Fortuna Köln – Rot-Weiss Essen II 1-1

Abgesehen davon, dass ich nach dem Spiel noch nicht viel Zeit hatte, wäre ich vielleicht doch früher zu einer kurzen Notiz an dieser Stelle gekommen, wenn das sonntägliche Ballgeschiebe zwischen der Fortuna und der zweiten Mannschaft von RWE irgendwie maßgeblich gewesen wäre.

Immerhin holte die Fortuna den letzten Punkt, den sie noch benötigte, um sich vor dem Abstieg zu retten: Drei Spieltage vor Schluss für einen Aufsteiger eigentlich eine ordentliche Leistung. Aber nach sechs Niederlagen in Folge, vor denen mit einem trüben Auge noch auf den Aufstieg geschielt worden war, war das Thema Abstieg de facto nur noch ein Märchen, das die ganz Alten und Pessimistischen sungen.

Tribüne

Mein persönlich letztes Fortuna-Spiel war die verlorene Partie in Bonn gewesen, die den Auftakt der Niederlagenserie gebildet hatte. Am Sonntag entschloss ich mich um kurz nach zwei, spontan ins Südstadion zu düsen und mir persönlich anzuschauen, was denn die Ursache des Elends sein könnte. Einen Grund hatte man schon der Berichterstattung entnehmen können: Die sagenhafte, geradezu epidemische Verletzungsserie der Fortuna, bei der schon seit Wochen gerade mal genug Spieler zusammen kamen, um auch mal jemanden einwechseln zu können. Zuletzt waren mit Cedric Mimbala und Daniel Blankenheim zwei weitere Stammspieler ausgefallen, so dass Trainer Mink sogar einen Spieler aus der zweiten Mannschaft in die Startformation stellen musste. Da diese Zweite in der Kreisliga A kickt, ist das kein selbstverständlicher B-Plan. Es liefen also für die Fortuna auf: Möllering – Maaßen, Schroden, Hoffmann, Gran – Glaser, Dahmani, Höffgen, Honka – Kruth, Stasiulewski. In der Not hatte Mink auf ein 4-4-2 umstellen müssen. Stefan Hoffmann war in die Innenverteidigung gerückt, Hamdi Dahmani hatte vom linken Flügel ins zentrale, defensive MIttelfeld weichen müssen, seine angestammte Position übernahm der aus der Zweiten aufgerückte Andre Honka.

Die Mannschaften laufen auf

In der Anfangsphase entwickelte sich ein schwungvolles Spielchen, insbesondere die Fortuna hatte einige gute Chancen, deren beste mal wieder Stasi vergab: Glaser hatte steil auf Kruth gespielt, der den Ball mit einem gekonnten Tackling und viel Übersicht noch quer legen konnte, wo Stasi aus 14 Metern, zentral vor dem Tor völlig frei zum Schuss kam – und links neben das Gehäuse zielte.,

Käptn Glaser feuert an

Vielleicht hätte ein früher Treffer das Spiel befreit? So aber verflachte die Partie etwas, nur die Essener spielten sich noch einige Chancen heraus und konnten in der 44. Minute dann tatsächlich einnetzen: Ein locker gespielter Angriff, ein Stürmer lässt den Ball geschickt durch, kein Fortune steht näher als 2 Meter am Mann und folgerichtig schlägt’s ein: 0-1.

Pause.

Pausenplausch in der Gästekurve

In der zweiten Halbzeit verflachte die Partie zusehends. Essen spielte einen ruhigen Ball, wollte nicht mit Risiko auf die Entscheidung gehen, musste vor der Fortuna aber auch keine Angst haben, bei der wirklich gar nichts mehr zusammen lief. Alle Versuche, mal steil zu spielen, endeten entweder mit Bällen, die unerreichbar im Toraus landeten, oder der etwas übereifrige Linienrichter hob sein Fähnchen.

Niemals war das Abseits, du Blinder!

So waren die nächsten Höhepunkte dann erst einmal unerfreuliche: Eine Viertelstunde vor Schluss checkte Frank Schroden einen durchgebrochenen Essener Stürmer von hinten noch um und sah die verdiente rote Karte. Besonders bitter, weil die ohnehin knapp besetzte Innenverteidigung, in der Schroden schon seit Wochen der Turm in der Schlacht war, nun noch weiter ausgedünnt ist. Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens Cedric Mimbala zum morgigen Spiel gegen den MSV II wieder fit wird.

Rot für Frank Schroden

Kurz nach der Karte dann tumultuöse Szenen: Kevin Kruth sollte einen Essener gefoult haben, war aber der Meinung, dass der Sportskamerad simulierte, was er ihm deutlich mitteilte. Das sich bildende Rudel umfasste so ziemlich alle Spieler beider Mannschaften, trug aber mehr zur Unterhaltung der Zuschauer bei als zur Klärung des Sachverhalts.

Kevin ist böse

Rudelbildung

Wie dem auch sei, das Spiel hielt ein kleines Happy End für die rund 500 Fans im Südstadion bereit. In der 89. Minute war Stefan Glaser auf rechts endlich mal wieder in den Strafraum eingedrungen, hatte zwei Gegner mit einem Haken ins Leere laufen lassen, der dritte ging vor ihm zu Boden, und auf einmal zeigte der Schiedsrichter Elfmeter an: Es kann nur ein Handspiel gewesen sein, das niemand auf der Tribüne gesehen hatte. Stefan Hoffmann schnappte sich den Ball und verwandelte supersicher zum letztlich verdienten Ausgleich. Es war übrigens der einzige Ball, den die Fortuna im gesamten Spiel auf das Tor das Gegners brachte.

Stefan Hoffmann übernimmt die Verantwortung

Große Fragen blieben nach dem Spiel nicht offen. Lediglich der EIndruck hatte sich verfestigt, dass aus dieser Mannschaft die Luft raus ist. Hoffentlich kommt bald das Saisonende.

Alle Bilder vom Spiel bei Flickr: von mir, von Sebastian Flügel, von palim.

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2 Gedanken zu “Fortuna Köln – Rot-Weiss Essen II 1-1

  1. Burkhard schreibt:

    Ein schöner Bericht !
    Bemerkenswert fand ich noch, dass die Fortuna-Offiziellen einschließlich Stadionsprecher den Essener Führungstreffer nicht mitbekommen haben und bis eine Stunde nach Spielende davon ausgingen, die Unseren hätten 1:0 gewonnen.

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