Bonner SC – Fortuna Köln 1-0 (0-0)

Tore lügen nicht. Gestern Abend sah ich das noch etwas anders, aber nach einer Mütze Schlaf muss man sagen, dass der SC Fortuna Köln gestern eine Niederlage erlitt, die zwar vermeidbar, aber nicht unverdient war. Wer siegen will, muss Tore schießen. Oder sich wenigstens Chancen herausarbeiten.

Diese Elf schickte Matthias Mink auf’s Feld des Sportparks Nord: Möllering – Malsch, Mimbala, Schroden, Gran – Hoffmann, Beckers – Glaser, Blankenheim, Dahmani – Kruth. Keine Überraschungen also, sondern never change a winning team. Die Diskussionen, ob Kevin Kruth der richtige für die Startformation ist und ob Jan Malsch überhaupt Daniel Maaßen vorzuziehen ist, wurden durch das Spiel allerdings nicht beruhigt.

Die Mannschaften

Nach dem Anpfiff gab’s allerdings erst mal Feuer – und zwar im Fortuna-Block: Ein einsames Bengalo erhellte die Decke des Tribünendach. Das war so stimmungsvoll wie dämlich, denn natürlich machten sich zwei Aushilfskommissare in grün sofort auf die Suche nach den Schuldigen, fanden sie und führten sie aus dem Block ab, in den sie aber (laut Fortuna-Forum) kurz darauf wieder zurückkehrten.

Eine zündende Idee?

Team Grün sucht die Schuldigen

Der sportliche Beginn der ersten Halbzeit war dagegen etwas verhaltener. Beide Mannschaften tasteten sich ab, und zwar buchstäblich, nämlich in vielen Zweikämpfen, die meist abgepfiffen wurden, aber selten wirklich unfair waren. Lediglich Cedric Mimbala fühlte sich gezielt attackiert und hatte immer wieder kleinere Probleme mit seinem rechten Fuß.

Die Fortuna machte insgesamt jedoch einen guten Eindruck und konnte die Bonner weitgehend in ihre Schranken weisen. Das wurde bestimmt auch dadurch erleichtert, dass der Bonner Goalgetter Ercan Aydogmus nicht auflaufen konnte. Doch über das gesamte Spiel hinweg machte das defensive Kölner Mittelfeld ein starkes Spiel, wenigstens in der Rückwärtsbewegung. Umso ärgerlicher war es, dass der wieder starke Christian Beckers nach einer halben Stunde mit einer Muskelverletzung (?) ausscheiden musste; für ihn rückte Frank Schroden ins Mittelfeld auf. Dessen Platz in der Innenverteidigung nahm kam der kürzlich genesene Sascha Jagusch ein, der sich um ein Haar bei einer seiner ersten Ballberührungen mit einem horrenden, halbhohen Rückpass unglücklich gemacht hätte und der auch in der Folge im Verteidigungszentrum mehr zuließ als zuvor Schroden.

In der letzten Viertelstunde der ersten Hälfte kam dann etwas mehr Schwung in die Partie: Auf beiden Seiten ergaben sich je zwei gute Torchancen, von denen die allergrößte der BSC hatte, als einer seiner Stürmer den Ball über das Tor drosch, auf halblinks rund 7 Meter vor dem Kasten völlig freistehend.

Das Unentschieden zur Pause war dennoch ein gerechtes Ergebnis, auch wenn ein 1-1 den Spielverlauf besser wiedergegeben hätte.

Tartan-Rastelli

Bonn wechselte zur Pause und brachte mit René Lewejohann einen Offensivmann. Das Spiel beider Teams blieb zunächst aber doch wieder im Mitelfeld stecken, und für gewissermaßen beide Spielrichtungen war die Fortuna verantwortlich. Denn die Angriffe der Bonner konnten von den aufmerksamen und kampfstarken Hoffmann, Schroden und Gran oft abgefangen werden. (Jan Malschs rechte Seite hingegen blieb über das gesamte Spiel hinweg die weiche Leiste der Fortuna-Defensive.)

Mit den in Serie gewonnenen Bällen wusste die Fortuna aber nichts anzufangen. Hier machte sich zum einen das Ausscheiden von Beckers schmerzlich bemerkbar. Aber auch das komplette offensive Mittelfeld konnte sich gegen die Bonner Abwehr nicht durchsetzen, was nicht nur an deren kompaktem Spiel lag, sondern auch an zahlreichen drucklosen Larifari-Pässen, insbesondere von Blankenheim und Dahmani. Glaser wühlte sich auf rechts gewohnt einsatzfreudig in seine Gegenspieler, konnte sich aber selten wirklich durchsetzen und spielte darüber hinaus auch einige schlimme Fehlpässe.

