Vom Guten, Schönen, Wahren

Es gibt ja so Momente, da weißt du schon nach wenigen Sekunden, dass du einen Fehler gemacht hast. Gestern, um 18:46 Uhr, hatte ich so einen Moment.

Auf dem Körnerstraßen-Weihnachtsfest hatte ich an einem Stand zwei Motive von knipsundco erstanden. Anschließend war ich im „Sehnsucht“ noch einen Kaffee trinken gegangen, hatte dort zufällig einen Kollegen getroffen und ihm meine neuen Bilder gezeigt. Der Kollege meinte, er wohne gegenüber dem „Sehnsucht“ und kenne den kleinen Laden, der unten in seinem Haus beheimatet sei und der genau diese Fotos vertreibe, bei dem müsse ich sie bestimmt erstanden haben: gemischtwaren.com. (Witzigerweise hate ich über Freunde von Büro für Brauchbarkeit vor Jahren schon mal von diesem Laden gehört, war aber nie dort gewesen, nur staunend vorbeigelaufen.)

Dieser Tage nun wollten wir im Büro einem nach Berlin ausgewanderten Kollegen als Abschiedsgeschenk noch ein knipsundco-Motiv (das Reissdorfmännchen) schenke. Und auch ich selbst dachte, dass mein kleines Bilderensemble zur Vollständigkeit noch ein oder zwei weitere Motive gebrauchen könne, je nach Format.

Also ich gestern zum Gemischtwaren-Laden, Thor Zimmermann, der Besitzer, schließt mir die Tür auf (der Raum ist nur etwa 9 qm groß), ich hinein und sage fröhlich: „Hallo, du führst doch die knipsundco-Fotos, richtig?“ Genau da war es 18:46 Uhr.

Thors Miene verzog sich schlagartig zu einem gequälten Lächeln (auch außerhalb dieses Kontextes ein Moment aus der Serie: Situationen, die Sie nie erleben wollten): Nicht ganz, meinte er, und erzählte mir die Geschichte. Tatsächlich habe nämlich er die Idee mit den nüchtern-realistischen,  typischen, rahmenlos auf Holz aufgezogenen, kleinformatigen Köln-Fotos gehabt – während knipsundco sich dieser Idee, sagen wir mal: bemächtigt, sie kommerziell interpretiert und erfolgreich ausgeschlachtet habe. Der kurze Exkurs, den die Unterhaltung im Folgenden ins Patentrecht machte, endete schnell: Fotos von Köln darf jeder machen, sie rahmenlos auf Holz aufziehen auch.

Etwas ärgerlicher war Thor schon darüber, dass seine Köln-Stadteil-Postkarten, mit stilistisch ähnlichen Motiven, von einem Verlag für einen Kalender angefragt worden waren. Sein Angebot sei aber abgelehnt worden, woraufhin ein anderer Fotograf die Motive angeblich ziemlich identisch nachgeknipst und für einen günstigeren Tarif verkauft habe.

Nun, die Geschichte eines ausgebeuteten Künstlers kann man natürlich nicht hören, ohne ihn zu unterstützen. Aber keineswegs nur deswegen, sondern nun auch im stolzen Bewusstsein, Originale zu besitzen, die im Gegensatz zu knipsundco auch nummeriert und handsigniert sind, erstand ich dann die beiden Motive „Geldernstraße“ und „Poller Wiesen“.

Nur für den Berlinauswanderer werde ich noch einmal nach Nippes, zur knipsundco-Niederlassung pilgern müssen. Dem hatten die Kollegen nämlich gegen meinen Rat das Motiv „Reissdorfmännchen“ ausgesucht, weil es auf oberflächlicher Ebene das offensichtlich kölscheste ist. Man erkennt es, auch wenn man nicht weiß, dass es sich um Köln handelt, weil’s nämlich draufsteht.

Euch alle aber, die ihr aufrechte Kunst- und Krempelfans seid, kann ich dagegen nur auffordern, gemischtwaren.com zu besuchen, euch in der großen Auswahl von Kunst, Lesestoff, Einrichtungskram, Tee, DVDs und mehr umzusehen und den sehr sympathischen Thor Zimmermann zu unterstützen!

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