilen Bälle wieder besser verwertet werden können. Nächste Woche Freitag geht’s nach Wattenscheid, zum Tabellenführer. Schaumermal.

Felix Bably fragt sich, woran's lag

Alle Fotos von heute: http://www.flickr.com/photos/surfguard/sets/72157606788569191/detail/

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