I hope we have a little bit lucky

Dieses Mal hatte ich mich im Vorfeld überhaupt nicht mit dem Eurovision Song Contest beschäftigt. Hauptsächlich, weil meine letzten Wochenenden mit Fußball, Konzerten und Vorlesungen ausgebucht waren und ich nicht die 3-4 Stunden Zeit fand, mich mit allen Beiträgen wertend auseinanderzusetzen. So setzte ich mich gestern also einfach mit Snacks und Starkbier vor die Glotze und wartete auf das, was da kam.

Und ich muss sagen: Das war der ausgeglichenste Eurovisions-Jahrgang seit langem, wenn auch nicht unbedingt der stärkste. In den vergangenen Jahren hatte es für meinen Geschmack mehr große Einzelhits gegeben, außer im letzten Jahr, als im wesentlichen Grütze am Start war.

Dieses Jahr konnte man allerdings eindrucksvoll beobachten, wie alle deutschen Verschwörungstheorien ins Leere liefen, weil der Song Contest schlicht und einfach von der Qualität und vom Zufall regiert wird.

Die ohnehin unglaubwürdige Theorie von der nicht zu schlagenden Abstimmungsverschwörung der Ostblockländer ist mit einem haushohen Sieger Norwegen, einem zweiten Platz von Island und vor allem mit dem fünften Platz für eine Lloyd-Webber-Schnulze, die schon vor 25 Jahren als traditionell gegolten hätte, hoffentlich ein für allemal widerlegt. Auch ein anderes Big-4-Land hatte mit einer getragenen, schlichten Ballade relativen Erfolg: Frankreich kramte Patricia Kaas aus dem Archiv und ließ sie im schwarzen Kleid einen schlichten, schönen Chanson ins Mikro singen, der fast schon reaktionär war, so traditionell kam er daher. Immerhin Achter!

Im Gegensatz dazu landeten die von mir nach ihrem ultraenergetischen Auftritt sehr hoch eingeschätzten Ukrainer abgeschlagen auf dem 12. Rang. Auch die wie immer schöne bosnische Ballade konnte diese Mal nur noch die einstelligen Ränge sichern: Neunter. Ebenso unter Wert geschlagen: Die bunt-fröhlichen Portugiesen (15.) und die ewige Chiara für Malta (22.).

Richtige Grütze lieferten eigentlich nur Litauen (komplett belanglose Multi-Song-Kopie aus We Are The Champions und Fallin‘), Finnland (WTF?) und Spanien (gähn) ab und landeten verdient auf den letzten Plätzen.

Das deutsche Liedchen ging da einfach nur unter, hätte ein paar Plätze höher und auch noch zwei Plätze tiefer als auf dem 20. Rang landen können, ohne dass sich jemand beschweren könnte. Da helfen eben auch keine amerikanischen Kauftitten, zumal dann, wenn sie von der russischen Regie weitgehend ausgeblendet und anschließend zu langsam geschüttelt werden.

Man muss immer wieder mal daran erinnern, was die letzten deutschen Grand-Prix-Erfolge waren: Max, Michelle, Stefan Raab, Sürpriz, Guildo Horn, MeKaDo sowie Chris Kempers und Daniel Kovac konnten in den letzten 20 Jahren einstellige Platzierungen für Deutschland holen. Und ich denke Sie sehen, dass sie nichts sehen: Kein Muster, kein Schema in diesen Songs. Es gehört einfach ein guter Song dazu, der in die Zeit passt und gut performt wird. Und dann auch ein bisschen Glück.

Advertisements

2 Gedanken zu “I hope we have a little bit lucky

  1. dogfood schreibt:

    Natürlich sind die Verschwörungstheorien diesmal ins Leere gelaufen – weil dieses Jahr der Einfluß der Zuschauervoten durch die Einführung der Jurys halbiert wurde. Die nächsten Jahre werden wir sehen, ob der „ausgeglichenste Song Contest“ nur zufällig mit dem neuen Voting-Modus kam.

    (Hier die nächste Verschwörungstheorie: wieviel Geld wäre die BBC noch willens gewesen, in die Veranstaltung reinzupumpen, wenn ihre „letzte Patrone“, mehrteilige Casting-Show mit Andrew Lloyd-Weber und patriotischen Untertönen (your country needs you!), gefloppt wäre?)

  2. Mit den Jurys hast du natürlich recht, das war mir tatsächlich durchgegangen. Mein Urteil, dass es der ausgeglichenste ESC seit langem war stützte sich allerdings weniger auf die Punkte, sondern auf meine Einschätzung der Titel.

    Dennoch glaube ich nicht dran, dass das einen enormen Einfluss hatte, denn um deiner Verschwörungstheorie etwas entgegenzusetzen: Der mit Abstand größte Beitragszahler ist Deutschland. Also müsste man sich in Deutschland eigentlich noch gedemütigter fühlen als ohnehin, wenn auch die Jurys den deutschen Song so schwach einschätzten, und nicht mal die wirtschaftliche Macht hilft.

    Übrigens waren der kroatische und der finnische Beitrag diejenigen, die im Halbfinale von den Jurys ins Finale gehievt wurden. Die Jurys hatten da sozusagen eine Wildcard und gaben den im Halbfinale 13.-platzierten Kroaten und den 12.-platzierten Finnen einen Direktflug ins Finale. Besonders beim finnischen Beitrag scheint das absurd und genauso erratisch wie alles andere.

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s