Fortuna Köln – SF Siegen 0-0

Ein Spiel, das schnell zusammengefasst ist: Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen.

Die einzigen Fragen zur Aufstellung waren vor dem Spiel, ob Trainer Mink mit einem oder zwei Stürmern spielen würde (mit einem) und ob er auf der rechten Außenverteidigerposition Maaßen oder Malsch vertrauen würde (Malsch). Es liefen also vor 1.800 Zuschauern gegen die Sportfreunde Siegen auf: Möllering – Malsch, Mimbala, Schroden, Gran – Beckers, Hoffmann – Glaser, Blankenheim, Dahmani – Kruth. Die Aufstellung von Kevin Kruth als einziger Spitze war nach den letzten Spielen dagegen keine Überraschung mehr, in denen Kruth sich an Stasi vorbei zur Nummer Eins im Fortuna-Sturm geschossen hatte. Trainer Mink hatte bis vor kurzem immer betont, die Laufwege von Stasi passten besser zur Mannschaft. Die Tore sprachen allerdings für Kevin. Nach dem Spiel muss man sich fragen, ob Mink nicht doch recht hatte?

Auflaufen der Mannschaften

Das Spiel begann jedenfalls so flott wie chancenarm: Beide Mannschaften standen hinten sicher, beide Sturmreihen konnten mit den größtenteils lang nach vorne geschlagenen Bällen nicht viel anfangen. Das so entstehende Spiel konnte man zwar ertragen, weil es immerhin abwechslungsreich war, aber man hoffte spätestens nach 30 Minuten inständig auf den Treffer, der die Partie aufgelockert hätte. Lediglich zweimal hätte dieser Treffer in der ersten Halbzeit für die Fortuna fallen können. Relativ früh im Spiel verstolperte Stephan Glaser, nachdem er bei einem Konter schon frei in den Strafraum eingedrungen war, den Ball etwas anfängerhaft. Oder war’s ein Platzfehler? Die einzige andere gute Chance hatte der wieder gut aufspielende Christian Beckers, der den Ball nach einer leicht unfreiwilligen Kombination aus 18 Metern knapp und flach links am Tor vorbei schlenzte.

Pause.

Ioannis Foukis als Co-Kommentator von Radio 90elf.de
Ioannis Foukis zu Gast als Co-Kommentator von Webradio 90elf.de

Nach der Pause zog das Spiel deutlich an. Die Fortuna spielte wesentlich druckvoller gegen das Siegener Tor und kam zu guten Chancen, die aber allesamt verstolpert wurden: teils unglücklich, teils kläglich. Der negative Höhepunkt folgte auf eine flache Hereingabe von Stephan Glaser, der sich auf dem Flügel kampfstark durchgesetzt hatte. Kevin Kruth hätte aus rund 11 Metern den Ball nur irgendwie auf’s Tor bringen müssen, senste aber am Spielgerät vorbei, das ihm in Feiertagslaune neckisch durch die Beine hoppelte. Eine andere Chance, als er endlich mal mit kurzem Steilpass frei vor’s Tor gespielt worden war, vergab Kruth überhastet mit einem Kullerball neben den Pfosten, statt den Ball noch kurz anzunehmen, was locker drin gewesen wäre.

Siegen hatte ein paar kleinere Chancen, doch lediglich ein Kopfball stellte Christopher Möllering ernsthaft auf die Probe, als er den Ball mit einer Hand noch über die Latte lenken konnte.

Nachdem Trainer Mink endlich ausgewechselt hatte (Stasi, Podlas und Bably für Kruth, Glaser und Blankenheim), fiel David Podlas die letzte Chance für die Fortuna auf den Fuß, aber auch er drosch den Ball weit über’s Siegener Tor. Ein unnötiges Rudel unmittelbar vor dem Schlusspfiff kostete die Fortuna dann die letzten Sekunden, in denen sie den Sieg vielleicht noch hätte erzwingen können.

Aufregung kurz vor Spielende

Dieser Punktverlust war unnötig. Die Fortuna hatte den Gegner über 90 Minuten im Griff und erspielte sich genügend Chancen, um das Spiel mit etwas Glück sogar deutlich zu gewinnen. Doch zeigten Kruth, Dahmani und Glaser in der vordersten Spitze nicht die nötige Entschlossenheit, manchmal kam auch Pech hinzu. Dennoch: Dieses Spiel hätte gewonnen werden müssen.

