Jesus rettet, aber er gibt keine Kredite

Ich bin sauer. Vor zwei Wochen habe ich meinen alten Rechner über Ebay versteigert. Der Martkwert lag bei rund 200 €, der Zuschlag erfolgte bei 242,01 €. Der Höchstbietende hatte sich fast über die komplette Auktionszeit an de Spitze gehalten, schon bei einem Zwischenstand von 50 € lag er vorne. Der wollte die Kiste also wirklich!

Am 02.02., dem Tag nach der Auktion, erhielt ich von ihm die folgende Mail auf meinen Vorschlag, ob wir die Übergabe nicht persönlich durchführen sollten, zumal wir nur vier Straßenbahnstation und ein paar Meter Fußweg auseinander wohnen:

Salut,

oui, très bien, Dein Vorschlag ist genau das, was mir vorschwebt: ich möchte den Rechner persönlich abholen kommen und dabei in bar bezahlen.

Im Moment bin ich auf Dienstreise in Münster und Bochum, in den nächsten Tagen melde ich ich nochmal, wann ich die Zeitfenster für das Abholen habe. Momentan habe ich nicht die Zeit, genauer zu planen. Aber in ca. 2 – 3 Tagen maile ich Dir genauere Infos zu.

Vielen Dank für Deine mail. – Bis voraussichtlich Donnerstag abend kann ich schonmal nicht kommen, am Fr nur vor 13 Uhr bzw. am Abend. Evtl. kann ich am Fr kommen. – Sa und So bin ich auf einem Wochenende für Jesus.

Herzliche Grüße

Bis bald
[Name]

„Salut, oui très bien“??? Kam mir schon mal ein bisschen affektiert vor, aber was soll’s. Der Hinweis auf das „Wochenende für Jesus“ war dagegen schon mehr so ein WTF-Moment: Ist mir ja sehr recht, wenn jemand sein Wochenende Jesus widmet. Aber warum bekam ich das in diesem Zusammenhang mitgeteilt?

Jedenfalls dachte ich mir: Ein guter Christ wird hoffentlich auch ein ehrlicher Geschäftspartner. Haste mal gedacht.

Über die vergangenen zwei Wochen schrieb ich dem Kollegen sechs Mails. Ich mailte ihm, dass mir der vorgeschlagene Freitag abend letzter Woche durchaus recht sei: Keine Antwort. Ich mailte ihm, dass Montag bis Mittwoch dieser Woche eigentlich alle geeignet wäre: keine Antwort. Ich fragte nach, ob er überhaupt noch da sei oder ob ihm was Schlimmes zugestoßen sei: keine Antwort.

Schließlich mailte ich ihm am Freitag, dass ich am Montag, also zwei Wochen nach Auktionsende, Ebay melden werde, dass er die Transaktion offensichtlich nicht durchführen wolle. Daraufhin bekam ich gestern diese Mail:

Hallo [surfguard],

mein Vater hat mir vor zwei Monaten ernsthaft versprochen, mir 2000 Euro zu geben (vorweggenommene Erbschaft). Jetzt hat er mir vor zwei Tagen gesagt, daß er das Geld für einen anderen Zweck braucht.

Das bedeutet, daß ich Deinen Computer nicht bezahlen kann.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Das war’s. Kein „schuldigung“, kein „danke für deine Geduld“, nix. Einfach nur: Ich kann nicht zahlen, weil ich den Rechner von Geld gekauft habe, das ich noch gar nicht besaß. Passt irgendwie alles zu meiner Theorie, dass die Menschen heutzutage immer weniger an andere denken. Jedenfalls aber ist klar, dass dem Sportsfreund nicht klar ist, dass ich meine Kohle einfach einklagen könnte, schließlich haben wir einen gültigen Kaufvertrag zu marktüblichen (jedenfalls nicht überhöhten) Konditionen geschlossen. Ich würde mich auch auf Ratenzahlungen von 50 € pro Monat einlassen…

Aber das Ärgerlichste: Seit der Änderung der Bewertungsregeln bei Ebay kann ich als Verkäufer dem Kollegen noch nicht mal mehr eine negative Bewertung reinhauen. WARUM?

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