Kurz reingeschaut: Leonce und Lena im Kölner Schauspielhaus

Ich muss ja zugeben, dass ich, obwohl ich relativ oft ins Theater gehe, nur wenige Stücke bereits vorher kenne. Über die paar Dramen, die man in der Schule so behandelt, habe ich kein einziges Theaterstück daheim auf dem Sessel gelesen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit so ein isolierter Einzelfall bin. Ich gehe ins Theater, weil ich es einfach mag und weil ich mit Erfolg darauf hoffe, immer wieder mal von einer Szene, einem Darsteller, einem Motiv und vielleicht mal einem ganzen Stück gefangen zu werden. Aber ich habe den Anspruch, dass mir ein Stück auch ohne große Vorbildung mitteilt, was es von mir will. Ich kann deswegen recht wenig mit Inszenierungen anfangen, die darauf bauen, dass der Besucher das Stück kennt und dessen Dekonstruktion auf Basis seines Wissens schätzen kann.

„Leonce und Lena“ in der Kölner Inszenierung ist so ein Fall. Glücklicherweise hatte ich mich vorab doch mal kurz in der Wikipedia informiert, um was es eigentlich geht, nämlich die beiden Königskinder Leonce und Lena, die verheiratet werden sollen, ohne sich zu kennen, vor dieser Zwangshochzeit flüchten, sich im Exil kennenlernen, ohne zu wissen, wer der andere ist, und natürlich doch verlieben.

Ich muss gestehen, dass ich in der bunten, unterhaltsamen Inszenierung von Jan Bosse von dieser Story wenig bis gar nichts mitbekommen hätte. Da laufen Schauspieler durchs Publikum, sowieso immer wieder ums Parkett herum, da werden poppige Kleider getragen, Plastikbecher zerstreten und da wird immer wieder bis zur Schmerzgrenze chargiert, bis der Klamauk den Darstellern aus den Poren spritzt. Vielleicht war ich gestern auch einfach nur ein bisschen abwesend drauf, aber schon sprachlich bekam ich kaum etwas mit, weil mir die meisten Texte zu schnell gesprochen wurden. Und der stete Wechsel von Mikrophonverstärkung zu normalem, in den Saal gesprochenen Text, trägt auch nicht dazu bei, dass man sich auf den Inhalt konzentrieren kann. Als Schwierigkeit hinzu kam, dass der Regisseur wohl den Original-Text deutlich umgestellt hatte, was mir die Handlung recht willkürlich erscheinen ließ.

Nach knapp zwei Stunden ohne Pause war ein immerhin nie langweiliger Theaterabend an mir aber doch vorbeigezogen wie eine Revue, von der man nichts mitnimmt außer der Frage, warum sich eigentlich auch Darstellerinnen mit allertiefsten Dekolletés zum Schlussapplaus verbeugen, anstatt mal den aus der Mode gekommenen und genau für solche Zwecke erfundenen Knicks zu versuchen? (Den pubertierenden Jungs eine Reihe hinter mir war’s jedenfalls sehr recht. Und das sei noch zugestanden: Wenn ich jemals froh war, dass die Mittelstufen Kölns geschlossen in eine Theater-Vorstellung stürmten, dann gestern, denn so kam bei den vielen Szenen, in denen die Figuren direkt mit dem Publikum interagierten, wenigstens so viel echte Reaktion zurück, dass die Schauspieler teilweise breit grinsen mussten.)

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