Eine Einzelkritik:

  • Möllering: Wenig beschäftigt, wie üblich aber fehlerfrei wenn gefragt (bis auf einen zu flachen Abschlag).
  • Gran: Der Junge macht sich so langsam, starke Leistung nach hinten, noch zu wenige Impulse nach vorne.
  • Mimbala: Makellos, ein Turm mit Stellungsspiel.
  • Schroden: Ebenso gut wie Mimbala, umsichtig und entschlossen.
  • Malsch: In der ersten Halbzeit ein paar Mal zu leicht ausgespielt, fing sich aber in Halbzeit zwei.
  • Hoffmann: Heute wirklich gut, spielte sogar ein paar Mal nach vorne, kämpfte aber vor allem nach hinten mit Erfolg.
  • Beckers: Wieder ein sehr gutes Spiel, bringt merklich Zug in den Spielaufbau der Fortuna.
  • Dahmani: Das war heute aber mal gar nix. Konnte sich viel zu selten durchsetzen, und brachte dann keine guten Bälle.
  • Blankenheim: Leider kaum zu sehen, wurde in der ersten Hälfte aber auch ein paar Mal sehr hart (und nach seiner gerade kurierten Verletzung: gezielt?) abgegrätscht.
  • Glaser: Kampfstark, konnte aber viel zu selten nach vorne Impulse setzen und ist insgesamt noch nicht wieder der Mannschaftskopf, der er vor seiner Verletzung war.
  • Kruth: Ein Komplettausfall. Sprang nahezu an jedem hohen Ball vorbei, hatte im Strafraum nicht den richtigen Riecher und versiebte zwei Hundertrpozentige.
  • Stasi, Podlas, Bably: Standen nur kurz auf dem Feld (alle weniger als 15 Minuten), fielen aber auch nicht mehr groß auf.

Man muss sich fragen, ob die hohen Bälle auf Kruth das geeignete Mittel sind, um eine Abwehr zu knacken. Die kurzen Steilpässe, die sonst Stasi ersprintet, erzwingt Kruth weniger. Flache Bälle kurz abzulegen ist ohnehin nicht so sein Ding. Wenn er dann aber selbst die Bälle im Strafraum nicht macht, weil ihm vielleicht schon etwas die Kraft fehlt, hemmt er die Mannschaft mehr, als dass er ihr hilft. Als Joker, wenn er im Strafraum mit frischer Kraft in die Bälle spritzen und springen kann, ist er im Moment wahrscheinlich doch besser aufgehoben. Obwohl sein Potenzial, ein wirklich guter Oberligaspieler zu werden, definitiv zu sehen ist. Mit 23 hat er ja noch ein bisschen Zeit.

So bleibt am Ende nur noch zu berichten, dass die Fans das Kreativitätsverbot der Einsatzleitung mit Spruchbändern und Rauchbomben quittierten – und zwar sowohl die Fans der Fortuna, als auch die der Sportfreunde.

"Sicherheitswahn zerstört Fankultur"

"Eure Repressionen kotzen uns an!!!"

"Fans im Visier"

Rauchbomben wider den Sicherheitswahn

Rauchbomben wider den Sicherheitswahn

Ansonsten verlegte man sich in der Fortuna-Kurve auf übrigens sehr sympathische und stimmungsvolle Konfettibomben.

Fortuna-Fans

Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

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Ein Gedanke zu “Fortuna Köln – SF Siegen 0-0

  1. laflue schreibt:

    Sehr guter Bericht. Nach dem Spiel bin ich zu Hoffmann gegangen und habe ihm gesagt, dass er ja jetzt endlich auch mal ein gutes Spiel gemacht hat :-)
    Bei Kevin Kruth denke ich, dass er einfach ein Joker ist. Der lädt sich in den 70 Minuten auf der Bank richtig schön auf und kann dann immer mal wieder – siehe Wattenscheid – gute Impulse bringen und auch das eine oder andere Tor schießen. Dass Stasi eigentlich besser zu dem Spiel der Mansnchaft passt, finde ich auch. Er ist halt aufgrund der letzten Leistungen zur Zeit nur schwer vertretbar.

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