Kurz reingeschaut: "So finster die Nacht"

Ich mag Coming-of-Age-Filme, ich mag Vampirfilme. So gesehen konnte bei „So finster die Nacht“ also gar nichts schief laufen. Ist auch nicht, im Gegenteil: „So finster die Nacht“ ist wahrscheinlich einer der besten Filme des Jahres und mit Sicherheit einer der besten Vampirfilme überhaupt.

Die Story in Kurversion. Oskar ist ein 12-jähriger Schüler, der von seinen Klassenkameraden gepiesackt wird. Er lernt die gleichaltrige Eli kennen, die sich für den Zuschauer schnell als Vampir entpuppt, nachdem sie in die Wohnung neben Oskar und seine Mutter gezogen ist. Die beiden Außenseiter fühlen sich bald zueinander hingezogen, lernen einander kennen und, trotz der Fehler des anderen, lieben – soweit man das von 12-Jährigen sagen kann, wie lange auch immer die schon 12 sind…

Der Film erzählt seine Geschichte mit einer meisterhaften Balance zwischen Romantik auf der einen und Trostlosigkeit, sogar Gnadenlosigkeit auf der anderen Seite. Wenn Eli tötet, dann ist das nicht ästhetisch oder gar edel, wie in manch anderem Vampirstreifen, sondern es ist roh, kalt und gierig. Wenn seine Mitschüler Oskar ärgern, dann wird er nicht ein bisschen herumgeschubst, sondern tief gedemütigt. Das Setting des Films in einer grauen, verschneiten, trostlosen Vorstadt Stockholms zu Beginn der 80er trägt seinen Teil zu der Atmosphäre bei, die weniger furchteinflössend als vielmehr ausweglos depressiv ist, so dass die vorsichtige Zweisamkeit von Oskar und Eli als kleines Licht in der Finsternis leuchtet und vollkommen logisch erscheint.

Zu der Wirkung des Films trägt auch die tolle Kamerarbeit bei: Ruhige, fast grafische Totalen wechseln mit aus der Hand gefilmten Nahaufnahmen ab, deren Schärfentiefe sich im Millimeterbereich bewegt. So bleibt der Film gleichzeitig distanziert und doch ganz nah an seinen Charakteren. Bis zum Schluss verliert „So finster die Nacht“ nicht seinen wunderbar ambivalenten Ton, nur die allerletzte Szene ist ein bisschen zu optimistisch geraten, so offen sie den weiteren Gang der Dinge auch lässt. (Einziger weiterer Haken des Films: Die extrem mittelmäßigen Synchronstimmen, insbesondere von Eli und Oskar.)

Unterm Strich ist „So finster die Nacht“ ein Meisterwerk, dem das Kunststück gelingt, gesellschaftlichen und persönlichen Realismus auf der Unterlage eines fantastischen Motivs darzustellen, ganz nach der Methode von „Der Meister und Margarita“ also. Sollte man gesehen haben.

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