Alle Krähen unter einer Decke

Die Hoffenheimer Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Janker haben eine Doping-Kontrolle nach dem Spiel in Gladbach verpasst. Sie sind, anstatt dem Kontrolleur zu folgen, erst mal in eine Mannschaftsbesprechung gegangen und zur Doping-Kontrolle mit 10 Minuten Verspätung erschienen.

Dafür sieht das Regelwerk eine Strafe von einem Jahr vor. Auch mir kommt das etwas hart vor, allerdings sind die Regeln bekannt und man darf von einem Bundesliga-Profi erwarten, dass er sie kennt und vor allem befolgt.

Wirklich unsäglich wirkt auf mich aber, wie DFB, DSF und Premiere diese Angelegenheit kommentieren. Der DFB ermittelt zwar, aber sein Justiziar und Vorsitzender der Anti-Doping-Komission des DFB äußert sich schon mal öffentlich im Sinne der Angeklagten. Im Premiere-Studio forderten gestern Stefan Effenberg und der sonst von mir hoch geschätzte Jan Henkel von den Gladbachern „Solidarität“. (Danke an axeljohan für den Hinweis, dass es nicht Dieter Nickles war. An Henkel hätte ich im Rückblick gar nicht gedacht, sowas hätte ich ihm einfach nicht zugetraut.)

Dem Fass den Boden schlug dann gerade Jörg Wontorra im DSF-„Doppelpass“ aus: Nach kurzer Diskussion, in der ein Gast sogar erläuterte, dass Mediziner meinen, dass man auch in kurzen Zeiträumen Dopingergebnisse verfälschen könne und dass sich so die Regel erkläre, schloss Wontorra mit der Bemerkung: Gladbach solle nicht protestieren, schließlich seien die beiden Dopingtests ja negativ gewesen und die beiden Spieler somit „nachweislich“ ungedopt.

Wie? NATÜRLICH waren die Tests negativ! Denn falls die beiden Spieler tatsächlich in den 10 Minuten ein Dopingmittel verschleiern wollten, dann ja eben, um einen negativen Test zu erzielen.

Es ist widerlich, mit anzusehen, wie Premiere, DSF und (vorläufig mit Abstrichen, immerhin wird noch ermittelt) auch der DFB hier ganz offensichtlich mit schlichtesten, rabulistischen und demagogischen Mitteln ihr schönes Produkt Bundesliga retten wollen.

Man kann gerne eine Diskussion darüber führen, ob eine kurze Verspätung bei der Doping-Kontrolle eine lange Strafe nach sich ziehen sollte. Man könnte diese Diskussion aber auch mit Argumenten führen, die in der Sache tragen, und die nicht nur eine Solidarität mit Doping-Verdächtigen einfordern

Im Rückblick muss man der ARD ja fast dankbar sein, dass sie nicht öffentlich Solidarität mit Jan Ullrich einforderte.

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2 Gedanken zu “Alle Krähen unter einer Decke

  1. axeljohan schreibt:

    gestern im Premiere-Studio war es Jan Henkel, von dem ich bisher eine hohe journalistische Meinung hatte, der den unsäglichen Quatsch von wegen Solidarität zum besten gab.

  2. Ich bin ja schon wegen dieser unsäglichen Berichterstattung jetzt dafür, dass Gladbach Einspruch einlegt gegen die Wertung des Spiels. Anti-Doping-Regeln sind dazu da, eingehalten zu werden, Verstösse dagegen werden als Doping gewertet, also hat Hoffenheim mit zwei nominell gedopten Spielern gespielt. Dementsprechend wäre ein Punktabzug für Hoffenheim und die Wertung des Spiels als Sieg für Gladbach die richtige Entscheidung, denn dann merken die Verantwortlichen in den Vereinen auch mal, wozu solche Regeln da sind – die Spieler selbst sehe ich da eher als unschuldig an, eher ist es Ralf Rangnick bzw. sein Trainerstab, der hier wohl die Verantwortung trägt.

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