Fortuna Düsseldorf II – Fortuna Köln 1-1

Das letzte Spiel vor der langen Winterpause also war gleichzeitig das erste Rückrundenspiel, bei den Amateuren von Fortuna Düsseldorf im Paul-Janes-Stadion am traditionsreichen Flinger Broich durfte die richtige Fortuna antreten.

Flinger Broich

Fortuna Düsseldorf II - Fortuna Köln

Rund 150 Kölner Fans waren mitgereist. Ich selbst traf mich mit einer Düsseldorfer Freundin und zog der Fankurve einen Tribünenplatz vor, der mich aber zu ungewollter Neutralität verpflichtete. (Im Vergleich zum Südstadion übrigens unmittelbar zu bemerken: Die deutlich höhere Püppi-Dichte auf der Tribüne. Düsseldorf halt.)

Kölner Auswärtsmob

Das Hinspiel zwischen beiden Teams war 1-1 ausgegangen, und auch im Rückspiel sollte man sich am Ende Unentschieden trennen. Fortuna Köln (im Folgenden einfach nur: Fortuna) trat wieder in 4-2-3-1-Formation an: Vor der Viererkette (wieder mit Cedric Mimbala) gaben Hofmann und Waraghai den Doppel-Sechser. Davor die gewohnte Offensivabteilung mit Glaser, Blankenheim und Dahmani, Kevin Kruth war einzige Spitze. Stasi ist offensichtlich noch nicht wieder fit für 90 Minuten. Man muss aber auch sagen, dass es schwer fiele, einen der vier Offensiven auf die Bank zu setzen: Ein Wechsel gegen Kruth wäre ein bisschen sehr defensiv, ein 4-4-2 könnte der Fortuna besser bekommen, deren Stärken ich eindeutig in der Offensive sehe. Aus dem Trio Glaser, Blankenheim, Dahmani würde man aber auch niemanden auf die Bank setzen wollen: Also einen Sechser raus und mit Raute spielen? Na, den Kopf soll sich der Trainer in der Winterpause zerbrechen und  anschließend mit seinen dann auch hochoffiziell installierten 11.000 Co-Trainern abstimmen.

Die Fortuna begann das Spiel überlegen. Düsseldorf wurde in die eigene Hälfte zurückgedrängt, und war, auch wenn es nicht unter unaushaltbaren Druck gesetzt wurde, etwas ratlos. Beispielhaft eine selten gesehene Szene: Der Ball wird zum Düsseldorfer Keeper gespielt, der ihn stoppt – aber keine Anstalten macht, ihn zu einem Mitspieler weiterzugeben. Es lag kein Spieler verletzt auf dem Platz, kein Grund für eine Unterbrechung erkennbar. Nach einer gefühlten Minute trabt Dahmani, irritiert, langsam auf den Keeper zu, der nimmt den Ball auf, lässt ihn nach fünf Sekunden wieder fallen und wartet noch einmal darauf, dass Dahmani ihn bedrängt, bevor er ihn lang nach vorne schlägt. Zeitspiel schon nach 15 Minuten? Sehr seltsam.

Nach 17 Minuten dann aber doch der verdiente Lohn für die Fortuna: Einen harten Schuss von der Strafraumgrenze kann F95 gerade noch abblocken, der Abpraller landet bei Stephan Glaser, fast am rechten Strafraumeck. Glaser steht fast mit dem Rücken zum Tor, dreht sich, schlägt einen hohen Ball und der fällt (nolens? volens?) auf der anderen Torseite genau in den Knick: 1-0!

Anschließend ließ Fortuna wieder nach, Düsseldorf kam stärker auf, konnte sich allerdings nur noch eine nennenswerte Chance herausspielen.

Pause. Und wenn man sich je gefragt hatte, wo die schnarchigen Getränkestandbedienungen aus dem RheinEnergie-Stadion in die Lehre gegangen sind: Es ist der Stand hinter der Haupttribüne am Flinger Broich. „Völlige Verpeilung“ drückt das Chaos der drei Standbesetzungen noch freundlich aus, die über Preise berieten, unkoordiniert durcheinander liefen und den Zapfer zwischendurch auch bedienen ließen. Höhepunkt war, als der Dusseligste des Trios mitten im Trubel einen Anruf auf seinem Handy annahm… Wie dem auch sei, immerhin verpasste ich nur die erste Minute der zweiten Halbzeit, dafür mit einem leckeren Frankenheim Alt ausgerüstet. (Zu viel Durst für Bierkrieg.)

