Fortuna Köln – Bonner SC 2-3

Oooh, what a night! Selten habe ich im Südstadion ein packenderes Spiel gesehen, selten eine bessere Fortuna – und doch wurde ihr noch nie so klar aufgezeigt, an was es ihr in der neuen Liga noch mangelt.

Bemerkenswerte 1.500 Zuschauer drängten am Mittwoch Abend ins Südstadion, und sie sahen dieselbe Aufstellung, die in den vergangenen beiden Heimspielen siegreich gewesen war: Möllering – Moog, Jagusch, Mimbala, Waraghai – Schroden, Hoffmann – Glaser, Blankenheim, Dahmani – Kruth.

Einlass am Abend

Südstadion unter Flutlicht

Es enwickelte sich vom Anpfiff weg ein interessantes und hochklassiges Spiel. Fortuna ließ den Gegner zu Beginn erst mal ein bisschen kommen, stand dabei aber deutlich besser in der Defensive als in den letzten Spielen. Das war gegen den Bonner SC auch nötig, denn es war sofort erkennbar, dass hier keine Laufkundschaft vorstellig wurde: Mit klarem Spiel, Zug nach vorne und technisch sicher präsentierte sich der BSC. Fortuna konnte die Partie dennoch ausgeglichen gestalten, und zog nach Ballgewinnen selbst ein paar gute Angriffe auf, denen es im Vergleich aber an der Präzision beim letzten Pass mangelte.

Dann wurde klar, warum der BSC so viel Gefahr ausgestrahlt hatte: Bei Bonner Ballbesitz genügte eine missglückte Grätsche eines Kölners im defensiven Mittelfeld, ein anderer Fortune will aushelfen, Bonn erkennt die Situation blitzschnell, spielt einen präzisen Pass den linken Flügel hinunter, die folgende Flanke ist scharf und genau so weit vor das Tor, dass Möllering nicht herauskommen kann. Ein lockerer Kopfball gegen seine Laufrichtung, Tor: 0-1 in der 15. Minute..

Fortuna ließ sich von diesem Rückstand jedoch keineswegs entmutigen, im Gegenteil. Man suchte die Offensive, fand aber weiterhin nicht immer die richtige Gasse für den letzten Pass. Also musste es eine Standardsituation richten: Ecke von Stephan Glaser, der Ball kommt irgendwie bis zu Andy Moog durch, der trifft den Ball bei seinem Schussversuch nicht richtig, wodurch er aber Kevin Kruth auf den Kopf fällt, der im Fallen wunderbar überlegt einnicken kann: 1-1 in der 32.

Bis zur Pause ging es dann weiter hin und her, allerdings fielen keine Tore mehr. Dennoch war es gefühlt die früheste Pause dieser Saison, so viel war auf dem Feld los gewesen. Verdienter Applaus für alle Akteure.

Klaus Ulonska in der Pause bei den Fans

Nach der Pause lief das Spiel dann in unvermindertem Tempo weiter: Chancen hüben wie drüben, wobei diejenigen der Bonner immer die etwas größere Gefahr ausstrahlten, die der Fortunen den größeren Willen. Der alleine genügt aber nicht, und so stand es 20 Minuten nach Wiederanpfiff auf einmal 1-2.

Fortuna wollte sich aber keineswegs geschlagen geben und wusste, dass sie ihre Chancen noch bekommen würde. Es begann ein atemberaubender Sturmlauf auf das Tor des Bonner SC, mit allen Kräften wehrten sich die Kölner gegen die drohende Niederlage und zogen Angriff um Angriff auf, die auch immer gefährlicher wurden.

Unverständlich waren in dieser Phase nur die Auswechslungen von Trainer Mink: Bis zur 75. Minute nahm er mit Kevin Kruth und Daniel Blankenheim die beiden gefährlichsten Torschützen der letzten Wochen vom Platz und brachte mit Podlas und Bably zwei ausgewiesene Fummler. Klar, man kann es, wenn das eine Rezept nicht funktioniert, auch mal mit einem anderen versuchen. Aber die Maßnahme zeigte so wenig den erhofften Erfolg, wie das zu befürchten war: Sowohl Bably als auch Podlas liefen sich immer wieder in der Bonner Abwehr fest, ohne eine gefährliche Flanke (auf wen auch?) oder gar einen Torabschluss zustande zu bringen.

