Kurz reingeschaut: "Dead Like Me"

Ich bin seit meinem Winterurlaub im delirierenden US-Serien-Fieber. Über „Wonderfalls“ bin ich auf „Dead Like Me“ gestoßen: Bryan Fuller war der Schöpfer beider Serien, auch wenn er bei Dead Like Me schon nach wenigen Folgen ausstieg und die Weiterentwicklung den Produzenten überließ. Geschadet hat es der Serie nicht, die, wie ich erst im Nachhinein feststellte, in Deutschland unter dem Titel „So gut wie tot“ im Wochenendnachmittagsprogramm von RTL2 versteckt wurde.

Georgia „George“ Lass ist ein 18-jähriges Slackermädchen: College-Dropout, bocklos, ständig im Clinch mit ihren Eltern. Sie bewirbt sich um einen Job in der Verwaltung der Zeitarbeitsfirma „Happy Time“ an. Ihren ersten Vormittag verbringt sie mit dem Sortieren von Akten im Keller, geht in die Mittagspause – und wird auf der Straße vom Toilettensitz einer abgestürzten, nicht vollständig in der Atmosphäre verglühten Raumstation erschlagen.

George ist tot, erfährt aber schnell, dass sie auserwählt ist, ein „Grim Reaper“ zu werden: ein Sensenmann also, Gevatter Tod. Klingt erst mal cool, bis sie erfährt, dass Grim Reaper keine besonderen Fähigkeiten haben, außer den Lebenden die Seele aus dem Leib ziehen zu können. Sie sind eigentlich ganz normale, nur „untote“ Menschen, die nicht durch Wände gehen, nicht fliegen oder Gedanken lesen können. Nur sterben können sie logischerweise nicht mehr und wenn sie sich verletzen, heilen sie in Sekunden wieder. Jeden Morgen trifft sich eine vierköpfige Crew von Grim Reapern im Diner „Der Waffel Haus“ (sic), wo sie von ihrem Boss Rube Sofer die Todesfälle des Tages auf gelben Post-Its bekommen. Die Reaper müssen dann los und den Todgeweihten die Seele aus dem Leib ziehen, bevor sie das Zeitliche segnen.

Die Tatsache, dass die Reaper dazu wie jeder Sterbliche den Bus nehmen müssen, sich zum Beispiel in Backstagebereiche schmuggeln oder in die Wildnis reisen müssen, führt natürlich genauso zu amüsanten Komplikationen wie die Tatsache, dass auf den Post-Its nur die Todeszeit, der Todesort, der Nachname und das Initial des Vornames des Sterbenden stehen. Die Reaper müssen sich ihre Kundschaft also erst mal suchen, was etwa auf einer belebten Plaza gar nicht mal einfach sein muss.

Wenn man die etwas absurde Story (mit ihren offensichtlichen Lücken) einfach mal als gegeben hinnimmt, dann ist das Wichtigste an „Dead Like Me“ nicht die ohnehin meist spärliche Handlung. Viel interessanter und packender ist die melancholische, oft sogar tief traurige Grundhaltung der Serie. Wirklich glücklich und gelassen sind in der Regel nur die Toten, sie sind erlöst. Die Lebenden laufen im Hamsterrad, und die Reaper sind verdammt, jahrzehntelang ihren unbezahlten Dienst zu tun, um irgendwann auch selbst sterben zu dürfen.

Selten habe ich eine TV-Serie gesehen, der Grundton so herzzerreißend deprimiert ist.

Dieser Ton wird dabei zauberhaft kontrastiert von schlagfertigen, schnellen Dialogen und den immer leicht überzeichneten Charakteren, die aber nur manchmal wirklich komödiantisch werden. Die Serie gewinnt durch diese Ambivalenz große emotionale Tiefe und rührt den Zuschauer oft auf eine grundehrliche, völlig unkitschige Art.

Es gibt nicht viele Serien, die mir so schnell wirklich ans Herz gewachsen sind wie „Dead Like Me“. Sehr sehenswert! Nach zwei Staffeln wurde die Serie leider nicht mehr fortgesetzt, im Februar erscheint ein Film auf DVD.

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