Richard Wagner seine Mutter ist eine Bitch

Wer zur Hölle ist eigentlich Richard Wagner? Natürlich nicht der große Komponist, sondern der kleine Richard Wagner, „riw.“ quasi: Vielleicht einfach nur ein gelangweilter, schnöseliger Schreiberling? Neinneinnein, Richard Wagner ist bestimmt ganz wichtig! So wichtig, dass er schließlich Glossen in die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreiben darf (hörthört). So wichtig, dass er dort sogar „amerikanische Spötter“ zitieren darf, die in Deutschland am besten nur studierten Amerikanisten so richtig bekannt sein sollten. Das lässt einen nämlich sogar dann gelehrt klingen, wenn man sich eigentlich gerade nur einen auf die eigene Wichtigkeit runterholt.

Was anders als Wortgewichse soll denn sonst bitte der Kommentar sein („Lauter Blogwarte“), den Wagner heute veröffentlichen durfte? Nicht mal für das schon 29.100 mal gemachte Wortspiel vom „Blogwart“ ist er sich zu schade. Auf Inhalte des Textes einzugehen erübrigt sich fast, schließlich geht es Wagner ganz offensichtlich so wenig um Inhalte wie dem Halbstarken, der einen in der U-Bahn anquatscht: „Ey hast du grad was über meine Mutter gesagt?“

Wagner polemisiert einfach mal anlassfrei gegen Blogs: Neues gibt’s dabei natürlich nicht zu erfahren: Blogs seien halbgare Laberfeste, die nur „Zeug“ verbreiteten, das in „seriösen Publikationen schon rausredigiert wurde“.

Die FAS kann sich nach diesem Kriterium jedenfalls nicht mehr zu den seriösen Publikationen rechnen, schließlich hätte Wagners Polemik fett rausredigiert gehört: Wenn schon nicht wegen erwiesener Substanzlosigkeit, dann alleine wegen dieses einen, wunderbar missglückten Bildes, des Eigentors unter den Metaphern. Wagner schreibt:

Nervig ist auch, dass Internetfreaks [Ich geb dir Freaks, Richie!] … auf die traditionellen Medien herabschauen – ungefähr wie der Floh auf den Hund. Auch der [gemeint ist übrigens der Floh] holt sich seinen Content durch Saugen.

Kann es sein, dass der Kollege da gerade seine ach so hehre Gilde hochwertiger Journalisten mit einem Hund verglichen hat? Und wenn dem so ist, dürfte man dann die Mutter eines sich als Journalist versuchenden, halbstark herumpöbelnden Amerikanisten eigentlich ungestraft eine „Bitch“ nennen?

Jedenfalls ist klar, wer dieser Richard Wagner ist: Einer, der die Welt nicht mehr versteht. Ein böser, verbitterter, alter Mann – und das mit 46.

P.S.: Einen hab ich doch noch. Diesen Satz, der aus Wagners Text nicht „rausredigiert“ wurde, muss man mal kurz mit sprachlich wachem Geist lesen. Etwas, das im Lektorat der FAS offensichtlich niemand für wichtig hielt:

Die Anonymität, das Ungefilterte und von keiner Instanz Geprüfte wird nur von den Netz-Aficionados als Freiheit gefeiert – in Wahrheit hat es dem Blockwart die Hecke bereitet, wo er seine Lust an Denunziation und Diebstahl ausleben kann.

Scheint ein redaktionsinterner Wettbewerb zu sein: Wie viele sprachliche Unsauberkeiten kann man eigentlich in einen einzigen Satz packen?

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16 Gedanken zu “Richard Wagner seine Mutter ist eine Bitch

  1. Kommen die Falten in der Zeitung von Dir? So Donal Duck mäßiges Zeitungsknüllen ? :-)

    Der arroganteste Text, den ich diese Jahr gelesen habe.

    Mal gucken wie Niggemeier auf den Artikel reagiert, wenn er die FAS denn noch liest…

  2. @probek: Die Daily-Show-Videos tun’s bei mir aus unerfindlichen Gründen nicht, wie neuerdings auch die Glumbert-Videos. Vielleicht im Büro.

    @axel: Schöne Vorstellung :-) Tatsächlich habe ich den Text aber erst mal als papiernes Bookmark rausgerissen (übrigens eine sehr hilfreiche Angewohnheit) um erst hinterher festzustellen, dass der Text im Internet natürlich erst mal nicht frei verfügbar ist.

  3. Der DailyShow-Flash hat bei mir erst auch nicht funktioniert, hab dann einfach mal auf die schwarze Fläche geklickt und dann kam plötzlich die Navigationsleiste am unteren Bildrand (mit Opera 9.52)

  4. Erst der Spiegel, dann die SZ, jetzt die FAS: Manchmal könnte man meinen, dass hinter diesen Texten eine Masche steckt. So nach dem Motto: Hau mal auf ein paar Blogs, dass erzeugt schön viel Buzz im Web.

    Die FAZ und das Internet. Das ist manchmal eh eine leicht gestörte Beziehung. Erinnert sich noch jemand an den Peter Glaser-Zwist zum Thema: „die Welt ist eine Google“ ?

    http://blog.stuttgarter-zeitung.de/?p=108

  5. Und auch mit: OpenSuse/Firefox 3.0.3 geht’s — aber das nur nebenbei, denn: zurück zum Text.

    Der ist natürlich selten dämlich, aber verständlich, wenn man sein Geld mit dem Bedrucken toter Bäume verdient und weiter rechtfertigen möchte, dafür bezahlt zu werden. Nur dumm, wenn die eigenen Leser nicht nur aus Lesern ohne Internetanschluss bestehen, die ihre Vorurteile gerne bestätigt sehen. Aber für diese Zielgruppe perfekt: ich lese die FAS, also bin ich ein kluger Kopf, allen anderen nicht. Wozu brauche ich das Internet?

    Da antworte ich lässig: lasst sie nur schwafeln, die sterben bald aus. Wer immer noch meint, ein Medium und die damit eingeführen neuen Medientechniken einfach so pauschal abqualifizieren zu können, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer mutwillig auf einen immer wichtigeren Teil der Debattenkultur verzichtet, wird schon bald nicht mehr mitreden können. Ernst nehmen muss man ihn jetzt schon nicht mehr.

  6. Blogger = arbeitslose Publizisten…

    "Lauter Blogwarte" Ursprünglich hochgeladen von SurfGuard Gratulation Herr Wagner, Sie haben wirklich genauestens verstanden worum es geht. In Zeitungen, da steht die Wahrheit, da redet eine Nation mit sich selbst und ganz klar, im …

  7. Hallo,

    wäre ich Trappatoni würde ich fragen: Was erlauben Wagner! Wäre ich ein bekannter Fussballspieler würde ich ihm einen Finger zeigen, ich bin aber ein Blogger, von daher schreibe ich darüber…

    In meinem privaten Blog habe ich dann auch mal öffentlich Stellung zu Richard Wagner´s Ergüsse genommen und einen öffentlichen Brief gebloggt.

    Gruß,
    Jens

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