Pfeiffer auf dem Rückzug?

Normalerweise triffft einen die Erkenntnis ja schlagartig. Ob das auch Prof. Christian Pfeiffer passiert ist, dem notorischen Videospielgegner aus Hannover?

Ich hatte mich schon gefragt, wann sich Pfeiffer denn im neuesten, finnischen Amokfall zu Wort melden würde? Schließlich war nach dem Amoklauf von Matti S. nichts über seine Videospielgewohnheiten bekannt geworden. Wahrscheinlich hate er keine, wenigstens keine auffälligen. Wem also schiebt man jetzt die Schuld in die Schuhe, wenn der Nubbel „Killerspiel“ nicht zur Verfügung steht?

Man kann ja nicht, wenn man jahrelang dafür plädiert hat, dass „Killerspiele“ Kinder zu Monstern machen, auf einmal eingestehen, dass man bestenfalls Ursache und Wirkung verkehrt, wahrscheinlich aber sogar auf das gänzlich falsche Ziel gefeuert und so wertvolle Energie verpulvert hat, die zur Lösung des eigentlichen Problems besser eingesetzt gewesen wäre. Also äußert sich Prof. Pfeiffer jetzt so: Selbstverständlich reiche es nicht aus, gewalthaltige Videospiele zu spielen, um jemanden zum Killer zu machen. Ach was, das hat sich früher aber anders angehört. Obwohl man zugestehen muss, dass bereits im Januar eine Differenzierung der Pfeifferschen Argumentationslinie zu erkennen gewesen war. Nichtsdestotrotz fährt Pfeiffer jetzt fort, dass vielmehr „Hochgefährdete, Frustrierte, Verlierer, […] in den Sog einer solchen Tötungsfantasie virtuell hineingeraten können“.

„Killerspiele“ also als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt? Das könnte eine perfide neue Taktik sein, denn sie erlaubt es weiterhin, sich auf die Bekämpfung von Killerspielen zu konzentrieren. Wenn man schließlich den letzten Schritt zum Amokläufer verhindert, genügt das ja, um die Gesellschaft zu beschützen. Gleichzeitig kann man die schwierigen Themen Bildung, Familie oder Integration anderen überlassen, muss sich mit ihnen nicht mehr beschweren. Dazu passt, dass Pfeiffer laut SZ weiter behauptet: „Es gibt keinen einzigen jungen Menschen in den USA, in Asien, in Deutschland, der als Amokläufer bekanntgeworden ist, der nicht vorher exzessiv seine Fantasien virtuell geübt hat.“ Ähhhh: Nein? Laut der ausführlichen Studie „Grand Theft Childhood“, hier schon schon mal bei Gelegenheit empfohlen und gestern ebenfalls in der Süddeutschen wieder aufgegriffen, interessierten sich nur 25% der untersuchten schulischen Gewalttäter für Gewaltfilme, sogar nur einer von acht für gewalttätige Videospiele.

Allerdings könnten die neuen Äußerungen Pfeiffers doch auch auf einen langsamen Rückzug von seinen früher monokausalen Erlärungsversuchen hindeuten. Schließlich ist es nicht so einfach, jahrelang mit der gleichen Platte durch Talkshows zu tingeln, und dann von einem Tag auf die andere ein anderes Lied zu singen. Im Zweifel würde man dann auch gar nicht mehr eingeladen werden.

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s