Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 1-2 (0-2)

Wer weiß, wie es mir heute ginge, wenn gestern nicht Stephan Glaser und Daniel Blankenheim verletzt gewesen wären und die Fortuna vielleicht gepunktet hätte? So wurde neben meinen Abwehrkräften auch noch meine Moral geschwächt, und ich kränkele heute mit dem Laptop auf den Knien im Bett vor mich hin. Ich bitte also darum, mir vielleicht ein paar mehr Tippfehler als sonst zu verzeihen.

Über das erste Rückrundenspiel der Fortuna zu berichten, muss aber natürlich trotzdem heilige Pflicht sein. Schließlich waren in diesem Jahr schon geschlagene sechs Spiele ausgefallen: Fünf Rückrundenspiele und das Nachholspiel gegen Dattenfeld. Das Match gegen die Alemannia war nun schon eines der zahlreichen Nachholspiele, die der Fortuna ins Haus stehen. Der Rasen im Südstadion stand gestern also unter besonderer Beobachtung, schließlich war sein Zustand der Grund für die Heimspiel-Absagen gewesen. Am Ende muss man sagen: Die Wiese war okay bespielbar, auch wenn ein Greenkeeper aus Wimbledon das anders sehen würde. Hier und da holperte es schon mal, größere Katastrophen blieben aus, insgesamt war das Feld gut bespielbar. Auch nach der Partie waren nur die normalen Spuren eines Oberliga-Spiels zu erkennen, keine allzu großen Schäden. Mit einem bisschen Ruhe (Naja, am Wochenende kommt Leverkusen II zu ihrem zweiten aus der BayArena ausgelagerten Heimspiel…) und ordentlichem Wetter müsste sich das Geläuf wohl wieder erholen, auch wenn es in dieser Saison keine Flokati-Qualität mehr erreichen wird.

Hamdi Dahmani

Nun aber endlich zur Sache: Fußball! Die Fortuna ging mit großen Personalproblemen ins Spiel. Besonders schwer wog der Ausfall der Kreativabteilung: Stephan Glaser und Daniel Blankenheim (Grippe) waren nicht verfügbar. Ioannis Foukis, wenn auch nicht Stammspieler so doch eine wichtige Option für die linke Seite, fällt nach einem Kreuzbandriss länger aus, Ramin Waraghai ist ebenfalls verletzt und noch nicht mal im Lauftraining, Andy Moog hat Rücken. Schlussendlich hatte Trainer Matthias Mink noch Cedric Mimbala aus disziplinarischen Gründen suspendieren müssen, was die Mannschaft rein sportlich betrachtet auch nicht stärkte. (Löblich übrigens, dass Cedric sich trotz des Trubels um ihn gestern auf der Tribüne blicken ließ!) Aber wie sagt man als Co-Trainer dann immer: Können halt mal die von der Bank zeigen, warum sie sonst auf ihren Einsatz drängen.

So ging die Fortuna im Endeffekt also mit dieser Aufstellung ins Spiel: Möllering – Gran, Schroden, Jagusch, Malsch – Dahmani, Hoffmann, Beckers (46. Halili), Maaßen (80. Podlas) – Kruth (46. Bably), Stasiulewski. Wenn ich das richtig gesehen habe ein 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern. Daniel Maaßen ersetzte Stephan Glaser auf dem rechten Flügel, dafür nahm Jan Malsch seine Abwehrposition ein. Ersatzkapitän Frank Schroden rückte, wie schon mehrfach in der Saison geübt, in die Innenverteidigung.

Spielerkreis vor dem Anpfiff

Es begann schlecht. Die Fortuna fand in der ersten Halbzeit nie ins Spiel, der Ausfall von Blankenheim und Glaser machte sich sehr schmerzhaft bemerkbar, denn nach vorne ging wenig, hatte das Spiel keine Struktur. Und dennoch hätte Stasi sein Team in Führung schießen können, als er nach feinem Steilpass durch die aufgerückte Aachener Abwehr völlig frei auf den Torwart zulief und erschreckend deutlich verzog. (Im DFC-Forum wird über einen Maulwurf Platzfehler gemutmaßt, der den Ball kurz vor dem Schuss verspringen ließ.)

