Kurz reingeschaut: De La Soul im Gloria in Köln

20 Jahre nach „3 Feet High And Rising“ und wohl auch 20 Jahre nach dem letzten Konzert in Köln waren De La Soul wieder in der Stadt. Anfang der 90er hatte ich meine große Hip-Hop-Zeit: De La Soul, House of Pain, LIfer’s Group und Arrested Development waren ein paar meiner Favoriten. Dennoch hatte ich vor dem gestrigen Abend noch nie ein Hip-Hop-Konzert besucht und war ein bisschen besorgt, ob ich ohne quer aufgesetztes Käppi wohl ins Gloria gelassen werden würde? Ich wurde. Und überhaupt war das Publikum erstaunlich gemischt. Von jung bis alt, von Normalo bis Szene, von Schlabbershirt bis Tanktop.

Eins muss ich dir aber erst mal vorweg sagen, liebes, schönes Gloria: Die immergleiche Scheiße mit der kilometerlangen Einlassschlange musst du echt mal in den Griff bekommen. So geht das nicht. Ich meine, es zwingt dich ja keiner „Doors: 20h“ auf die Plakate zu drucken, wenn du doch erst gegen 20:45 die ersten Gäste einlassen willst, wenn die Schlange sich ungelogen schon 400 Meter lang bis um die Apostelnkirche herum windet. Nervig.

Es begann mit der sehr korrekten Vorband „Dickes B“. Live gespielter, deutscher Hip Hop aus Köln vom Allergepflegtesten, erinnerte mich an eine Mischung aus Fischmob und Eins, Zwo. Sehr angenehm, die Combo würde ich mir auch ohne De La Soul wieder ansehen! Besonders erwähnenswert, wie gut das Publikum mitging. Selbst eine Art H.U.M.B.A-Choreo funktionierte, als die Band das komplette Parkett sich auf den Hosenboden setzen und auf Kommando wieder aufspringen ließ. Beeindruckend!

Nach kurzer Umbaupause, die eigentlich mehr ein Abbau war, weil alle Instrumente von der Bühne geräumt wurden und nur noch das DJ-Pult stehen blieb, traten De La Soul vor das Gloria, und sofort merkt man, warum die Jungs so berühmt wurden: Sie bieten eine unglaublich energiegeladene Show, die das Publikum einbezieht und bei der echt was rüberkommt. Natürlich ist das bestes Showmanship, teilweise genauso schlicht wie wirkungsvoll, und es muss nicht von Herzen kommen, aber es ist einfach perfekt gemacht. Das Publikum tobt von der ersten Sekunde.

Die Show ist so perfekt, dass man sogar ins Grübeln kommt, als zum zweiten Mal in der Show der Backing Track unvermittelt abbricht, angeblich ein Fehler von DJ Maseo. Oder doch eine kalkulierte Menschlichkeit?

Denn dass die De Las nicht die größte Lust auf ein ausgedehntes Konzert hatten, wurde nach 40 Minuten klar – als sie tatsächlich die Bühne verließen. Zwar kamen sie noch einmal für eine rund 20-minütige Zugabe zurück, aber obwohl das Publikum, das schon das ganze Konzert über enthusiastisch mitgegangen war, auch anschließend noch ausdauernd „De La! De La!“ forderte, kamen die Long Islander nicht mehr zurück. 60 Minuten Konzert für immerhin 25 Euro + VVK? Da hätte ich mir echt ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis erwartet.

Unterm Strich: Gemischte Gefühle. Drei verdiente Legenden gesehen, aber dennoch den Eindruck nicht abschütteln können, dass hier nicht mehr als die Pflicht erfüllt wurde. Ein Eindruck, den De La Soul mit nur 20, 30 Minuten mehr Konzert nie hätten aufkommen lassen können.

De La Soul live im Gloria

De La Soul live im Gloria

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4 Gedanken zu “Kurz reingeschaut: De La Soul im Gloria in Köln

  1. jpf schreibt:

    Ah verflixt: war so am überlegen ob oder ob nicht. Teils auch wegen Gloria/Räumlichkeiten, und der Unfähigkeit, mir De La Soul dort vorzustellen.
    Und nun weiss ich (immer noch) nicht einmal, ob was verpasst oder nicht ;).
    Grüße aus MS, jpf

  2. Hi mal wieder, jpf!

    Ich würde sagen: Wenn ich den Weg aus Münster gemacht hätte, dann hätte ich mich geärgert. Dafür war’s dann doch deutlich zu kurz und soooo berühmt jetzt auch nicht.

    Übrigens geh ich am 7.7. zu Lambchop in die Kulturkirche. Vielleicht willst du da ja mitkommen? Das letzte (und bislang einzige) Lambchop-Konzert, auf dem ich war, hat mich damals umgeblasen: http://blogs.23.nu/bubbleboy/2004/04/antville-3922/. Jochen ist vielleicht auch dabei.

  3. jpf schreibt:

    Hi,

    ja, vermutlich hast du Recht wegen De La Soul.

    7.7. ist Zwickmühle wegen unter der Woche, aber ich schau mal.
    Kulturkirche ist ja eigentlich immer ganz fein.

    Und ich könnte mich täuschen, aber ich mein da war ich mit. Jedenfalls ein gutes Konzert von Lambchop in Erinnerung, mit Streicher (und Sohn?) etc. und Jochen war mit am Start.

    Ich meld mich dazu noch!
    Grüße, J

  4. Vulkanente schreibt:

    Hallo Konzertgänger,

    feines Posting, auch wenn ich mir das erste Video von den Dicken nicht komplett anschauen kann, schade. Puffern funktioniert net so richtig.
    Wenn Du diese geniale Truppe nochmal sehen möchtest (vor der vermutlichen Sommerpause bis August), dann schau´doch am Sonntag im Friedenspark in der Kölner Südstadt vorbei. Beim Edelweißpiratenfestival treten sie um 16 Uhr und um 18:30 auf; es lohnt sich, das kann ich bestätigen. Letzten Samstag beim Medienfest war oberknaller.
    Greetz
    Nina

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