Fortuna Köln – FC Gütersloh 2000 4-0

Was war nach einigen der weniger zufriedenstellenden Heimspiele dieser Saison nicht jeweils geschrieben worden: Wenn man gegen <jeweiligen Gast hier einfügen> nicht souverän gewinne, dann werde das nie was, eine schwächere Mannschaft hätte sich im Südstadion noch nicht vorgestellt. Da hatte man aber ja auch den FC Gütersloh noch nicht gesehen.

Die Gäste waren mit der schlechtesten Auswärtsbilanz aller NRW-Liga-Teams angereist: ein Punkt und ein Tor aus fünf Begegnungen, bei 16 Gegentoren. Die Habenseite blieb nach dem Spiel gestern im Südstadion unverändert, die Sollseite verschlechterte sich allerdings um vier Tore. Die Fortuna dagegen verbesserte sich in der Heimtabelle, die vor dem heute stattfindenden Großteil des Spieltags allerdings doch recht verzerrt ist, auf Platz 2 mit einer Bilanz von 4-2-1. So schlecht ist das für einen Aufsteiger nicht, selbst wenn die spielerischen Leistungen oft auch von mir bemängelt wurden.

Gestern Abend also, zur ungewohnten Anstoßzeit um 18 Uhr am Samstag, stieg die Partie gegen Gütersloh unter Flutlicht bei recht angenehmen 10° Lufttemperatur, allerdings ekligem, leichtem Nieselregen.Trainer Mink ließ dieselbe Mannschaft auflaufen, die letzte Woche den späten Sieg gegen Delbrück errungen hatte: Möllering – Moog, Mimbala, Jagusch, Waraghai – Schroden, Hoffmann – Glaser , Blankenheim, Dahmani – Kruth. Gegen einen defensiv erwarteten Gegner versuchte man es also, genau wie der FC Bayern gestern zunächst gegen Bielefeld, mit einem 4-2-3-1.

Abendlicher Eingang zum Südstadion

Auflaufen der Mannschaften

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Schon in der 7. Minute erzielte Daniel Blankenheim den ganz wichtigen, frühen Führungstreffer: Hoher Ball vor’s Tor, Kevin Kruth (?) scheitert mit einem Kopfball am Keeper, der den Ball allerdings nur kurz abwehren kann, kurzes Gestocher, dann ein Querpass und Blankenheim steht nur wenige Zentimeter vor der Torlinie so unbedrängt, dass er sich den Ball sogar noch zurecht legen und in aller Ruhe einschieben kann. Der erste Jubel des Abends!

Jubel nach Daniel Blankenheims 1-0

Dann allerdings kam genau die Reaktion, die ich aufgrund der Erfahrungen der letzten Wochen befürchtet hatte: Die Fortuna stellte sich hinten rein und ließ den Gegner kommen. Das war unnötig wie ein Kropf, denn offensiv hatte man in der Anfangsphase bewiesen, dass gegen diesen schwachen Gegner einiges gehen könnte. Warum also eine frühe 1:0-Führung verteidigen statt ausbauen?

Es war das Glück der Fortuna, dass Gütersloh die gefühlten 70% Ballbesitz in den auf das Tor folgenden 15 Minuten nicht zu nutzen wusste. Nicht einmal eine ernsthafte Torchance spielten sich die Gäste heraus. Vielmehr halfen sie der Fortuna sogar tatkräftig, die Führung auszubauen: Bei einem Konter spielte Hamdi Dahmani an der linken Strafraumgrenze elegant einen Gütersloher aus. Der hatte das irrige Gefühl, sich das nicht bieten lassen zu können und ließ, obwohl er bei weitem nicht letzter Mann war, genau auf der Linie das Bein stehen. Dahmani fiel, der Schiedsrichter pfiff: Ein so klarer wie unnötiger Elfmeter, sicher verwandelt von Daniel Blankenheim (27.).

Elfer!

Elfer zum 2-0 durch Daniel Blankenheim

Jubel nach dem 2-0

Mit diesem Treffer war die Partie quasi gelaufen. Die Fortuna übernahm jetzt endgültig das Kommando, kombinierte offensiv erfreulich sicher und wurde sechs Minuten vor der Pause belohnt: Daniel Blankenheim machte einen lupenreinen Hattrick perfekt und verwandelte eine Direktabnahme aus 16 Metern trocken.

Pause. Wir Velbert-Geschädigten wussten zwar: Auch mit einem 3-0 im Rücken ist noch nichts gewonnen. Aber gegen diesen Gegner, was sollte da passieren?

Nichts sollte erst mal passieren. Weder hüben, noch drüben. Das Spiel verflachte nach der Pause zunächst deutlich: Fortuna kontrollierte die Partie ohne große Mühe, riss sich offensiv aber auch kein Bein aus, Gütersloh brachte nach vorne rein gar nichts. Und spätestens nach der gelb-roten Karte gegen die ostwestfälische 10 war klar: Hier passiert nix mehr.

Nix mehr? Doch! Denn es kam noch der Moment, auf den anscheinend alle gewartet hatten: Stasi wurde eingewechselt. Nach der üblen, vor fast genau zwei Monaten gegen Hüls erlittenen Bänderverletzung war der Publikumsliebling und Torschützenkönig der letzten Verbandsligasaison endlich wieder einsatzbereit.

