Kurz reingeschaut: Lambchop in der Kulturkirche in Köln

Nach fünf Jahren also mal wieder Lambchop live. Die Location war dieses Mal eindeutig stimmungsvoller angesetzt als damals die doch vergleichsweise zweckmäßige „Kantine“: Die Kulturkirche ist eben eine richtige Kirche, mit hohen Bögen, bunten Fenstern, und wenn auch nicht katholisch-prunkvoll, dann doch evangelisch-wirkungsvoll.

Lambchop live

Kurt Wagner war mit vergleichsweise kleiner Besetzung aufgelaufen: Slide-, Lead- und Rhythmusgitarre, Schlagzeug, Bass, Tasten und natürlich der alte Mützenmeister selbst. Mehr als diese sieben Personen wären auch kaum auf die kleine Kulturkirchenbühne geganen.

Doch man muss im Nachhinein sagen: Weniger wäre mehr gewesen. Seine stärksten Momente hatte das Konzert während der ruhigsten Passagen. Je lauter und voller der Sound der Band wurde, desto schlechter wurde nämlich leider auch der Sound. Die leisen Stellen wurden vom Hall des Gemäuers wunderbar getragen und sogar verstärkt. Doch mit zunehmender Lautstärke hatte man den Eindruck, dass sich das dritte und vierte Echo auch noch hörbar mit dem direkten Klang zu einer Soundmatsche überlagerten, unter der am meisten der Bassist litt. Dessen fingerfertiges Spiel war nämlich selbst aus der letzten Reihe noch gut zu sehen, bloß nicht zu hören. All die schönen und schnellen Läufe verschwammen zu einem einzigen, durchgehenden Wummern. Schade, denn gerade die filigrane, luftige Abmischung gibt der Musik von Lambchop auf den Platten viel von ihrer Qualität.

Aber es bleiben natürlich immer noch die tollen Songs. Lambchop konzentrierten sich am Dienstag logischerweise etwas mehr auf die letzten Platten. Doch seit „Is A Woman“ kam kein Klassiker mehr. Die Songs von „Ohio“ sind gefällig, aber sie haken sich nicht im Ohr fest. Also konzentrierte ich mich während des Konzerts auch etwas mehr auf die tollen, schlichten Lichtstimmungen

Lambchop live

Lambchop live

Zusammen mit Kurt Wagners gewohnt sonorer Stimme wurde es so doch noch ein sehenswertes Konzert, das seinen Höhepunkt gegen Ende und mit der ersten Zugabe erreichte. Kurz vor Ende des regulären Sets gab es das tolle „Up With People“ (siehe Video unten, sorry für den Ende etwas unmotivierten Schwenk), und als Schluss der ersten Zugabe die unfassbare Coverversion von „This Corrosion“. Und nun auch endlich erzählte Pianist Tony einen seiner sagenhaften schlechten, von der Struktur und der Erzählung her astreinen, aber am Ende ins pointenlose Nichts auslaufenden Witze, von denen er in der Kantine gleich mehrere zum Besten gegeben hatte. Ein perfektes Pendant zur Musik von Lambchop, bei der man immer ein Lächeln auf dem Gesicht hat, aber nie laut lachen muss.

Und dann, im Anschluss an die erste Zugabe, setzte sich endlich, endlich mal wieder das Publikum über die schon eingespielte Musik hinweg, klatschte einfach weiter und erzwang noch ein zweites Da Capo, ein Cover von Bob Dylan’s „I Threw It All Away“.

Am Ende wurde es trotz des leicht verhunzten Sounds doch ein schönes Konzert einer Band, die live so musikalisch ist, wie sonst nur wenige. Nächstes Mal bin ich wieder dabei.

Lambchop

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