Kurz reingeschaut: "True Blood", die erste Staffel

Grundsätzliches über das Setting der neuen, in der ersten Staffel in den USA gerade abgelaufenen Serie „True Bloodhatte ich ja bereits geschrieben: Vampire hatten ihr Coming Out. Sie leben nicht mehr verdeckt, weil der Blutersatz „True Blood“ ihnen das Überleben ermöglicht, auch ohne Menschen töten zu müssen. Gleichzeitig entdecken die Menschen, dass Vampirblut, kurz „V“ genannt, auf sie wie eine Droge wirkt: Es schärft Sinne und Libido und erzeugt angenehmste Halluzinationen.

Zwei langfristigen Motive hat die Serie: Die Hauptfigur und Gedankenleserin Sookie Stackhouse verliebt in den Vampir Bill – eine nicht direkt verbotene, aber doch von allen Seiten skeptisch beäugte Liebe. Außerdem geht in dem kleinen Ort in Louisiana, in dem die Serie spielt, ein Mörder um, der „Fang Bangers“ tötet: Menschen, die sich mit Vampiren eingelassen haben. Also steht auch Sookie auf seiner Liste.

Leider vernachlässisgt Allan Ball, der „Creator“ und Drehbuchschreiber der Serie, diese beiden Motive sträflich, obwohl sie doch so offensichtliches Potenzial haben. Ab und an wird jemand umgebracht, aber ein echtes Gefühl der Bedrohung durch einen unentdeckten Killer kommt doch nie auf, dafür sind die Morde zu beiläufig inszeniert. Stattdessen wird jede Folge eine neue Sau durch’s Dorf getrieben, zum Ende sogar fast buchstäblich: Irgendein Charakter enthüllt ein dunkles Geheimnis, irgendeine neue Nebenhandlung taucht auf, und immer enden diese Gimmicks mit einem sehr, sehr guten Cliffhanger. Die Spannung auf die nächste Folge bleibt so erhalten, aber irgendwie befriedigt die Serie auf diese Weise nicht wirklich. Ein bisschen muss das so sein wie mit einer Dauerkarte beim FC: Man ist geil auf’s nächste Spiel, auf’s nächste Event, wenn die Hymne wieder läuft, aber langfristig fehlt einem eine Entwicklung.

Und genauso endet die erste Staffel von True Blood dann auch: Der Mörder wird entdeckt, und Bill riskiert sein Leben für Sookie. Ja, okay, danke. Aber gleichzeitig bleiben Massen von neuen Handlungsfäden offen: Wer ist Maryann was ist ihre gemeinsame Vergangenheit mit Sam? Warum ließ sich Jason so schnell von der Sekte vereinnahmen? Was ist mit Lafayette wirklich passiert? Was wird mit Bills nerviger Vampirschülerin? Wieso schaufelt Sam Unmengen von Geld in eine Tasche, und woher stammt die Kohle? Und natürlich (wahrscheinlich wird das das Motiv der schon bestätigten zweiten Staffel): Wer ist die Tote in Andys Auto?

Das ganze hat sich nicht angefühlt wie das Ende einer Staffel, sondern mehr wie der Auftakt zu einer kurzen Pause, nach der es dann weitergeht. Keine Atempause.

Nach 12 Folgen steht für mich fest: True Blood ist eine Serie, die mittelmäßig geschrieben, nur okay gespielt,  aber handwerklich brillant gemacht ist. Also eine prima Beschäftigung für eine Stunde, in der man nichts besseres zu tun hat. Ich freue mich auf die nächste Staffel, hoffe aber auf bessere Drehbücher.

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