Auf ein Wort, Herr Fabrikant!

Arend Oetker ist Marmeladenfabrikant. Und Vizepräsident des BDI. Und Präsidiumsmitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Und Aufsichtsratmitglied bei Degussa, Merck, der KWS SAAT AG, der Berliner Philharmonie und der Leipziger Messe.

Damit könnte es ja eigentlich gut sein, aber nein: Der Herr muss ja unbedingt auch noch Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft sein. In diesem Verband haben sich „rund 3.000 Unternehmen, Unternehmensverbände, Stiftungen und Privatpersonen zusammengeschlossen, um Wissenschaft, Forschung und Bildung voranzubringen“. Was für Maßnahmen fordert man denn wahrscheinlich, wenn man Wissenschaft und Bildung voran bringen will? Wahrscheinlich doch eine gute Ausstattung der Hochschulen und einen Studien-Zugang für die qualifiziertesten Schüler.

Haste mal gedacht. Arend Oetker fordert nämlich im „Spiegel“ dieser Woche, dass Studenten für ihr Studium zahlen sollen. Und warum?

Ich glaube fest daran, dass jemand sich mehr Mühe gibt, wenn er zahlen muss.

Wa? Der Präsident eines Verbandes zur Förderung der Wissenschaft will nicht am liebsten diejenigen als Studenten haben, die wirklich Spaß an ihrem Studienfach haben. Nein, er will den Zugang zum Studium a) von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Studenten bzw. seiner Eltern abhängig machen und b) diejenigen mit der Drohung eines finanziellen Verlusts im Studium halten, die es ansonsten lieber abbrechen würde.

Und vom Spiegel darauf angesprochen, dass die Wirtschaft ständig beklage, dass es zu wenige Akademiker gebe, antwortet Oetker, dass man die Zahl der Absolventen ja auch dadurch erhöhen könne, dass man Meistern den Zugang erleichtere und den Bachelor und FHs stärker anerkenne.

Ich übersetze:
Die Wirtschaft will mehr Akademiker. Also empfiehlt Oetker, unmotivierten Studenten den Studienausstieg zu erschweren (Studiengebühren), die Ansprüche zu senken (Bachelor, FH stärker anerkennen) und auch solche Menschen zu Akademikern zu machen, die sich offensichtlich eher für eine praxisnahe Tätigkeit interessieren und schon viele Jahre Ausbildung hinter sich haben (Meister).

All das anstatt der offensichtlichsten Antwort: nämlich möglichst vielen wissenschaftlich interessierten Schulabgängern ein Studium schmackhaft zu machen und auch wirtschaftlich zu ermöglichen.

Kann es sein, dass da jemand zu viele Hüte auf hat, um einen klaren Gedanken zu fassen?

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