Kurz reingeschaut: "Der seltsame Fall des Benjamin Button"

Komischer FIlm. Von Freunden hatte ich gehört, dass schon nach drei Minuten die ersten Teile des Weibsvolks schluchzend im Kinosessel hängen sollen. Ich bitte euch!?! Ich bin wirklich empfänglich für Emotionen aller Art und nah am Wasser gebaut. Aber zu keiner Sekunde kam es mir in den Tränenkanal, wegen der Figur einer alten Frau zu heulen, die im Sterben liegt, mit der man aber noch keine irgendwie geartete Beziehung aufbauen konnte. Mitgefühl ist doch keine 5-Minuten-Terrine!

Lag es also daran, dass ich nach drei Minuten schon ein bisschen enttäuscht war, dass ich auch den Rest des Films wenig mitreißend fand? Lag’s vielleicht an den Psychopathen, die mit mir im Kino saßen (siehe in diesem Artikel)?

Vielleicht lag’s aber doch auch daran, dass „Benjamin Button“ eine Spannungskurve hat, die sich in etwa mit dem Höhenprofil von Holland deckt. Positiv könnte man auch sagen: Ein Film wie ein langer, ruhiger Fluss. Aber ohne Wasserfälle. Da passiert irgendwie nix, was einen wirklich mitreißt. Immer ein bisschen, nie mal viel oder auch mal nichts. Okay, mal wird ein U-Boot in die Luft gejagt, aber auch so eine Szene kommt nicht über das Niveau eines Tisch-Feuerwerks hinaus: Spaktakulär, aber nicht anrührend.

Die wenigen Szenen, die echte Höhepunkte hätten sein können: etwa wenn Benjamin seine alte Liebe wiedertrifft, oder wenn er mit dieser Liebe im gleichen Alter ist, oder wenn er seine Familie verlässt – all diese Szenen sind sehr beiläufig erzählt.

Vielleicht besteht das Problem des Films auch aus dem Kunstgriff, dass die Geschichte am Sterbebett der alten Dame vorgelesen und kapitelweise, in ihre Stimme überblendend auch in Bildern erzählt wird. Nach jedem kleinen Höhepunkt kommt sofort wieder die Vorleserin ins Bild und verhindert, dass ein Moment einfach mal wirken kann.

Unterm Strich: Solide Unterhaltung, trotz 166 Minuten Laufzeit nicht langweilig, aber ganz bestimmt kein Meisterwerk. Popcorn nicht vergessen.

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