SSVg. Velbert – Fortuna Köln 3-3 (0-2)

Herr, wirf Beständigkeit vom Himmel! Es ist wirklich nicht zu fassen, wie wechselhaft die Fortuna ihre Spiele in dieser Saison gestaltet. Da war dieses 3-3 gewissermaßen im Kleinen ein Abbild der ganzen Saison: 3-0 führte die Fortuna nach 70 Minuten und musste doch noch den Ausgleich hinnehmen. Aber der Reihe nach.

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Gästeblock

Auflaufen der Mannschaften

Fortuna lief in einer 4-2-3-1-Formation ohne besondere Überraschungen auf: Möllering – Moog, Jagusch, Mimbala, Waraghai – Schroden, Hoffmann – Blankenheim, Dahmani, Bably – Kruth. Vom Anpfiff weg drängte die Mannschaft die abstiegsgefährdeten Velbertesen in die Defensive. Mit laufintensivem Forechecking konnte der verunsicherte Gegner zu Fehlern gezwungen werden. Und schon in der 3. Minute hätte es fast geklingelt: Daniel Blankenheim zog aus 18 Metern ab, sein Schuss wurde zur Bogenlampe abgefälscht und hätte sich ins Tor gesenkt, wenn der Keeper nicht so gerade noch eine Hand dran bekommen hätte. Ärgerlich, aber ein Signal.

Doch nach einer Viertelstunde ließ die Fortuna nach. Ob man nach der Anfangsoffensive die Kräfte schonen wollte? Jedenfalls war auf einmal Velbert am Drücker – und zwar mit einer Wucht, die man ihnen nicht zugetraut hätte. Insbesondere über die linke Abwehrseite der Fortuna wurden immer wieder gefährliche Angriffe eingeleitet: Ein Lattentreffer und ein Schuss, den Möllering nur so gerade noch über den Kasten lenken konnten, waren der zum Glück nicht zählbare Lohn.

Wiederum eine Viertelstunde später besann sich die Fortuna auf ihre Qualitäten, checkte wieder vor und kam innerhalb von zehn Minuten zu zwei Toren: Erst ließ Kevin Kruth die Fans jubeln und zeigte ihnen anschließend zusammen mit Stefan Hoffmann deutlich, was er von der Kritik der letzten Tage gehalten hatte.

Eindeutige Geste von Kevin Kruth in Richtung Fans nach dem 1-0

Dann verlängerte Hamdi Dahmani eine kurzes Zuspiel von Daniel Blankenheim während einer Kontersituation nach Ballgewinn im offensiven Mittelfeld so elegant wie kraftvoll ins lange Eck: 2-0.

Jubel nach Madi Dahmanis 2-0

Das musste es doch sein? Erst mal jedenfalls Pause und Bratwurst (übrigens voll in Ordnung!).

Wurstbude

Nach der Pause ging es erst einmal weiter wie davor. Die Fortuna beherrschte den Gegner, drückte ihn mit viel Einsatz in seine Hälfte, und endlich stand ihr auch mal das Glück beiseite, als sich, für alle Beteiligten überraschend, schon  wenige Minuten nach Wiederanpfiff eine weite Flanke von Stefan Hoffmann ungerührt zum 3-0 ins lange Eck senkte.

Befreit spielte die Fortuna jetzt auf, und die Fans feierten sowohl das Team als auch (nicht erst nach dem dritten Tor) den Trainer: „Mattes Mink, Mattes Mink“-Rufe zeigten deutlich, dass die etwas unerwartete Trainerdiskussion dieser Woche wenigstens bei einem Teil der Fans auf Unverständnis stieß.

Der Übermut sollte nicht belohnt werden. Das Unheil begann, ohne es alleine an ihm festmachen zu wollen, mit der Einwechslung von David Podlas für Felix Bably in der 64. Minute. Bably hatte während seiner Einsatzzeit auf der rechten Seite ordentlich für Alarm gesorgt. Zwar konnte er sich selten so durchsetzen, dass er sich wirklich in eine gefährlichen Flanksituation gebracht hätte. Aber er erarbeitete seiner Mannschaft immerhin eine große Zahl von Einwürfen und Eckbällen, und sorgte ganz allgemein für konstanten Druck auf die Abwehr der SSVg. Podlas dagegen zeigte, was mich schon bei seinen vergangenen Einsätzen an ihm gestört hatte: selbstverliebte, unnötige Dribblings, die er stets so lange fortsetzt, bis er den Ball verloren hatte.

