Kurz reingeschaut: "M.S. Adenauer" in der Halle Kalk

Schorsch Kamerum hat für das Kölner Schauspielhaus in der Halle Kalk ein eigenes Stück inszeniert: „M.S. Adenauer„. Eine Handlung gibt’s so direkt nicht, mehr eine Rahmenhandlung: Der Autohausbesitzer Günther Behrendt ist der schreckenerregende Tyrann seiner Familie, bestehend aus seiner Frau Ingrid, seiner Tochter Wiebke und seinem Sohn Stephan. Wiebke ist eine antikapitalistische Ökotante, die sich gerade hat sterilisieren lassen, weil sie keine Kinder in die Welt setzen will. Stephan ist ein vom Vater eingeschüchterter Jungspund. Frau Ingrid ist völlig verschreckt, ihr graut es sichtbar vor ihrem Mann, Gewalt liegt in der Luft. Nun steht der  50. Geburtstag des Despoten an, dessen Autohaus aber gerade in die Pleite schliddert.

Rund um dieses Szenario entwickelt Schorsch Kamerun eine bunte Nummernrevue aus teilweise grotesken Regieeinfällen, die sich irgendwie um das Thema Kapitalismuskrise ranken, obwohl sie doch thematisch eng an der Familie bleiben. Das ist immer unterhaltsam inszeniert, bleibt aber genauso oft ziellos. Die Familiensituation wird nämlich viel besser, bedrückender, glaubhafter und auch komischer inszeniert als das den Exkursen ins Weltpolitsche gelingt.

„M.S. Adenauer, die erste antiautoritäre Staatsoper“ ist letztlich konsequent die Methode der Goldenen Zitronen auf’s Theater übertragen: Auf einer ironisiert alltäglichen Sprache, dem Volk vom Munde abgelesen, (vgl.: 1, 2 und natürlich vor allem 3) die große politische Keule auspacken, die hier aber etwas wattig bleibt.

Als Familiendrama wäre „M.S. Adenauer“ letztlich besser gelungen gewesen. Dennoch sehenswert.

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