It's the end of the NRW-Liga as we know it

Wer wissen will, wie man dem Fußball den Unterbau wegsprengt, der muss aktuell nur auf die NRW-Liga schauen. Die neue Liga, erst für diese Saison aus dem Zusammenschluss der alten Oberligen Nordrhein und Westfalen (Nordrhein + Westfalen = Nordrhein-Westfalen = NRW. Wahnsinn, oder?), steht wohl vor dem Aus.

Die Fakten:

  • Bereits vor dem Start wurden viele Vereine von den hohen Auflagen abgeschreckt: Fernsehgelder in fünfstelliger Höhe gestrichen, dafür aber Zwangsabgaben in gleicher Höhe eingeführt, außerdem sehr hohe Anforderungen an die Stadionsicherheit, die bei oft nicht mehr als zwei Dutzend Auswärtsfans pro Spiel vollständig lächerlich sind. Man muss sich klar machen, dass die Saison-Etats der Vereine in dieser Liga im Bereich sehr weniger hundertausend Euro liegen.
  • Im Januar zog dann der Staffelleiter eine erste Bilanz der neuen Liga und sprach von zu hohen Auflagen. Ach?
  • Die Liga ist extrem zerrissen: Gleich fünf Zweitmannschaften höherklassiger Teams (F95, Alemannia, Arminia, MSV, RWE) stehen fünf Traditionsmannschaften (Fortuna Köln, Bonner SC, Wattenscheid 09, Westfalia Herne, Sportfreunde Siegen) und verschiedene Dorfclubs (Velbert, Hüls, Schermbeck, Oestrich-Iserlohn u.a.) gegenüber.
  • Der Zuschauerschnitt ist schlecht. Die Traditionsmannschaften liegen an der Spitze der Zuschauertabelle, sie kommen immerhin noch auf knapp 1.000 Zuschauer pro Spiel. Am Ende der Tabelle: drei Zweitvertretungen. Zuschauerschnitt der Liga insgesamt: rund 500 Zuschauer pro Spiel.
  • Die ersten beiden Mannschaften sind inzwischen bereits wirtschaftlich abgestiegen: Schermbeck bekommt keine Lizenz mehr, Delbrück zieht sich zum Saisonende freiwillig zurück (steht aber auch ohnehin auf einem Abstiegsplatz).
  • Bei einigen Mannschaften, die oben in der Tabelle stehen, machen immer wieder Gerüchte die Runde, dass diese Teams keine Zulassung für die Regionalliga beantragen oder erhalten würden. Bei den Sportfreunden Siegen ist das sogar offiziell, sie sind schließlich auch gerade der Insolvenz von der Schippe gesprungen. Angesichts dieser Lage hatte sich sogar die Fortuna in der Winterpause entschlossen, Bewerbungsunterlagen für die Regionalliga abzugeben, obwohl man nur auf dem achten Tabellenplatz stand. Man hoffte, dass vielleicht auch ein vierter oder fünfter Platz für den Aufstieg genügen könnte.

Und was passiert nun aktuell in einer Liga, die von wirtschaftlichen Sorgen und von mangelndem Zuschauerinteresse geplagt wird? Einer der aktivsten und jedenfalls zweitzahlreichsten Fanszenen der Liga, eben derjenigen der Fortuna, soll für das Spiel am Ostermontag gegen die Sportfreunde Siegen, also gegen die Mannschaft mit den meisten Fans, verboten werden, die Südkurve so zu schmücken, wie das bereits bei den letzten Spielen der Fall war.

Noch mal: Der Liga geht’s Scheiße. Die zwei Mannschaften mit den meisten Fans treffen aufeinander. Die Fans geben sich irre Mühe, das Stadion für die voraussichtlich vielen Zuschauer (man strebt einen Liga-Rekord an) attraktiv zu machen. Und die Einsatzleitung will das verbieten.

Effektiver kann man eine Liga nicht zerstören, die zwei Etagen unter dem bezahlten Fußball nicht nur für Zuschauer attraktiv werden könnte, sondern die auch den Nachwuchs für die Profiligen ausbilden könnte, wenn man ihr denn ein bisschen Attraktivität zugestände. Eine Schande.

P.S.: Es geht allerdings immer noch dämlicher, wie ein Beispiel aus dem vermeintlichen Fußballfanwunderland England beweist: „Boro will eigene Fans zum Schweigen bringen: »Seid bitte ruhig!«“

Südkurve

Südkurve

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