Das war’s dann aber auch erst mal mit der Herrlichkeit, in der Folge hatte in einem zerfahrenen Spiel nur Aachen Chancen. Und was für welche. Gleich mehrfach hätten die Amateure in Führung gehen müssen, bis es in der 14. Minute so weit war: Tibor Heber netzte ein.

Die Fortuna bemühte sich zwar um eine Reaktion, spielte engagierter nach vorne, aber nur um den Preis von immer gefährlicher werdenden Aachener Kontern. Ich hoffte nur noch, dass man mit dem 0-1 wenigstens in die Pause kommen würde, was aber nicht gelang. Erst konnte Käptn Frank noch einmal den Ball von der Torlinie schlagen, kurz darauf aber bekam die Fortuna den Ball nicht aus dem Strafraum, und ein Schuss von wiederum Tibor Heber wurde von einem am Boden liegenden Fortunen endgültig unhaltbar ins eigene Netz abgefälscht.

0-2 also zur Pause, ein leider den gezeigten Fähigkeiten entsprechendes Ergebnis, auch wenn der Aachener Keeper noch einen Kopfball von Kevin Kruth nach schöner Flanke von Dahmani mit Mühe hatte abwehren müssen.

Mond überm Südstadion

In der zweiten Halbzeit ging dann der Mond über dem Südstadion auf, und endlich auch ein bischen der Stern des Kölner Südens. (Verzeihung.) Trainer Mink hatte zweimal gewechselt: Christian Beckers, ein Neuzugang aus der Winterpause, und Kevin Kruth verließen den Platz für Felix Bably und Ermir Halili. Ob es an diesen Umstellungen lag, mit denen Mink die Mittelfeldpräsenz der Fortuna verstärkte? Jedenfalls kam die Mannschaft besser ins Spiel, erarbeitete sich eine optische Überlegenheit, auch wenn die ganz großen Drangphasen und Torchancen ausblieben.

So blieb es dem insgesamt schlimmen, kleinlich pfeifenden und gockelhaft agierenden Schiedsrichter Cetin Sevinc vorbehalten, der Fortuna zum Anschlusstreffer zu verhelfen. Denn zur Überraschung aller Anwesenden im Stadion zeigte er in der 59. Minute auf den Punkt: Elfmeter für Fortuna. Hatte er ein Handspiel des einen Stasi-Schuss blockenden Aacheners gesehen? War da ein Foul an Stefan Hoffmann, der den Pass in den 16er gespielt hatte? Keine Ahnung (muss aber nicht heißen, dass da nichts war). [Update nach Betrachten des Videos vom Spiel bei deinfussballclub: War tatsächlich ein klarer Elfmeter. Stefan Hoffmann, der den Ball hatte Richtung Elfmeterpunkt zu Stasi passieren lassen, wird von einem Aachener umgesenst.]

Jedenfalls ließ sich Stefan Hoffmann die Chance nicht entgehen und verwandelte souverän.

In der letzten halben Stunde entwickelte sich dann ein offener Schlagabtausch beider Mannschaften, bei dem, wie zu Beginn des Spiels, die Fortuna die Spielanteile, Alemannia aber die Chancen auf ihrer Seite hatte. Die Konter waren brandgefährlich – allerdings nur bis zum Abschluss, bei dem die Grenzgebietler reihenweise und teilweise absurd versagten. Höhepunkt war eine Situation, bei der ein Aachener den Ball an der Strafraumgrenze stoppen und, nur einen Abwehrspieler auf Elfmeterpunkthöhe vor sich, in Ruhe Maß nehmen konnte. Er entschied sich für die Tor-des-Monats-Variante mit dem Außenrist, traf den Ball aber eher mit der Pike und pölte ihn im Ergebnis völlig unmotiviert ins Toraus.

