Kurz reingeschaut: The Duke Spirit in der "Werkstatt" in Köln

The Duke Spirit waren der Tipp eines Freunds aus Berlin. Und wer in der Wikipedia angepriesen wird als Band „with an affinity to the sound of early noise rock and grunge bands of the late 1980s and early 1990s such as My Bloody Valentine, Sonic Youth and the Pixies“, der verdient auch ungehört meinen Besuch.

Schwere Irritationen kamen allerdings auf, als ich den Eingang der Werkstatt erreichte, einer mir vorher offen gesprochen unbekannten, obwohl in der Nachbarschaft gelegenen Location: Ein fetter „Base“-Promo-Stand mit einem riesigen Stapel an Gästelistenkarten. Offensichtlich wird die Deutschland-Tour Duke Spirit von einem Telefontarif gesponsort, der seinen Kunden kostenlosen Eintritt ermöglicht. Will ich aber auf ein Konzert mit Besuchern, die vielleicht nur kommen, weil’s eben umsonst ist?

Ob’s auch daran liegt, dass das Publikum sehr wild gemischt ist? Von der BWL-Studentin bis zum Mathematiker, vom Don-King-Imitat zur Grufti-Frau, vom Punk zum Öko. Keine aktuelle oder untergegangene Jugenkultur, die an diesem Abend nicht mindestens einen Vertreter entsandt hätte. Seltsam.

Das Konzert beginnt aber mit einer positiven Überraschung: der Vorband. Die sagt zwar auf der Bühne ihren Namen nicht (Anfängerfehler…), obwohl sich die Besucher gegenseitig danach fragen. Meine knallharte Recherche ergibt aber, dass es sich um die noch plattenvertragslosen aber schon mehrfach prämierten Pink’s Not Red handelt, die eine extrem überzeugende Mischung aus Progressive Metal und den Arctic Monkeys spielen. Sehr treibend, gut performt und musikalisch vorgetragen. Die können wiederkommen!

Nach einer Umbaupause treten dann The Duke Spirit an, die nicht nur wegen ihrer markanten Frontfrau schon die neuen Blondie geheißen wurden, sondern an die auch der ein oder andere Song erinnert.

Tatsächlich aber sind The Duke Spirit breiter aufgestellt denn nur als Blondie-Rip-Off. Da sind tatsächlich Grunge-Harmonien, da ist manchmal mehr Metal als Punk, da sind Spuren von Garbage (aber ohne den Synthie-Quatsch). Und als völlig eigenes Element spürt man bei The Duke Spirit immer eine spannende Mischung aus Melancholie und Zorn.

Ein überzeugendes Konzert, das allerdings ein etwas unwürdiges Ende nimmt, weil die die Mietzuschauer nicht direkt nach der eigentlich verdienten Zugabe verlangen, und während derselben schon in größeren Mengen den kleinen Saal verlassen. Das haben The Duke Spirit nicht verdient. Ob die jetzt aber wirklich das große Ding sind, zu dem sie die notorisch ballistische englische Musikpresse mal wieder machen will? Ich weiß nicht. Aber hingehen und ihnen zuhören lohnt sich durchaus. Allerdings sind 19 € an der Abendkasse ein doch sehr stolzer Preis, den hier außerdem noch ausgerechnet die Leute bezahlen mussten, die für die Stimmung Verantwortung übernahmen.

The Duke Spirit

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