Kurz reingeschaut: Die Kaiser Chiefs in der Live Music Hall in Köln

Ich hätt’s eigentlich wissen müssen. Genaugenommen wusste ich’s auch, hatte es aber bis gestern Abend um ca. 21:05 Uhr verdrängt, weil ich mir den Abend nicht von vornherein vermiesen wollte. Die Kaiser Chiefs sind zu 90% langweiliger Mainstream. Fast schon ein One-Hit-Wonder.

Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich mit auf’s Konzert wollte. Angesichts der Tatsache, dass der Auftritt im Palladium stattfinden sollte, fiel es mir leicht, abzusagen: Das Palladium steht auf meiner schwarzen Liste von Konzertlocations. Als sich dann herausstellte, dass die Kollegen Musiker oder Promoter die Popularität der Band wohl deutlich überschätzt hatten, wurde das Konzert in die gerade mal halb so große Live Music Hall verlegt – womit meine kleine Ausrede hinfällig wurde. Klassiker.

Ein weiterer Moment des Zögerns kam, als die Dame an der Theaterkasse Rudolfplatz von mir 30 € verlangte – und zwar pro Ticket. Dafür würde die Band schon was bieten müssen, nahm ich mir vor.

Gestern also war’s dann soweit, und alle meine Befürchtungen wurden sofort bestätigt: Die Kaiser Chiefs kamen ohne ein Wort auf die Bühne und spielten zwei mittelmäßige Songs, irgendwie wirkte das etwas unpersönlich, zu „professionell“. Der Sound war extrem belanglos abgemischt, hatte weder Druck noch Höhen, der Bass war verwaschen; und nur mit Mitten kriegt man halt keinen Punch hin.

Zudem war Sänger Ricky Wilson ziemlich heiser: zwar so gerade noch diesseits der Grenze, jenseits derer ich mein Geld zurück verlangt hätte, vom Gesang konnte man aber an diesem Abend auch keine Überzeugungskraft erwarten. Dann irgendwann natürlich das unvermeidliche „Ruby“, bei dem ich den Eindruck hatte, dass es Besucher gab, die alleine darauf gewartet hatten, während alle anderen genau diesen Song am liebsten ausgespart hätten.

Erst bei der Zugabe kam ein kleines bisschen echte Stimmung auf, als Ricky Wilson das Mikro im hohen Bogen ins Publikum warf, wo fröhlich weitergesungen wurde. Er selbst stagedivte dann hinterher, eroberte das Gerät zurück und surfte, auf Händen getragen, zurück auf die Bühne.

Nach 75 Minuten war dann inklusive kurzer Zugabe schon Schluss.

Wenigstens der gestern sehr coole DJ in den Hängenden Gärten, die wir anschließend aufsuchten, konnte mir den musikalisch ansonsten durchweg mittelmäßigen Abend versüßen, legte ein paar alte Funk-, Jazz- und HipHop-Schätzchen auf.

Am Ende: Kein verlorener Abend, aber ein zu teuer bezahlter.

P.S.: Patrick von der Affenkoppzentrale hat das gleiche gesehen wie ich, bewertet’s aber positiver. Nur in Sachen Belanglosigkeit sind wir uns einig.

The Kaiser Chiefs

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9 Gedanken zu “Kurz reingeschaut: Die Kaiser Chiefs in der Live Music Hall in Köln

  1. Ok, der grösste Unterschied zwischen uns beiden ist wohl, dass du die Kaise Chiefs eigentlich garnicht magst ;).

    Wie gesagt, ich fand’s gut, aber richtig überragend war es natürlich nicht.

  2. luba1977 schreibt:

    Das Publikum war absolut lasch. An den Chiefs war nichts auszusetzen, die haben mir leid getan, weil das Publikum so beschissen war.

    Wenn man schon vorher „befürchtet“, dass man die Band nicht gut findet, sollte man sich vielleicht das Geld sparen und den anderen ihren Spaß lassen.

    Dann haben auch Band und Fans was vom Konzert und müssen sich keine Leute anschauen, die mit verschränkten Armen höchstens mal leicht mit der Zehenspitze wippen… Sorry, aber wenn ich eine Band nicht mag, bleibe ich DAHEIM ;-)

  3. @luba1977: Soll jetzt nicht platt klingen, aber vielleicht bekommt eine Band auch das Publikum, das sie verdient? Ich selbst war schon bereit, mich zu amüsieren und von den Kaiser Chiefs überzeugen zu lassen, das aber haben sie und ich nur sehr punktuell geschafft. (Ja, meine Grundhaltung war skeptisch, aber meine Ohren waren trotzdem offen und neugierig!)

    Im übrigen war die Live Music Hall keinesweg lange ausverkauft (ich selbst habe am Montag noch Tickets bekommen), so dass also nicht etwa unvoreingenommene Besucher den Hardcore-Fans die Karten weggeschnappt hätten.

    Und das meine ich mit den Zuschauern, die so eine Band verdient: Wenn du die große Kohle machen willst, weil du mal einen Hit hattest, dann das Palladium buchst (!) und irgendwann in die LMH wechselst, da aber immer noch zu viele One-Hit-Wondern-Gucker sind, dann hast du dich offensichtlich einfach überschätzt.

    Nächstes Mal sollten die Kaiser Cheifs im Luxor spielen. Da ist die Stimmung immer besser, und in diesem speziellen Fall wohl sowieso, weil sich eben nur die „echten Fans“ rechtzeitig Karten besorgen werden.

  4. aimee81 schreibt:

    @ surfguard:
    Was ist denn das für ein komischer Bericht???
    Erst schreibst du, du bist bereit dich zu amüsieren. In einem anderen Satz schreibst du „alle meine Befürchtungen wurden sofort bestätigt“. …
    Wenn man sich nicht sicher ist, ob die Musik gefällt, kauft man auch nicht für 30,-€ ein Ticket (erst Recht nicht, wenn man eine „Befürchtung“ hat, dass es nicht gut wird).
    Ich persönlich finde es toll, dass der Sänger Ricky Wilson das Konzert trotz Krankheit durchgezogen hat: Immerhin haben sich die Fans auf den Abend gefreut!

    In den hängenden Gärten lief also Funk, Jazz und HipHop. Das hat mit der Musik der KC nicht wirklich viel zu tun.
    Mir hätte es da bestimmt nicht gefallen. Genau wie dir auf dem Konzert. Nur wäre ich da niemals hingegangen. Dann müsste ich mich auch nicht aufregen und die hinterher Band schlecht machen.

  5. @aimee81 Befürchtungen zu haben, aber trotzdem guten WIllens zu sein, das ist doch kein Widerspruch? Und ich wollte dir nicht Funk empfehlen, sondern den bloß als Beispiel von Musik hinstellen, die einfach immer funktiomiert.

    Im übrigen haben sich bei diesem Konzert auch einige KC-Fans beklagt, dass sie mit der Show und dem Mitgehen des Publikums nicht zufrieden waren.

    Aber wenn du es gut fandest, dann hab ich doch nichts dagegen.

  6. aimee81 schreibt:

    @ surfguard

    Na ja, bei mir funktioniert das Beispiel aber nicht. ;)
    Geschmäcker sind verschieden.

    Also wenn ich mir nicht sicher bin, ob mir das überhaupt gefallen könnte, lass ich es spätestens dann, wenn ich 30,- € ausgeben muss.
    Dann muss ich mich auch hinterher nicht ärgern und alles schlechtmachen.

    Jedenfalls werden wir beide uns wohl auf keinem Musikevent sehen. ;)

    Dir trotzdem noch eine schöne Nacht.

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