So war es denn Cedric Mimbala vorbehalten, den Ausgleich einzuleiten. Mimbala hatte seine Position in der Abwehr schon lange verlassen und verstärkte vorne den Angriff. Ein guter Steilpass auf ihn, Mimbala kann in der 84. Minute frei auf’s Tor zulaufen, entschließt sich dann aber, statt abzuschließen, bei dem ihn verfolgenden Bonner einzufädeln und sieben Meter vor dem gegnerischen Tor so spektakulär wie läppsch zu fallen. Der Linienrichter, der die gleiche Sicht hatte wie ich, lachte sich gerade kaputt – als der Schiedsrichter pfiff: Elfmeter.

Egal, in so einem Spiel muss man auch mal Schwein sein. Doch wer sollte nun schießen, wo der Default-Schütze Blankenheim schon ausgewechselt war? Hamdi Dahmani lief an, schoss zu unpräzise, der Torwart lenkte den Ball noch an den Pfosten, aber den zweiten Nachschuss konnte die Fortuna dann doch zum 2-2 versenken! Hochverdienter Lohn für 20 Minuten unermüdliches Anrennen!

Nun aber wollte wiederum Bonn sich nicht mit dem Punkt zufrieden geben und drehte noch einmal auf. Einen Angriff der Bonner fing die Fortuna in der Abwehr ab, ein schneller Pass ins Mittelfeld, wo ein Fortune leider ins Stolpern gerät und in einen Bonner stürzt. Den folgenden Freistoß führt Bonn blitzschnell aus, wenn auch nicht ganz vom Punkt des Geschehens. Der Schiedsrichter, der sonst jede kleinste Scheiße abpfiff, lässt (wenn auch nach der Regel so gerade noch okay) laufen, und nach einem schnellen Spielzug steht es 2-3 in der 87. Minute.

Lähmendes Entsetzen auf dem Feld und auf der Tribüne – aber nur für Sekunden. Die Mannschaft rappelte sich sofort wieder auf, die gestern unermüdlichen Fans fingen wieder an zu schreien, und es begann die Schlussoffensive der Fortuna. Der blieb das Glück, das man in so einer Phase braucht, aber leider verwehrt. Nur wenn Mimbala ein besserer Techniker und eben ein Angreifer wäre und wenn Bably mehr Durchschlagskraft hätte, dann hätten beide noch einmal freie Bahn zum Tor haben können.

So aber blieb zum Schluss zunächst vor allem der Ärger über den Schiedsrichter: Der pfiff nämlich mitten in den allerletzten Angriff der Fortuna hinein das Spiel ab. Gerade war ein langer Einwurf verlängert worden, Glaser und Mimbala sprinteten dem freien Ball entgegen – da kam der Pfiff. Völlig unverständlich und Anlass für wilde Diskussionen.

Tumult nach dem Schlusspfiff

Unterm Strich steht eine der ehrenwertesten Niederlagen der letzten Jahre. Es war ein grandioses Spiel ohne auch nur eine einzige Minute Leerlauf. Der Fortuna fehlte die Klarheit im Abschluss, die der Bonner SC als seine wesentliche Qualität ins Spiel einbrachte und es deshalb nicht unverdient gewann. Kalte Schnauze schlägt heißes Herz, wie so oft. Ein Unentschieden wäre das gerechte Ergebnis gewesen.

So bleibt die nun sichere Erkentnis: Die Fortuna kann in dieser Liga mit wirklich jedem Team mithalten. Um ganz oben dabei zu sein, fehlt aber noch ein Quäntchen Abgeklärtheit. Ob es mit Stasi (gute Besserung!) erfolgreicher gelaufen wäre? Oder wenn Blankenheim und Kruth bis zum Schluss auf dem Platz geblieben wären und nicht Mimbala und Bably die beiden größten Ausgleichs-Chancen hätten verstolpern müssen?

Müßig. Wenn jedes Spiel im Südstadion so ist wie gestern, dann muss die Fortuna sich jedenfalls keine Sorgen um den Klassenerhalt oder den Erfolg beim Publikum machen. Denn dieses Match hätte sie gegen nicht viele andere Mannschaften dieser Liga verloren. Und dafür Hut ab, BSC!

Update: Das ganze Spiel in einer Videozusammenfassung gibt’s hier.

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3 Gedanken zu “Fortuna Köln – Bonner SC 2-3

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