Kurz reingeschaut: Lyle Lovett im Theater am Tanzbrunnen, Köln

Das erste Kölner Konzert von Lyle Lovett überhaupt war das also, wie der Künstler selbst mehrfach betonte. Um so erstaunlicher, dass das Theater am Tanzbrunnen nicht ausverkauft war. Nur zu rund zwei Dritteln waren die Plätze gefüllt. Ob sich der Veranstalter bei den Preisen verkalkuliert hatte? Ich bin mir relativ sicher, nach der ersten Sichtung einer Werbung für das Konzert zu meinem Rechner gestürzt zu sein, um ein Ticket zu bestellen, nur um mich enttäuscht abzuwenden: bis zu 80 €, je nach Kategorie, waren mir dann jedenfalls noch mal eine Überlegung wert. Als einige Zeit später wieder die Frage aufkam, ob man das Event besuchen solle, waren die Tickets auf 38-55 € gefallen. Für den niedrigsten Preis schlugen wir dann zu – und wurden nicht enttäuscht.

In den USA ist Lyle Lovett ein respektabler Star, der seine Alben regelmäßig in den Top 10 der Country Charts platziert. Country ist in den USA sowieso eine größere Bewegung als hierzulande, und deswegen ist Lovett wohl so ziemlich jedem Amerikaner bekannt. Hierzulande kennt man ihn aber einscheinend eher als den Typen mit der schiefen Fresse, der Anfang der 90er in der „Bunten“ eine Weile neben Julia Roberts auf Roten Teppichen stand. Vielleicht noch aus seiner Nebenrolle in „Short Cuts“. Und warum sollte man für so einen 50 € ausgeben?

Weil er einfach ein unglaublicher Musiker ist. Es ist immer wieder frappierend, wenn man in ein Konzert geht und Jungs auf die Bühne kommen, denen man ihre Könnerschaft sofort anmerkt. Lovett trat mit seiner „Acoustic Group“ auf, bestehend aus ihm selbst, Gitarre/Mandoline, Bass, Schlagzeug und Cello. Das Setting ist denkbar schlicht: Die Combo steht, edel in schwarzen Anzügen, weißen Hemden und Krawatten, relativ dicht gedrängt auf der großen Bühne, beleuchtet von einfachem, aber effektvollem Licht.

Und sobald Lovett das erste Wort spricht, den ersten Ton spielt, liegt ein Zauber über der Halle, den man zunächst gar nicht so recht bemerkt. Erst am Ende, wenn zweieinhalb Stunden vornehmlich ruhiger Songs vorbei sind, fragt man sich, wieso man sich eigentlich keine Sekunde gelangweilt hat? Weil Lyle Lovett jeden Zuschauer in seinen Bann zieht, ohne irgendwelche Verrenkungen machen zu müssen, einfach nur mit der Kraft seiner Stimme, der Schönheit seiner Songs und der Perfektion seiner Band.

Lovett spielt alle seine kleinen Hits, bis auf „Closing Time“, für das Akkustikset mehr oder weniger umarrangiert. Und zu was er fähig ist, spürt auch der letzte Zuschauer bei der Zugabe. Da lässt Lovett seinen einzigen richtigen Hit („You Can’t Resist It“) von einem quasi Free-Jazz-Cello-Solo zersägen. Und am Ende singt er so leise, wie es die Anlage nur zulässt, North Dakota, dass die geschlossen nach vorne an die Bühne geströmten Zuschauer den Atem anhalten.

Ein großer Künstler, ein schönes Konzert, ein lohnenswerter Abend. Und ich kann sagen, ich sei beim ersten Kölnkonzert von Lyle Lovett dabei gewesen.

Lyle Lovett

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