Dennoch hätte natürlich niemals der Ausgleich fallen dürfen. Denn bis noch zur 70. war die Fortuna näher am vierten Tor als Velbert am ersten. Gerade in dieser Phase fehlte schmerzhaft Kapitän Stephan Glaser, der mit Sicherheit den ein oder anderen tödlichen Pass hätte spielen ode rmal einen Gegner hätte aussteigen lassen und das Match so endgültig entscheiden können. Stattdessen zog sich die Fortuna ab der 65. Minute etwas zurück, ließ Velbert kommen, vielleicht auch um mehr Raum für Konter zu haben. Stattdessen stand es aber nach zwei Toren von Daniel Nigbur innerhalb von drei Minuten urplötzlich nur noch 3-2 für die Kölner. Jeder der beiden Treffer kann mal fallen, beide in typischen Strafraumsituationen, aber nicht zwei innerhalb so kurzer Zeit.

Alles blickte auf die Uhr, die Nervosität griff unter den Zuschauern und den Rotgekleideten merklich um sich. Als es dann in der 87. Minute schon fast geschafft war, kam Michael Bestler nach einem zu kurz abgewehrten Ball an der Strafraumgrenze zum Schuss. Und während die Fans schon hörbar ausatmeten, weil Bestlers Schuss zu schwach geraten und Möllering sicher in die Ecke abgetaucht war – lag der Ball auf einmal hinter der Linie. Irgendwo unter der kurzen Rippe von Möllering musste sich das Ding flach gemacht haben und durchgerutscht sein. Ein Klassiker unter den Torwartfehlern, wie man ihn immer wieder sieht. Und wie er einem immer wieder das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Als der Schiedsrichter das Spiel dann sogar überpünktlich abpfiff (trotz vier Toren und einigen gelben Karten keine Nachspielzeit), war der Frust der Fans groß und entlud sich gegen das deprimierte Team. Man muss es der Mannschaft hoch anrechnen, die sich schon in die Kabine schleichen wollte, dass sie dem Beispiel von Kapitän Frank Schroden, Daniel Blankenheim und Kevin Kruth folgte und sich nach und nach fast vollzählig am Trenngitter der Diskussion mit den Fans stellte.

Aussprache zwischen Mannschaft und sauren Fans

Aussprache zwischen Mannschaft und sauren Fans

Am Ende blieb war der Jubel aber eben doch blau, wie schon am letzten Wochenende.

Mal wieder blauer Jubel

Ein mir unerklärlicher Punktverlust. War es Arroganz im Gefühl des sicheren Sieges? Pech? Fehlendes Selbstvertrauen? Eine falsche Auswechslung von Mink? Alles zusammen? Jedenfalls steht die Fortuna wieder nur mit einem Punkt da, was nur umso ärgerlicher ist, wenn man die Tabelle betrachtet: Bis zum 3. Platz sind es nur lächerliche drei Punkte Abstand. So aber verharrt die Fortuna auf einem sicheren Mittelfeldplatz: Für einen Aufsteiger ordentlich, aber in dieser Saison wäre in fast jedem Spiel mehr drin gewesen.

Ich hoffe nur, dass Mannschaft, Trainer und Präsident in dieser Woche das Wasser halten können und der Presse nicht mehr Futter durch öffentliche Diskussionen liefern. Gegen den Tabellen-Fünfzehnten aus Delbrück muss am Freitag unbedingt ein Sieg her. Ob das dann aber Wiedergutmachung für ein Spiel wäre, das eine fehlgeschlagene Wiedergutmachung für das Pokal-Aus war? Hoffentlich ist bald Winterpause, meine Nerven machen das nicht mehr mit.

Am Freitag werde ich denn auch nicht im Stadion sein können, weil ich zum Anpfiff hoffentlich schon mein Zimmer für ein Wochenende am Tegernsee beziehe. Ein bisschen Entspannung darf ja auch mal sein.

Tegernsee

P.S.: Alle meine Fotos von heute bei Flickr.

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3 Gedanken zu “SSVg. Velbert – Fortuna Köln 3-3 (0-2)

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