Claudia Pechstein im Sportstudio

Beim Auftritt von Claudia Pechstein gestern im Sportstudio war ich vor allem gespannt darauf, wie Michi „Softball“ Steinbrecher die Aufgabe meistern würde. Unter Strich würde ich sagen: Okay – wenn auch mit zu extremen Höhen und Tiefen.

Zu den Tiefen gehörte, wie Steinbrecher zunächst Claudia Pechstein und dann noch den Präsidenten der Deutschen Eisschnellauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, minutenlang darüber referieren ließ, dass die  International Skating Union angeblich einen „Kuhhandel“ angeboten habe: Pechstein solle als aktive Atheltin zurücktreten, dann würden die Ergebnisse des Dopingtests nicht veröffentlicht.

Falls das so gewesen ist, dann ist das tatsächlich ein sehr interessanter Aspekt, wenn es darum geht, Licht auf die Zögerlichkeit von Sportverbänden bei der Aufdeckung von Dopingfällen ihrer Spitzenathleten zu werfen. Allerdings ließ Steinbrecher diesen Vorgang viel zu diffus als vermeintlichen Beleg für die Unschuld von Pechstein im Raum stehen, obwohl die beiden Punkte ja nun erkennbar wenig miteinander zu tun haben. Die Vorne-Verteidigung von Pechstein ging hier voll auf: Zeige auf das unsaubere Verhalten des Weltverbands, dann fragt niemand mehr danach, ob es hier nicht vielleicht sogar zwei Fälle zu beurteilen gibt.

Sehr positiv allerdings die Einladung des Pharmakologen Professor Sörgel. Auch wenn dem, ganz der verträumte Wissenschaftler, kurz der Name von Frau Pechstein entfiel, sagte er dann mit erfreulich unmissverständlicher Klarheit, dass die bei Claudia Pechstein gemessenen Werte nicht anders zu erklären seien als eben mit Doping. In your face: solche Situation muss ein guter Moderator herstellen.

Etwas peinlich dann am Ende aber wieder der betonte Rückzug von Steinbrecher darauf, dass in dem Sportstudio-Gespräch ja nun zum Glück nicht geurteilt oder vorveruteilt worden sei. Zwar ist es richtig, dass es Steinbrechers journalistische Pflicht ist, sich in so einem Gespräch nicht auf eine Seite zu stellen (vgl. Christoph Minhoff). Aber natürlich sollte er sehr wohl den Zuschauer mit seiner Sendung in die Lage versetzen, sich ein Urteil zu bilden, wenn auch vielleicht kein abschließendes.

Denn man darf auch noch einmal festhalten, dass Pechstein bereits von einer neutralen Instanz verurteilt worden IST, nämlich von der Disziplinarkommission der International Skating Union. Man braucht hier niemandem mehr mit „Vorverurteilungen“ oder „Unschuldsvemutungen“ zu kommen. Pechstein ist in einem Verfahren zu einer zweijährigen Sperre wegen Dopings verurteilt worden, in dem sie sich äußern konnte und das für die Disziplinarkommission nicht überzeugend genug oder gar entlastend tat. Und selbst wenn sich Journalisten freiwillig an die Unschuldsvermutung binden, dann darf hier nicht nur vermutet, sondern mit Berufung auf einen vorerst gültigen sportdisziplinarischen Beschluss ruhigen Gewissens behauptet werden, dass Claudia Pechstein gedopt hat.

Insofern wirkte Steinbrechers Ermahnung am Ende dann doch wieder eher als Parteinahme für Claudia Pechstein.

Es war also nicht die von mir befürchtete Propagandaveranstaltung für unsere Olympiaheldin, aber mehr Geradlinigkeit hätte die Sendung durchaus noch vertragen können.

Hier noch mal der Link zum Video von Pechsteins Auftritt in der ZDF-Mediathek: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/790904

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6 Gedanken zu “Claudia Pechstein im Sportstudio

  1. Amygdala schreibt:

    Mir gefällt die Klarstellung zum Zusammenhang von Urteil, Vorurteil, Vorverurteilung und Unschuldsvermutung Schuldspruchs außerordentlich gut, wirft er doch ein weiteres Schlaglicht auf den herrschenden Journalismus, der trotz Schuldspruchs weiter von Unschuldsvermutungen faseln und so rechtfertigen, daß sie Verurteilten noch soviel Sendeplatz für ihre Nebelkerzen zur Verfügung stellen.
    Deshalb würde ich mir wünschen, daß sie ebenso scharfsinnig vievielleicht ber schreiben könnten, weshalb in diesem ganzen Fragenkomplex Indizien so schlechte Karten haben, ganz so als sei ein urteil, daß auf Indizien rekurriert, gar kein Urteil. Sollten Doper erst dann schuldig sein, wenn sie ihre Schuld gestehen? Das hätten die wohl gerne.

  2. Hans-Juergen Richter schreibt:

    Das ZDF zeigt beinahe traditionsgemäß großes Doper-Verständnis.
    Der eigentliche Skandal bei Frau Retikulozyten-Pechstein aber ist, dass diese offensichtlich via Bundespolizei – mit der sie auf ihrer Homepage verlinkt ist – auf Kosten des Steuerzahlers für ihre Doping-Karriere subventioniert wurde.
    Generelle Frage: Brauchen wir solche Polizistinnen, wer kontrolliert die Polizei?

  3. Das ist richtig, aber auch nichts Ungewöhnliches. Viele Sportler sind Soldaten, Pechstein ist Polizeihauptmeisterin, und indirekt waren ja auch Jan Ullrich und die anderen Telekom-Radler Staatsbedienstete.

    Nun kann man dem Staat hier nicht unterstellen, Doping zu betreiben. Aber man kann sich fragen, ob er nicht wenigstens bei Risikosportarten genauer hinsehen sollte.

  4. werner schreibt:

    die wird nie eine schuld zugeben. sie verkauft alle für dumm.

    ehrgeizig, gierig,eiskalt. sie will weiterhin gewinnen. das sieht man ihr an.

    und alle ,die sie unterstützen, machen sich mitschuldig.

  5. Ich schreibt:

    @werner
    mittlerweile gibt es sehr viele experten, die medizinische gründe haben um das cas urteil in frage zu stellen. leider werden diese nicht so in den medien präsentiert wie die herren sörgel, franke und co!!!
    außerdem macht sich niemand mitschuldig, nur weil er claudia pechstein in dieser, für sie sehr harten zeit unterstützt.

    tja, es ist wohl viel einfacher, sich der meinung anzuschließen sie habe gedopt, als gegen den strom zu schwimmen und etwas gegenteiliges zu glauben und dies auch zu sagen- zumindest solange bis ihr nicht etwas klipp und klar nachgewiesen werden konnte!!!

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