Schermbeck und die Dauer des Augenblicks

Ein interessantes Urteil: Der SV Schermbeck darf nächste Saison in der NRW-Liga antreten, obwohl er die Bewerbungsunterlagen erst 15 Minuten nach Ablauf der Frist beim Verband eingereicht hatte. Das entschied das Duisburger Landgericht, vor das die Schermbecker nach der Verweigerung der Lizenz durch den Verband gezogen waren. Die NRW-Liga wird also wieder auf 19 Mannschaften aufgestockt.

Mein erster Gedanke war: Gibt’s doch gar nicht, wofür sind denn Fristen da? Mein zweiter Gedanke: In der Tat ist ja wegen dieser 15 Minuten niemandem ein Schaden entstandenb, war ja quasi noch pünktlich.

Und mein dritter Gedanke ist dann wieder: Wie spät ist denn zu spät? Wenn man sich darauf einlässt, dass 15 Minuten nicht nennenswert zu spät sind, gilt dann demnächst jede Frist cum tempore? Wäre dann eine Abgabe 16 Minuten nach Ablauf der Frist endgültig zu spät? Oder 30 Minuten? Oder eine Stunde? Oder 3h14′, analog zu Pi, um mal eine willkürliche Zahl zu nennen?

Denn letztlich ist es doch so mit Fristen: Auch wenn ich sie verlängere, ist irgendwann immer noch Ultimo. Mit einer Zeitangabe „12:00 c.t.“ ist eben auch nichts anderes gemeint als 12:15 Uhr. Und dann werden um 12:25 Uhr die Trödler ankommen, und sich darauf berufen, dass es um die 10 Minuten, die sie die Kulanz überzogen haben, ja nun auch nicht gehen könne. Und so weiter, und so fort, ad infinitum.

Aus menschlicher Sicht ist die Fristverlängerung also durchaus verständlich, die das Duisburger Landgericht vorgenommen hat. Wenn man sich aber durchdenkt, wohin das führt, dann fallen einem wenig Gründe ein, eine Fristüberziehung zuzulassen.

Gut, dass ich nicht Richter bin.

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2 Gedanken zu “Schermbeck und die Dauer des Augenblicks

  1. Kommentator schreibt:

    Mir hat mal mein erster Vermieter, aus gegebenem Anlass *schiefgrins*, erklärt, warum man im Prinzip auch einen Pfennig (so lange ist das her) einklagen kann: Wenn ein Pfennig nicht einklagbar wäre, würde jeder sofort jede Zahlung um einen Pfennig reduzieren.
    Sollte/soll heißen: Es gibt schlicht eine Grenze, und das ist genau der Betrag/die Frist/die Uhrzeit/die Leistung, die vereinbart wurde, und nicht der kleinste Teil weniger.
    Ich fand und finde das nachvollziehbar und für ein vernünftiges Prinzip. Dass es Ausnahmen geben kann, spricht – wie immer – nicht gegen die einzuhaltende Regel.

  2. Der Unterschied, der diesen Fall etwas schwieriger macht, ist, dass sich im Fall einer zu niedrigen Überweisung der Schaden sofort eindeutig messen lässt, selbst wenn er sehr gering ist.

    Im Fall der Einreichung von Liga-Unterlagen ist das kniffliger. Da entsteht der Schaden für andere Bewerber nur dadurch, dass die bei einer längeren Frist möglicherweise auch bessere Unterlagen eingereicht hätten, einen zusätzlichen Sponsor gefunden hätten o.ä. Lässt sich nur nicht beweisen und ist bei einer Fristüberschreitung von 15 Minuten auch unwahrscheinlich – aber keineswegs unmöglich. Schließlich hat der SV Schermbeck offensichtlich auch bis zur letzten Minuten gebraucht, um seinen Kram zusammen zu bekommen…

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