Flinger Broich

Das Spiel plätscherte weiter etwas vor sich hin, und der einzige Höhepunkt war zunächst der gleichzeitig scharfe und ermutigende Anpfiff, den Matthias Mink an Cedric Mimbala richtete: der Sportskamerad hatte eindeutig nicht seinen besten Tag erwischt, stand oft falsch, spielte zu viel Foul und brachte generell Unsicherheit in die Kölner Abwehr.

So gesehen konnte Mimbala in der 60. Minute später froh sein: Da wurde Mink nämlich gegen seinen heftig protestierenden Widerstand auf die Tribüne verbannt.

Schiri Sevinc schickt Mink auf die Tribüne

Mink steht auf der Tribüne

Schumi Schumacher übernahm dann kurz darauf zwar Botendienste zwischen Tribüne und Bank, aber natürlich war diese Herausstellung eine Schwächung für die Fortuna. Der Grund für die Maßnahme wurde nicht ersichtlich, jedenfalls hatte der Linienrichter Mink beim Hauptschiedsrichter verpetzt.

In der Folge baute Düsseldorf zunehmend Druck auf, allerdings hatte die Fortuna sehr gute Konterchancen, von denen sie wenigstens eine hätte verwerten müssen. Einmal spielt Kruth, mittig frei an der Strafraumgrenze, noch einen völlig unnötigen Pass nach außen, woraufhin der Ball prompt verloren ging. Dann, wenige Minuten vor dem Ausgleich, stolperte Stephan Glaser über die Füße eines Mitspielers, wäre ansonsten frei durchgewesen, wenn er auch noch einen langen Weg zum Tor gehabt hätte.

So kam es, wie es in dieser Saison so oft gekommen war: Durcheinander in der Kölner Abwehr, plötzlich steht ein Düsseldorfer nur zwei Meter vor dem Tor völlig frei, kann den Ball sogar noch kurz annehmen und über die Linie drücken: 1-1 in der 74. Minute.

Düsseldorfer Jubel nach dem Ausgleich

Die Schlussviertelstunde war ein munteres Auf und Ab, Fortuna spielte sogar ein bisschen mehr auf Sieg, angetrieben von den wirklich tollen Fans, große Chancen ergaben sich aber vor beiden Toren nicht mehr.

Am Ende war das Unentschieden gerecht, sowohl nach Spielanteilen als auch nach Chancen. Fortuna hatte bei den nun 13 Spiele lang ungeschlagenen Düsseldorfern gut dagegen gehalten, sogar die Möglichkeit zur Entscheidung verpasst, konnte am Ende aber mit einem Punkt zufrieden sein.

Ein versöhnlicher Ausklang des Jahres, auch wenn Matthias Mink nach dem Schlusspfiff noch ein paar Dinge mit dem Schiedsrichtergespann zu besprechen hatte.

Matthias Mink spricht sich aus

Fortuna steht in der Tabelle jetzt mit 28 Punkten nach 18 Spielen für einen Aufsteiger sehr ordentlich da: 7. Platz (nur SW Essen kann mit einem Sieg in Bielefeld heute noch vorbei ziehen).

Es war ein aufregendes Jahr mit der Fortuna: Die unfassbare Verbandsliga-Rückrunde, das mit einem Unentschieden doch verlorene Endspiel gegen Leverkusen vor 7.000 Zuschauern, der Aufstieg am grünen Tisch nach wochenlangen Verhandlungen, und schließlich eine stabilisierte Mannschaftsleistung nach wackeligem Saisonstart in die NRW-Liga.

Dafür an dieser Stelle einfach mal: Danke! Ich freue mich auf 2009.

Alle Fotos und Videos von gestern bei Flickr.

Die Spielzusammenfassung im Video bei Sport1: http://multimediacenter.sport1.de/#/81,85,59110,23570/

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