Einwechslung von Stasi nach acht Monaten Verletzungspause

Und sofort brachte er seine lange vermissten Qualität wieder ins Kölner Spiel ein: In den Nahtstellen der gegnerischen Abwehr lauerte Stasi auf den Steilpass und strahlte Gefährlichkeit aus. Dass hingegen die Sicherheit natürlich noch nicht wieder da ist, das zeigte sich kurz später, als er einen schönen Querpass auf den Elfmeterpunkt bei einer Kontersituation direkt nehmen wollte, aber komplett verstolperte. Kann ja nicht gleich alles klappen.

Stasi verstolpert seine erste Chance

Stattdessen zeigte Hamdi Dahmani in der 84. Minute, welch große Qualitäten er nach einem okayen, aber nicht überragenden Saisonstart inzwischen perfektioniert hat: Nach einem kurzen Dribbling auf dem rechten Flügel konnte er frei auf das Gütersloher Tor zulaufen und schob, mit rechts von der rechten Seite, völlig souverän am heraus stürzenden Torwart vorbei flach ins linke Eck ein. Prima gemacht, und eine schöne Belohnung für Hamdis tolle Leistungen in den letzten Wochen!

Jubel nach Hamdi Dahmanis 4-0

Beim 4-0 blieb es dann auch. Ein hoch verdienter Sieg über einen zwar katastrophal schwachen Gegner, gegen den die Tore aber auch erst einmal geschossen werden wollen.

Fortuna jubelt

Stasi!

Zwei Dinge muss die Fortuna jetzt nur noch abstellen: Zum einen die Neigung, in Führung liegend das Spiel einzustellen, dem Gegner den Ball zu überlassen und sich hinten rein zu stellen. Das geht gegen den FC Gütersloh 2000 noch gut, aber schon gegen Gegner wie die SSVg. Velbert geht es erwiesenermaßen schief.

Und dann ist immer noch die Spieleröffnung ein Thema. Gestern klappte das alles zwar schon ein bisschen besser, aber die Nahtstelle zwischen Abwehr und Mittelfeld ist immer noch ein Problemfall. Wenn der Ball erst mal im offensiven Mittelfeld angekommen ist, in dem nach Rotsperre ja seit zwei Spielen auch Stephan Glaser wieder seine Ballsicherheit zur Verfügung stellt, dann muss man keine großen Sorgen mehr haben. Aber aus der Abwehr und dem defensiven Mittelfeld kommt kreativ immer noch viel zu wenig.

Ansonsten aber will ich nach einem deutlichen Heimsieg nicht meckern: Bis heute Nachmittag die anderen Mannschaften spielen (nur Aachen II hat schon sein Heimspiel gegen Delbrück mit 1-1 in den Sand gesetzt) ist die Fortuna sehr guter Tabellenvierter. Und die Chancen stehen angesichts der Spielpaarungen gut, auch heute Abend nicht sehr weit zurück gefallen zu sein.

Schon am Mittwoch um 20 Uhr folgt dann die Reifeprüfung: Im dritten Heimspiel hintereinander (Wie kommt das eigentlich zustande?) geht es gegen den Bonner SC, den aktuell Tabellenzweiten und die einzige noch ungeschlagene Mannschaft der Liga. Ich denke, dass ich mich trotz Champions-League-Konkurrenz (Florenz-Bayern) ins Südstadion begeben werde, um mir anzusehen, ob die verbesserten Qualitäten der Fortuna auch gegen eine der unbestrittenen Spitzenmannschaften der Liga schon ausreichen.

Alle meine Fotos vom Spiel finden sich wie üblich bei Flickr.

Spielerkreis nach dem Sieg

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3 Gedanken zu “Fortuna Köln – FC Gütersloh 2000 4-0

  1. wumpi schreibt:

    Mahlzeit – sehr schöner Bericht, wieder! Das Foul im Strafraum vor dem 2:0 habe ich allerdings als nötig angesehen. Wenn der Gütersloher Dahmani nicht knickt, kann Hamdi sich die Ecke aussuchen! Wäre mir – trotz Hattrick – auch noch lieber gewesen. Aber Hamdi hat ja dann noch sein Tor gemacht.

    Drei Heimspiele in Serie: Wir wären unter der Woche schon gegen Bonn dran gewesen, das Spiel ist aber eine Woche nach hinten gelegt worden. Und das Heimrecht ist mit Bonn getauscht worden. Warum auch immer. Machen wir das Beste draus!

  2. Danke für die Aufklärung mit dem Heimrechts-Tausch!

    Über die Frage, ob Hamdi frei vor dem Tor steht, wenn er nicht gefoult wird, kann man tatsächlich streiten. Ich hatte eher den Eindruck, dass im Strafraum noch andere Gütersloher waren, diem an auch auf dem Foto vom liegenden Hamdi sieht. Jedenfalls aber ist ein Elfmeter in so einer Situation für den Abwehrspieler nicht die bessere Situation, als es den Stürmer mal probieren zu lassen – auch wenn man da in der Sekunde natürlich nicht so schnell drüber nachdenken kann.

  3. Das Heimrecht gegen Bonn wurde getauscht, weil der BSC über kein Flutlicht verfügt. Ansonsten auch von mir Kompliment für einen interessanten Spielbericht!

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