Kurz reingeschaut: "Wonderfalls"

Es scheint ja fast eine Tradition bei FOX zu werden, gute TV-Serien mit Jewel Staite vorzeitig abzusetzen, nur um dann von den Fans zu einer anschließenden DVD-Veröffentlichung genötigt zu werden. In „Wonderfalls“ spielt Staite zwar, im Gegensatz zu „Firefly„, nur eine wichtige Nebenrolle, aber daran kann es kaum gelegen haben, dass Wonderfalls sogar noch sieben Folgen weniger als Firefly im TV erleben durfte, bevor die Serie vor Folge 5 abgesetzt wurde: Caroline Dhavernas, die in Wonderfalls die Hauptfigur Jaye Tyler spielt, haucht der Serie viel von ihrer zauberhaften Seele ein.

Die Grundidee von Wonderfalls: Jaye Tyler ist eine Slackerin. Zwar hat sie gerade ihr Studium abgeschlossen, aber mehr volens als nolens jobbt sie in einem Souvenir-Laden an den Niagara-Fällen und lebt in einem Trailer Park. Ihr Leben in frei gewählter Erwartungslosigkeit ist völlig in Ordnung – bis plötzlich Spielzeugtiere mit ihr zu sprechen beginnen! Es beginnt mit einem kleinen, roten Löwen aus Wachs und steigert sich (u.a.) über einen eisernen Affen, einen Stoffesel, Vorgartenflamingos und eine auf ein T-Shirt gedruckte Schlange bis hin zu dem Tierkopf auf einem ausgewachsenen Totempfahl. Die diversen Tierchen führen keineswegs ausgefeilte Konversationen mit Jaye. Vielmehr fordern sie sie auf, irgendetwas zu tun. Diese Aufforderungen sind regelmäßig sehr allgemein gehalten, scheinen zwar auf eine konkrete Situation zu passen, entpuppen sich aber meist als doppel- und hintersinnig. Jedenfalls lernt Jaye, trotz ihrer verständlichen Befürchtungen, wahnsinnig geworden zu sein, relativ schnell den Anweisungen zu folgen, da sich herausstellt, dass die immer zur Lösung des in der jeweiligen Folge anstehenden Problems führen – auch wenn der Dramaturgie zuliebe meist erst einmal einige Verwirrung gestiftet wird.

„Wonderfalls“ ist eine gelungene Mischung aus Komödie und Drama. Die Stories sind eher dramatisch: Die Haushälterin der Tyler-Familie wird als Illegal Alien enttarnt; eine abtrünnige Nonne muss gerettet werden; eine neue Angestellte im Souvenirladen versucht, Jaye auszustechen; Jayes Schwester outet sich unfreiwillig als Lesbe. Die Dialoge und die Darstellung der Charaktere sind aber ziemlich komisch. In der Kombination dieser beiden Stile mit den sprechenden Spielzeugtieren entsteht eine skurrile und vor allem sehr liebenswerte Serie.

Caroline Dhavernas ragt aus dem durchgängig sehr soliden Cast heraus: Sie macht aus Jaye Tyler eine gleichzeitig gelangweilte, sich am Rande des Wahnsinns wähnende/befindende, schicksalsergebene und auch noch romatisch herausgeforderte junge Frau – und das alles so überzeugend und zeitweise traurig wie komisch.

„Wonderfalls“ setzt zu Beginn mehr auf die Kraft der einzelnen Episoden, was sich zur Mitte der Staffel aber als Fehler entpuppt: Ein paar Folgen sind doch recht schwach. Gerade rechtzeitig zum Ende, etwa mit Folge 8, fängt sich die Serie aber wieder, weil sie dann beginnt, die unglückliche Romanze zwischen Jaye Tyler und Eric, dem neuen Barkeeper ihrer Stammkneipe, wirklich zu entwickeln. An dieser Stelle kommt auch Jewel Staite ins Spiel, die Heidi Gotts spielt, Erics bösartige Noch-Frau, die ihn während der Flitterwochen mit einem Hoteljungen betrogen hatte, ihn nun mit allen Mitteln zurückgewinnen möchte und es auf diverse Head-on-Konfrontationen mit Jaye ankommen lässt.

Ab diesem Zeitpunkt funktioniert Wonderfalls sofort wieder besser, weil die Figuren, die in den Folgen 5-7 doch recht flach und fast karikiert geworden waren, wieder emotionale Tiefe bekommen. Und zum Ende hin entwickelt sich sogar ein echter Sog, will man unbedingt wissen, ob Jaye und Eric denn zusammenfinden werden, obwohl die Tierstimmen alles tun, um sie voneinander zu entfremden.

Bis auf ein paar Folgen ist „Wonderfalls“ also eine sehr schöne Serie mit einem Potenzial, das in einer nie gedrehten zweiten Staffel wahrscheinlich besser hätte ausgereizt werden können. Die erste Staffel macht an ein paar Stellen den Eindruck, als ob „Wonderfalls“ eine Weile nach seinem Stil gesucht und ihn erst gegen Ende wirklich gefunden hätte. Dennoch: sehr solide 7 von 10 Punkten, einfach prima Fernsehunterhaltung.

Und im übrigen ist es wieder mal erschütternd zu sehen, dass in Amerika sogar abgesetzte Serien so gut sind, dass sie hierzulande locker zu den oberen 10% gehören würden. Der Anfang der dritten Folge gibt einen guten Eindruck von allen Qualitäten, die Wonderfalls hat.

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s