Bubbleboyleser wissen mehr

Ich will ja nicht sagen: Hab ich doch gesagt. Andererseits hab ich halt: „Nur kein Bonus ist ein guter Bonus“.

Heute titelt die FAS auf der Wirtschaftsseite „Bonus malus est“ und bläst in exakt dasselbe Horn wie ich. Man beruft sich auf den Zürcher Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey. Erst einmal berichtet die FAS eine interessante Tatsache:

Pay for Performance nützt den Unternehmen. Manchmal. Das hat der amerikanische Wissenschaftler Edward Lazear nachgewiesen. Er zeigte, dass Arbeiter eines Glasunternehmens deutlich mehr Frontscheiben in Autos einsetzten, nachdem die Entlohnung von Stundenlohn auf Entlohnung nach Stückzahl verändert wurde. Der Ausstoß der Fabrik stieg um 44 Prozent. Doch ein entsprechender Nachweis, dass Leistungslöhne für Führungskräfte die Unternehmensgewinne oder den Firmenwert erhöht haben, fehlt trotz zahlloser Studien, bestätigt der renommierte Schweizer Ökonom Bruno Frey.

Eben. Burgerbrater kann man mit Incentives dazu bringen, dass sie mehr Burger braten. Dass dasselbe auch für Weißkragenarbeiter funktioniert, ist bislang eine Behauptung geblieben, die noch nicht mal plausibel ist, wenn man mal scharf hindenkt:

„Es ist eine seltsame Vorstellung, dass Leute nur etwas leisten, wenn sie dafür extra belohnt werden.“ Freys Argumente sind gut: Boni haben sich als „asymmetrischer Risikoanreiz“ erwiesen, der es den Managern erlaubt, kurzfristige Gewinne zu ihren Gunsten auszunutzen, Verluste hingegen den Eigentümern, den Mitarbeitern und dem Staat aufzubürden. Zudem erhöhen Boni die Manipulationsgefahr. Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Leistungsentlohnung und der Häufigkeit von Bilanzskandalen in amerikanischen Unternehmen nachgewiesen.
(Hervorhebung von mir)

Sag ich doch. Und wenn ich sonst immer betone, dass Korrelation nicht Kausalität ist, so ist das hier ziemlich schnuppe. Denn ob Bilanzskandale von Incentives verursacht werden oder ob nur solche Unternehmen, bei denen überproportional oft Bilanzskandale entdeckt werden, Incentives zahlen, ist eigentlich irrelevant.

Und schließlich erkennt man auch im Wirtschaftsteil endlich den wichtigsten Zusammenhang:

„Wer Boni zahlt, lockt Leute an, denen es ums Geld geht. Wer feste Gehälter zahlt, lockt Leute an, denen es um die Arbeit geht“, sagt Frey.

Meine Worte.

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2 Gedanken zu “Bubbleboyleser wissen mehr

  1. das Problem bei der ganzen Sache ist, denke ich, die Bewertbarkeit der Arbeit. So eine Scheibe ist am Ende eingebaut, der Burger ist gebraten. Mehr Scheiben, mehr Autos, mehr Burger mehr zufriedenen Kunden. Ob die Umsatzsteigerung durch einen einzelnen Sales-Mitarbeiter der einfach jedem Kunden alles verkauft was ihm gerade auf den Tisch kommt wirklich nachhaltig dem Unternehmen nutzt, ist doch deutlich schwerer zu beurteilen.

    Eine einfache Zahl ist eben kein sonderlich gutes Kriterium um den Erfolg und den Wert eines Unternehmens zu messen. Das ist ja eh ein Problem in der ganzen Aktiengeschichte. Und auch Ziele die weit detailierter Gefasst sind, führen oft dazu, das Leute in Aktionismus verfallen (ein Beispiel wäre es, zur Erhöhung der Klickzahlen auf einer Website zwischen „Teaser“ und „Artikel“ noch eine „hier geht’s zum Artikel“-Seite einzubauen…nervt auf dauer sicherlich die Leser und es glaubt ja niemand ernsthaft, dass ich auf dieser „Zwischenseite“ dann auf einmal versträkt auf die Werbung achte)…

    Ein gebratener Burger ist ein gebratener Burger…only they call it „Le BigMac“.

  2. @steam0r Genau das sag ich ja. Im übrigen ist eine einzelne Zahl selbst für einfache Tätigkeiten ein schlechtes Bewertungsmerkmal, das habe ich im Text oben einfach mal übergangen. Es gibt nämlich das klassische Problem der „Dysfunktionalität“, das ich hier schon mal erläutert hatte: Management by Objectives: Ziele erreicht, Unternehmen pleite. Da werden die Ziele nur formal und um ihrer selbst Willen erreicht, dienen dann aber letztlich doch nicht dem Unternehmen.

    Es hat nämlich schon einen Grund, dass die Autos der asiatischen Hersteller qualitativ in der Regel sehr hochwertig sind. Die sehen den Arbeiter (wenigstens mit Hinblick auf den Produktionsprozess) als Menschen, nicht als Zahnrädchen und geben ihm Handlungsfreiheit statt Akkordvorgaben: http://de.wikipedia.org/wiki/Kaizen.

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