Kevin Kruth hing folglich in der Luft, rackerte zwar wie gewohnt, schaffte es aber auch nicht, sich zum Beispiel fallen zu lassen und als Doppelpasspartner anzubieten. Seine Auswechslung in der 66. für Stasiulewski war folgerichtig, allerdings machte es auch der von den Fans gefeierte Stasi nicht besser. Zu wenige Bälle kamen bei ihm an, und seine eigenen Pässe gerieten regelmäßig zu kurz.

So kam es, wie es kommen musste: Ein mal wieder unnötiger Fehlpass im Angriff der Fortuna, kurz darauf ein steiler Bonner Pass den rechen Flügel hinunter, Gran steht falsch, ein beherzter Sprint, ein schöner Flachpass vor’s Tor, Rennie hält den Fuß hin und der Ball schlägt in der 76. Minute mitten ins Tor zum 1-0 ein.

Trainer Mink reagierte sofort und brachte mit Podlas für Hoffmann mehr nominelle Offensive, allerdings verpuffte das Spiel des Südstadt-Poldis genau so, wie man es von seinen letzten Kurzeinsätzen gewohnt war, als wenn er sich nicht nur das Aussehen, sondern auch das aktuelle Spiel des „großen“ Poldis zum Vorbild genommen hätte.

In der letzten Viertelstunde kämpfte die Fortuna zwar bis zum buchstäblichen Umfallen, konnte aber während der gesamten zweiten Halbzeit keine einzige echte Torchance herausspielen.

Blankenheim, verkrampft

Am Ende hatte das Spiel mit dem Bonner SC also einen zwar leicht glücklichen, aber keineswegs unverdienten Sieger. So ist halt Fußball: Manchmal gewinnt die Mannschaft, die mehr Tore schießt. Kämpferisch ließ sich der Fortuna kein Vorwurf machen, spielerisch war die Leistung gestern aber mangelhaft. Mit nur einem bisschen mehr Zug im Spiel nach vorne wäre es sogar möglich gewesen, dem BSC die erste Heimniederlage der Saison beizubringen. Aber über zwei Saisonspiele gegen den BSC hinweg muss man zugestehen, dass deren Mannschaft einfach noch deutlich abgezockter ist als die der Fortuna.

Trotzdem bekamen die erschöpften Kölner Spieler von den rund 400 mitgereisten Fans nach dem Match den verdienten Dank, und sie dankten auch zurück, denn völlig zu Recht hatte die Gästekurve während des Spiels der schweigenden Bonner Mehrheit vorgehalten: „Ihr seid leiser als Fortuna Köln!“

Nach dem Schlusspfiff

Dank an die Fans

Beim Abmarsch aus dem Stadion scheint es dann leider noch zu üblen Szenen mit der Polizei gekommen zu sein: Fortuna-Forum: Polizei in Bonn. Als ich den Block rund 10 Minuten nach Spielende verließ, war alles noch völlig friedlich, während des Spiels sowieso, bis auf das harmlose Scharmützel wegen des Bengalos. Schon im Auto auf dem Weg zur A555 kamen mir allerdings zwei Streifenwagen mit überhöhter Geschwindigkeit entgegen, wenn auch ohne Blaulicht. Ein trauriges Ende für einen schönen Frühsommertag mit einem Spiel, das zwar nie hochklassig, aber jederzeit unterhaltsam war.

P.S.: Am Rande des Spiels war übrigens zu erfahren, dass Emanuel Merkle, eines der zwei einfachen Vorstandsmitglieder des SC Fortuna Köln neben Klaus Ulonska, nach üblem Streit im Vorstand zurück tritt. Dass Merkle mit manchen Entscheidungen im Verein schon in der Vergangenheit nicht zufrieden war, blieb kein Geheimnis. Was die Gründe für die jetzt offenbar erfolgte Eskalation waren, ist mir aber unbekannt.

Deutlich erfreulicher ist da schon die Nachricht, dass Daniel Blankenheim bei der Fortuna verlängert hat, sofern die Mitglieder von deinfussballclub.de seinem neuen Vertrag zustimmen!

P.P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel gibt’s bei Flickr.

Ticket

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