Doch Schadenfreude war unangemessen, schließlich lag die Fortuna zurück und konnte keine allzu große Gefahr mehr vor dem Aachener Kasten heraufbeschwören, obwohl sogar Christopher Möllering mit nach vorne ging.

Möllering (in weiß) stürmt mit

Das Ende wartete noch mit zwei Knalleffekten auf. Zunächst gab es in 89. Minute einen Elfer für Aachen, den man wirklich nicht geben muss, den Möllering aber bravourös hielt. (War allerdings auch schwach und unplatziert geschossen.)

Bei der folgenden Ecke für Aachen stellte sich Stefan Hoffmann als Minimauer auf, der Linienrichter bemängelte seinen Abstand zur Eckfahne, Hoffmann deutete erregt auf die entsprechende Markierung an der Torauslinie, der Linienrichter hob sein Fähnchen, der Hauptschiedsrichter eilte herbei – zeigte Hoffmann die Rote und pfiff das Spiel sofort ab, obwohl noch kaum eine Minute nachgespielt worden war. (Schisser.) Übereinstimmenden Berichten von Zuschauern zufolge, die dem Geschehen näher standen, sollen die Worte „Da ist ne Linie, du Arschloch“ gefallen sein.

Rudel nach der roten Karte gegen Stefan Hoffmann

Kommen wir also zum Fazit, in dem ich, wenn die Schlussszene nicht gewesen wäre, Stefan Hoffmann endlich mal hätte loben können. Zwar gab es wieder den ein oder anderen bösen Ballverlust im Mittelfeld, aber wenn er sich aktiv ins Angriffsspiel mit einschaltete, verstand er es immer wieder, Gefahr herauf zu beschwören. In der Rückwärtsbewegung ist er sowieso verlässlich. Aber in der allerletzten Minute mit einer Schiedsrichterbeleidigung die ohnehin personell geschwächte Mannschaft voraussichtlich über mehrere Spiele weiter zu dezimieren ist kaum verzeihlich. Seine Erregung in der Situation ist verständlich, und vielleicht reagiert man in der zweiten griechischen Liga in so einer Situation auch immer mit einer Beleidigung. In der deutschen Oberliga gibt’s dafür aber Rot und hoffentlich eine fette Zahlung in die Mannschaftskasse.

Bester Spieler der Fortuna war ohne Zweifel Keeper Möllering, der gerade in der ersten Halbzeit die Fortuna mehrfach vor dem möglichen Zwei- oder Drei-Tore-Rückstand bewahrte. Der Rest des Teams blieb unter seinen Möglichkeiten, konnte den Ausfall der beiden Taktgeber nie wirklich kompensieren. Das ist verständlich, und wahrscheinlich steht schon am Wochenende Daniel Blankenheim wieder auf dem Platz. Wenn dann auch Dahmani, Stasi und Kruth wieder ihre Form finden, bin ich bereit, die erste Halbzeit als einen Start mit stotterndem Motor abzuhaken.

Am Ende muss ich aber den Aachenern ein Kompliment machen: Sie waren ein sehr starker Gegner, pressten geschickt und engagiert und hätten höher gewinnen können, wenn sie ihre Chancen nur ein bisschen besser verwertet hätten. Das 1-2 war doch letztlich ein leider gerechtes Ergebnis, insbesondere aufgrund der ersten Halbzeit. Man konnte erkennen, dass Aachen nicht umsonst weit vorne in der Tabelle steht.

P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr. Die Fotos von palimphoto auf Flickr.

P.P.S.: Ich lege den Laptop dann jetzt mal beiseite und widme mich dem Erholungsschlaf, begleitet vom Vormittagsprogramm von Phoenix.

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