Kurz reingeschaut: Bohren & Der Club Of Gore im Gebäude 9

Hab ich mich also mitschleppen lassen zu Bohren & Der Club Of Gore – und es nicht bereut. Vorher kannte ich nur, wie jeder aufrechte Musikfreund innerhalb meiner Blase, die Story der Band: Erst spielten sie Metal, dann entwickelten sie den Zeitlupen-Doom-Jazz, wenn man das so nennen will, mit dem sie seit inzwischen fast Jahrzehnten ihre Tonträger und Zuhörer bespielen.

Das Setting gestern im Gebäude 9: Auf der Bühne die Instrumente, außerdem fünf Ständer mit senkrecht von oben nach unten leuchtenden Minispots, mit denen die Bühne dann mehr verdunkelt als beleuchtet wurde. Außerhalb des schmalen Spotlights sieht man nämlich nichts. Irgendwo dazwischen sitzen und stehen die Bohrer in Anzügen (alle) und ohne Haare (3 von 4).

Das Konzert beginnt mit ihrem einen Song, den sie den ganzen Abend über variieren. Man darf sich da nicht vertun: Bohren-Konzerte sind anstrengend. Zwar schlägt die Musik nur selten bedrohliche Töne an, meist wirkt sie fast melancholisch-fröhlich, aber die Variationsbreite ist gering, das „Tempo“ einheitlich – und der Boden hart, auf dem das Publikum steht. Beim letzten Bohren-Konzert im G9, habe ich mir sagen lassen, waren Bänke aufgestellt: Das hätte man sich auch gestern gewünscht. Naja, andererseits auch mal ne interessante Erfahrung, wenn die Rippen Bekanntschaft mit den Beckenknochen schließen.

Ein Feature der Show überraschte mich gestern dann aber doch sehr: Die trocken-lustigen Ansagen zwischen den Songs. Zu Beginn fragte ich mich noch, ob das jetzt wirklich humorvoll gemeint war, als es nach dem ersten Song langsam und deizidiert gesprochen hieß: „Wir sind Bohren & Der Club Of Gore. Wir spielen heute Abend zwei Songs mehr als sonst.“ Vereinzeltes, erfreutes Klatschen. „Dafür sind die die aber ’n bisschen kürzer, also im Endeffekt…“

Die Ansagen sind für die Dramaturgie des Abends extrem wichtig. Kein Mensch würde einen Abend im fast Stockdunklen mit Bohren-Songs wach überstehen, wenn es nicht diese kleinen Intermezzi (sagt man so?) gäbe. Sie pusten gewissermaßen ein bisschen Helligkeit ins Publikum, bevor es dann wieder dunkel weitergeht. Sehr geschickt, sehr gut! Absoluter Höhepunkt: „Der folgende Titel ist wie alle unsere Songs nach dem Motto komponiert: Keine Möbel, aber ’ne Putzfrau!“

Und tatsächlich trifft dieses witzig gemeinte Motto die Musik von Bohren auf den Punkt. Man stelle sich eine alte, traurige, gebeugte Putzfrau vor, die mit ihrem Mob sehr langsam durch eine leere Altbauwohnung wischt. Solche Musik zu komponieren, das muss man ja auch erst mal schaffen!

Ein insgesamt lohnender Abend! Wiederholung allerdings fraglich, wenn nicht Sitzplätze garantiert werden.

Bohren & Der Club Of Gore

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